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Student*innen müssen Lehre mitgestalten können.

Gastbeitrag

Kommt der Dünger der demokratischen Mitbestimmung aller dazu, dann kann an Hochschulen gute Lehre erblühen

Grundlegend ist vor allem eine auskömmliche Grundfinanzierung.

Mit dem Qualitätspakt Lehre (QPL) wurde ein Weg in der Hochschulfinanzierung gefunden, der Lehre an Hochschulen mehr Aufmerksamkeit brachte. Nun wird seine Fortsetzung verhandelt und es ist an der Zeit, über Bedingungen guter Lehre zu sprechen.

Zwei Milliarden Euro hat der Bund für den Zeitraum von 2011 bis 2020 für die Qualität der Lehre vorgesehen. Obwohl das angesichts der großen Hochschullandschaft in Deutschland fernab von auskömmlicher Finanzierung ist, hat der Qualitätspakt Lehre zweierlei bewirkt: Zum einen wurden viele unterstützenswerte Projekte vom Studieneinstieg bis ins Studium hinein entwickelt, die häufig nicht mehr wegzudenken sind. Zum anderen hat der Pakt dazu beigetragen, dass in Wissenschaftspolitik und an Hochschulen über gute Lehre gesprochen wird.

Doch was heißt gute Lehre? Dafür gibt es leider keine Checkliste mit Kriterien. Ganz grundlegend bedeutet gute Lehre, dass Student*innen ermöglicht wird, ihren eigenen Bedürfnissen und Interessen entsprechend Lernen. Die Vermittlung notwendiger Grundlagen gehört ebenso dazu wie die kritische Beleuchtung von Sachverhalten und das Fällen eigener Urteile. Kurzum: Student*innen müssen Lehre mitgestalten können.

Das klingt vage, und das ist es auch. Für gute Lehre gibt es kein Patentrezept. Die beste Lehre ist die, mit der sich sowohl Lehrende als auch Student*innen wohlfühlen. Die Qualifikation der Lehrpersonen ist dafür eine Grundlage. Die bisherige Zielsetzung des Qualitätspakt Lehre spiegelt dies begrüßenswerterweise wider.

Die künftige Mittelverteilung sollte nicht hauptsächlich an die Hochschulen gehen, die bereits gut etablierte Programme haben, sondern es muss allen Hochschulen möglich sein, Weiterbildungsangebote aufzubauen oder zu nutzen. In diesem Fall sprechen wir uns also für die zu Unrecht verpönte Gießkanne aus. Die Autonomie der Hochschulen führt jedoch nicht zwangsläufig zu guter Lehre. Wenn aber zu der Gießkanne der Grundfinanzierung der Dünger der demokratischen Mitbestimmung aller an der Lehre Beteiligten kommt, dann kann an allen Hochschulen gute Lehre erblühen.

Dafür müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. Es braucht Räumlichkeiten, in denen gute Lehre stattfinden kann, das heißt Räume, die gut ausgestattet sind und nicht zuletzt allen Studierenden genug Platz bieten. Zu den Rahmenbedingungen eines Studiums gehört auch der Aufbau des Studiengangs. Hier ist in den vergangenen Jahren eine zunehmende Zahl ständiger Prüfungs- und Leistungskontrollen zu beobachten, welche die intrinsische Motivation hemmen und den Fokus vom Erkenntnisinteresse auf das Bestehen von Prüfungen lenken.

Beratungsangebote sind nötig

Dies führt auch zu einem höheren Bedarf an Beratungsangeboten. Dabei können Lernstrategien entwickelt und der Umgang mit Lernstress und Prüfungsangst gemindert werden. Beratungsangebote fangen allerdings strukturelle Probleme nur auf – sie beheben in diesem Sinne Symptome und nicht ihre Ursachen.

Die Rahmenbedingungen von Lehre werden auch durch die studentische Lebensrealität geformt, die davon geprägt ist, dass ein Studium ohne Nebenbeschäftigung den meisten nicht möglich ist, während andere gar nicht erst studieren können. Daran wird auch die Bafög-Novelle nichts ändern.

Prekär sind allerdings nicht nur die Lebensrealitäten von Student*innen, sondern häufig auch die von befristet beschäftigten Lehrenden – beides beeinflusst das Studium negativ. Diese Problematik trifft auf die große Mehrzahl derer, die über den Qualitätspakt Lehre gute Projekte initiiert haben, zu. Diese Bedingungen verweisen auf ein zentrales Problem dieser Art der Förderung: Sie produziert Ungewissheit. Gute Lehre sollte aber auf Dauer und überall erfolgen können.

Das Qualitätsverständnis im Pakt ist getrieben von Innovation und einem Sich-Ausprobieren-Dürfen. Das ist zunächst begrüßenswert; weil Hochschulen davon leben, müssen, tradierte Bahnen zu verlassen und Althergebrachtes – auch sich selbst – neu zu erfinden.

Doch was geschieht mit den neuen Projekten nach dem Auslaufen der Finanzierung? Im Idealfall lassen sie sich in bestehende Strukturen überführen oder enden aus gutem Grunde. Aber auch der Raum dafür, sich zu erproben und zu scheitern muss da sein. Erfolgreiche Projekte brauchen daher eine entfristete Perspektive, weshalb die Erfolge der Kampagne „Frist ist Frust“ beim Hochschulpakt zu begrüßen sind. Dabei handelt es sich um ein breites Bündnis, das vom Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft, den Gewerkschaften GEW und Verdi sowie vielen anderen wissenschaftspolitischen Organisationen getragen wird.

Doch zunächst geht es um die Fortschreibung des Qualitätspaktes Lehre und für den braucht es eine breite Beteiligung. Wenn es um die Qualität von Lehre und um ein gemeinsames Bildungsverständnis geht, dann ist die Dichotomie zwischen Lehrenden und Lernenden aufgehoben. Im Idealzustand guter Lehre gibt es eine Gemeinschaft derer, die an Lehre beteiligt sind. Sollte es im Zuge der Fortschreibung des Qualitätspaktes zu einer Organisation für die Lehre kommen, dann muss auch hier gelten, dass diese gemeinsam mit allen Beteiligten gleichberechtigt gestaltet wird.

Grundsätzlich brauchen wir aber eine auskömmliche Grundfinanzierung für Hochschulen. Dies wäre der eigentliche Pakt für die Lehre.

Marcus Lamprecht ist im Vorstand des Bundesverbandes FZS (Freier Zusammenschluss von Student*innenschaften). Er studiert Politikmanagement an der Uni Duisburg-Essen.

Isabel Schön ist im Vorstand des Bundesverbandes FZS und studiert Soziologie an der Universität Freiburg.


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