Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bei höheren Windkraftanlagen ist die Kollisionsgefahr mit Vögeln größer. epd
+
Bei höheren Windkraftanlagen ist die Kollisionsgefahr mit Vögeln größer.

Erneuerbare Energien

„Kompromisse bei der Windkraft sind möglich“

  • vonJörg Staude
    schließen

Elke Bruns, Expertin für die Energiewende, über das Repowering alter Anlagen, Standorte im Wald und Konflikte mit dem Naturschutz.

Frau Bruns, neben fehlender Akzeptanz durch Anwohner:innen gilt der Naturschutz als großes Hemmnis für neue Windkraft. Haben Sie Verständnis, wenn die Branche darüber klagt?

Der Natur- und Artenschutz ist nur einer von mehreren Faktoren, die eine Rolle spielen, auch wenn gerne der Eindruck erweckt wird, dass der Naturschutz hauptsächlich dafür verantwortlich sei. Es gibt andere, weit schwerer wiegende Probleme. Zunehmend wird inzwischen auch erkannt, dass der Naturschutz durchaus Möglichkeiten bietet, Hemmnisse beim Ausbau der Erneuerbaren zu beseitigen oder diesen sogar zu beschleunigen.

Wegen der Frage, ob Windkraft wenigstens im Wirtschaftswald erlaubt sein soll, drohte jüngst die Regierungskoalition in Thüringen zu platzen. Die Debatte ist alt – wie stehen Sie dazu?

Genauso alt ist der Satz: Wald ist nicht gleich Wald. Man muss schon genauer hinschauen: Welche Funktionen haben die Waldflächen für Erholung, fürs Klima, für den Arten- und Naturschutz. Es ist nicht zwingend erforderlich, Windenergie im Wald grundsätzlich auszuschließen. Unter strikter Anwendung von Vermeidungsgrundsätzen lassen sich aus unserer Sicht Windenergieanlagen auf bestimmten Waldstandorten naturverträglich realisieren.

Gilt das noch, wenn der Wald in Deutschland durch drei Dürrejahre, Brände und den Borkenkäfer stark geschädigt ist und weiter forstwirtschaftlich genutzt wird? Muss da auch noch Windkraft sein?

Die Windenergie ist nicht der Grund dafür, dass der Wald stark geschädigt ist. An allen Ursachen, die den Wald schädigen, muss man versuchen etwas zu ändern und den Wald wieder aufbauen. Aber muss die logische Konsequenz sein, die Windkraft im Wald zu verbieten? Es ist ja nicht so, dass die Windenergie der große Flächenverbraucher im Wald ist – verglichen nur einmal mit anderen Eingriffen wie dem Bau von Straßen oder Wohn- und Gewerbegebieten. Dafür wird Wald unter Umständen im großen Stil abgeholzt.

Diskussionen gibt es beim Repowering alter Anlagen. Viele Standorte sind heute nicht mehr genehmigungsfähig. Deswegen will die Windbranche, dass beim Wegfall eines alten Standorts ein neuer in der Nähe bereitgestellt werden muss, auf dem dann leistungsfähigere Anlagen errichtet werden können. Wie sehen Sie die Chancen dafür?

Das wird nur sehr schwer zu verwirklichen sein. Wind-Vorranggebiete werden auf Grundlage eines ganzen Sets von Kriterien abgegrenzt. Es muss anhand harter und weicher Tabukriterien eine nachvollziehbare Abwägung geben, die die einen Flächen aus- und andere einschließt. In dieses Gefüge kann man nicht mit einer Bereitstellungspflicht eingreifen. Wenn der Bedarf an Repoweringflächen bereits in die Erstellung des Gesamtkonzepts einbezogen wird, könnte er berücksichtigt werden. Bei der Ausweisung von Flächen muss man sich von vornherein darüber im Klaren sein, wie viel Fläche für Repowering benötigt wird. Das muss in der Abwägung entsprechend berücksichtigt werden. Aber einfach zu sagen: „Hier gibt es jetzt ein Repowering und dafür brauche ich Fläche und die musst du mir, liebe Gemeinde, bereitstellen“ – das wird nicht funktionieren.

