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In Florida erwägt man eine Bibel-Initiative an Schulen für die Klassen neun bis zwölf.

USA

Konservativer Vorstoß

„In God We Trust“: Evangelikale wollen Bibelkurse an US-Schulen.

Senator Dennis Kruse glaubt an die Erschaffung der Welt, so wie sie in der Bibel beschrieben ist. Und der Republikaner aus Indiana will seinen Glauben flächendeckend in die Klassenzimmer tragen. Der bibeltreue Senator ist in seinem Missionsdrang unermüdlich. Seit der Jahrtausendwende hat er sechs Gesetzesvorlagen in den Kongress eingebracht, um seine religiösen Überzeugungen auch an öffentlichen Schulen zu verbreiten. Erfolg hatte er damit bislang nicht. Auch 2013 nicht, als er versuchte, in Indiana das morgendliche Schulgebet wieder einzuführen. Das ist nicht der einzige Vorstoß, der an der in der Verfassung vorgeschriebenen Trennung von Staat und Religion kratzt.

Kruse schöpft neuerdings Mut aus den Fortschritten, die konservative Evangelikale in anderen Bundesstaaten machen. Im zurückliegenden Jahr beschlossen mehrere Bundesstaaten sogenannte „In God we Trust“-Gesetze, darunter Alaska, Kentucky, Missouri und South Carolina. Weitere Bundesstaaten planen ähnliches.

Obwohl die US-Verfassung die Bevorzugung einer bestimmten Religion durch den Staat verbietet, erlauben diese Staaten nun ausdrücklich die Anbringung des Gottesbekenntnisses an öffentlichen Gebäuden und Fahrzeugen.

Florida erwägt zudem eine Bibel-Initiative an Schulen für die Klassen neun bis zwölf. Der Entwurf fordert zwar „ein objektives Studium der Religion“, doch Kritiker wie der Mitbegründer der „Florida Freidenker Gemeinschaft“, David Williamson, halten das für eine Mogelpackung. Es werde ausschließlich das jüdisch-christliche Weltbild vermittelt. Das sei kein objektiver Religionsunterricht.

Doch die Initiative findet Unterstützung im Weißen Haus. Präsident Donald Trump, der im Wahlkampf Schlagzeilen damit machte, selbst nicht ganz bibelfest zu sein, twitterte Ende Januar begeistert, zahlreiche Staaten führten Kurse zur Bibelkompetenz ein. Es sei „großartig“, dass die Schüler die Möglichkeit erhielten, die Bibel zu studieren.

Kritiker sehen die Trennung von Staat und Religion in Gefahr

Vizepräsident Mike Pence und Außenminister Mike Pompeo, beide aktiv in der evangelikalen Bewegung, ermutigten Trump, beim Nationalen Gebetsfrühstück am 8. Februar die Bedeutung des Glaubens für das Land herauszustreichen. Schon eine Woche zuvor, anlässlich seiner Rede zur Lage der Nation, berief sich Trump ausdrücklich auf das Motto „In God we Trust“ (Wir vertrauen auf Gott).

Dieser Wahlspruch hat in den USA eine politische Dimension, die bis in die Bürgerkriegszeit zurückreicht. Der Satz prangte auf den Dollarmünzen und spiegelte das christliche Bewusstsein der Amerikaner wider. In den 1950er Jahren des Kalten Krieges avancierte die Losung zur Antwort auf den Atheismus des Kommunismus. Öffentliche Frömmigkeit war wieder en vogue.

Der Religionswissenschaftler David Mislin von der Temple University in Philadelphia meint, damals sei von Politikern auf breiter Front eine „In God we Trust“-Strategie verfolgt worden. Präsident Dwight Eisenhower versuchte den starken christlichen Glauben seiner Landsleute ebenso zu betonen wie der evangelikale Prediger Billy Graham.

Es sei die Antwort der Konservativen auf Roosevelts wirtschafts- und sozialpolitische „New Deal“-Politik gewesen, die mit staatlichen Eingriffen die damalige Wirtschaftskrise bekämpfte. Sichtbarer Ausdruck war der Aufdruck des Mottos auf dem Papiergeld im Jahr 1956.

In der 80er-Jahren belebte der damalige Präsident Ronald Reagan die Rhetorik neu. Er ließ es nicht an Deutlichkeit mangeln, dem aus seiner Sicht gottlosen Sowjet-Kommunismus etwas entgegenzusetzen. „Wenn wir jemals vergessen, dass wir eine Nation unter Gott sind, dann werden wir eine Nation sein, die untergeht“, hielt er 1984 fest.

So gesehen sind die aktuellen Initiativen in den Bundesstaaten nicht ohne Vorbild. Die Interessenvertretung „Americans United for Separation of Church and State“ übt Kritik und sieht hinter den jüngsten politisch-religiösen Aktivitäten eine größere Kampagne, um das „jüdisch-christliche Erbe im Recht zu verankern“. Senator Kruse hofft, dass es dazu kommt. (kna)

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