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Grubenwasser aus dem Bergbau zur Wärmegewinnung:

Leserfrage

Wie kommt der Ausbau der Geothermie voran?

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Für die FR-Serie haben Leserinnen und Leser Fragen eingeschickt, wir beantworten sie.

Joachim Wille antwortet:

Theoretisch könnte die Energie aus der Tiefe der Erde alle Energieprobleme lösen. Aus dem Innern des Planeten steigt ein ständiger Strom von Wärme an die Oberfläche. Rund 30 Prozent dieser Energie stammen aus dem 5000 bis 7000 Grad Celsius heißen Erdkern, rund 70 Prozent entstehen durch den Zerfall radioaktiver Elemente in Erdmantel und Erdkruste. Angezapft wird die Erdwärme bisher zumeist zum Beheizen und Kühlen von Häusern oder technischen Anlagen. Zum Großteil geschieht das einerseits oberflächennah – in bis zu 400 Metern Tiefe – mit Erdkollektoren, Erdwärmesonden oder Energiepfählen; und anderseits per Tiefen-Geothermie, bei der man wasserführende Schichten in 1000 bis 4500 Metern Tiefe nutzt, die durch Bohrungen 40 bis 150 Grad heißes Wasser liefern und Nah- oder Fernwärmenetze speisen. In Deutschland gibt es bereits rund 400 000 Anlagen zum Beheizen von Häusern. Hinderlich für den Ausbau sind die hohen Investitionskosten von 10 000 bis 15 000 Euro pro Haus und der relativ teure Strom für den Betrieb der Wärmepumpe. Außerdem steht die Erdwärme im Wettbewerb mit Gasheizungen, für die der Brennstoff derzeit sehr günstig ist. Anlagen zur Wärmeversorgung laufen im Voralpenland, im Oberrheingraben oder in der norddeutschen Tiefebene teilweise schon seit Jahrzehnten. Zur Stromgewinnung wird Erdwärme hingegen nur wenig genutzt. Den Startschuss gab im Jahr 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die Strom-Geothermie erstmals per Einspeisevergütung förderte. Insgesamt laufen in Deutschland heute 37 Anlagen der Tiefen-Geothermie, darunter neun, die (auch) Strom produzieren. Drei Anlagen sind im Bau, 30 weitere geplant. Geothermie spielt in den meisten Szenarien für eine vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien im Stromsektor allerdings nur eine kleine Rolle. Das liegt daran, dass sie wegen der hohen Kosten für die Tiefbohrungen vergleichsweise teuer bleibt, während die Kosten für Wind- und Sonnenenergie weiter stark sinken.

Diese Frage stellte André Wolf als Blogkommentar.

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