Zur Person:

Elke Bruns ist Abteilungsleiterin für Fachberatung und Standardisierung beim Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE). Zweck der 2016 gegründeten, gemeinnützigen GmbH ist die Unterstützung einer naturverträglichen Energiewende. Das KNE bietet Fachinformationen und Konfliktberatung an. Es ist im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit tätig. (FR / kne)

Was sagt der Vogelschutz zum Repowering: Sind größere und höhere Anlagen weniger oder stärker kollisionsgefährdet?

Eine Anlage mit 100 Metern und eine mit 200 Metern Höhe – das sind schon zwei unterschiedliche Hausnummern. Die heute üblichen größeren Anlagen wirken anders auf Vögel und betreffen Arten, die in anderen Höhen unterwegs sind. Auch spielt der steigende Rotordurchmesser eine Rolle. Bei großen Durchmessern sind die Rotorblattspitzen mit höheren Geschwindigkeiten von 50 bis zu 200 Stundenkilometern unterwegs, und das stellt durchaus eine Kollisionsgefährdung dar. Die neuen größeren Anlagen müssen deswegen artenschutzrechtlich neu geprüft werden.

Elke Bruns ist Abteilungsleiterin beim Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende. kne

Beim Vogelschutz war zuletzt auch viel die Rede von technischen Lösungen, von einem automatischen Abschalten der Windanlage, wenn sich beispielsweise ein Adler nähert. Wie ist da der Stand?

Damit beschäftigt sich das KNE seit 2017. Wir geben fachliche Unterstützung bei der Erprobung von technischen Antikollisionssystemen. Einige Firmen konnten bereits zeigen, dass ihre Systeme die Erwartungen durchaus erfüllen können. Und die Chancen für ihren Einsatz steigen. Bei anderen Systemen steht der Nachweis ihrer Wirksamkeit noch aus. Technische Lösungen sind ein wichtiger Ansatz zur Verminderung von Kollisionsrisiken. In einem Forschungsprojekt untersuchen wir gerade, welche naturschutzfachlichen Anforderungen an den Einsatz dieser Technik zu stellen sind.

Der Windkraft-Betreiber Juwi und das Land Mecklenburg-Vorpommern einigten sich kürzlich darauf, zum Schutz des Rotmilans eine Windkraftanlage zeitweise abzuschalten. Dort hatte sich ein Brutpaar in der Nähe einer bereits genehmigten Anlage niedergelassen. Was halten Sie von dieser Abschalt-Lösung?

Die Einigung zeigt, dass vor Ort immer wieder Kompromisse zwischen Naturschutz und erneuerbaren Energien gefunden werden können. Offenbar ist das wirtschaftlich verkraftbar. Wir sehen es positiv, dass es zu dieser Einigung gekommen ist, denn wenn eine Genehmigung einmal erteilt ist, ist die nachträgliche Änderung für die Behörden ein rechtlich kompliziertes Unterfangen.

Kürzlich debattierte Ihre Einrichtung, ob sich die Gefährdungen für Vögel durch schwarze Rotorblätter verringern lassen. Was kam dabei heraus?

Laut einer Studie des Norwegian Institute for Nature Research (NINA) auf der Insel Smøla konnte die Einfärbung eines Rotorblattes die durchschnittliche jährliche Kollisionsrate um erstaunliche 72 Prozent über alle Vogelarten hinweg reduzieren. Das hat natürlich Hoffnungen geweckt. Wir sind uns mit anderen Expertinnen und Experten aber einig, dass man die Ergebnisse der Studie nicht einfach auf Deutschland übertragen kann, zumal sich die Rahmenbedingungen in Norwegen deutlich anders darstellen als in Deutschland.

(Interview: Jörg Staude)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare