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Kortison verschlimmert Kniearthrose

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Von: Pamela Dörhöfer

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Aua! Das Knie schmerzt.
Aua! Das Knie schmerzt. © Imago

Forschende aus den USA mahnen zur Vorsicht beim Einsatz von Injektionen mit Glukokortikoiden.

Bei Schmerzen durch eine Kniearthrose werden häufig Kortison-Spritzen gegeben. Sie wirken stark entzündungshemmend und lindern deshalb in der Regel zunächst schnell die Pein. Nun haben zwei Studien allerdings ergeben, dass Injektionen mit Glukokortikoiden das Fortschreiten der Krankheit beschleunigen können. Die Ergebnisse wurden vergangene Woche bei der Jahrestagung der Radiological Society of North America vorgestellt.

Arthrose ist eine oft sehr schmerzhafte, chronische, degenerative und fortschreitende Erkrankung, die mit einer Veränderung der betroffenen Gelenke und mit Knorpelabbau einhergeht. In den USA, aber auch in anderen Industrieländern, ist sie die häufigste und für die Wirtschaft bedeutendste chronische Erkrankung des Bewegungsapparats. In den USA leiden 32,5 Millionen Menschen daran, in Deutschland etwa fünf Millionen. Risikofaktoren sind das Alter, Übergewicht, aber auch über einen langen Zeitraum regelmäßig ausgeübte, die Gelenke belastende Tätigkeiten.

Die erste der beiden aktuellen Studien stammt von der University of California, San Francisco. Hier wurden 210 Frauen und Männer eingeschlossen, von denen 70 Injektionen gegen ihre Arthrose erhielten, 44 davon mit Kortison, 26 mit Hyaluronsäure, dem Hauptbestandteil des menschlichen Bindegewebes. Die restlichen 140 Teilnehmenden bekamen keine Spritzen.

Bei allen Patientinnen und Patienten wurde zum Zeitpunkt der Injektion sowie zwei Jahre davor und zwei Jahre danach ein MRT gemacht. Das Ergebnis: Kortison-Injektionen linderten zwar die Schmerzen, sollen jedoch „signifikant mit dem Gesamtfortschreiten der Arthrose im Knie assoziiert“ gewesen sein, wie es in einer Mitteilung der Radiological Society of North America heißt.

Die Schädigungen sollen sich insbesondere im Außenmeniskus sowie im äußeren und mittleren Knorpel gezeigt haben. Die Forschenden raten deshalb, Kortison bei Kniearthrose „mit Vorsicht“ zu verabreichen. Spritzen mit Hyaluronsäure hingegen wirkten sich eher positiv aus: Sie führten im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Injektion zu einem langsameren Fortschreiten der Erkrankung.

Hyaluronsäure als Option

Auch in der zweiten Studie, die von der Chicago Medical School of Rosalind Franklin University of Medicine and Science stammt, wurden alle drei Vorgehensweisen bei 150 Frauen und Männern verglichen, hier mittels Röntgenaufnahmen – und auch hier ergab sich ein ähnliches Bild: Im Vergleich zu Patientinnen und Patienten, die eine Hyaluronspritze oder gar keine Behandlung erhielten, sah man bei jenen, die Kortison injiziert bekamen, ein schnelleres Fortschreiten der Arthrose, „einschließlich einer Verengung des Gelenkspaltes“, was ein Kennzeichen der Erkrankung ist.

Auch die Autor:innen dieser Studie warnen vor dem allzu schnellen Einsatz von Kortisoninjektionen. Die Ergebnisse deuteten zudem darauf hin, dass Hyaluronsäure-Injektionen als wirksame, risikoärmere Therapie bei Kniearthrose weiter untersucht werden sollten.

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