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Der Komet Neowise (C/2020 F3) sieht am Himmel nur schön aus – der Einschlag eines anderen Kometen oder Asteroiden könnte für die Entstehung der Zivilisation verantwortlich sein, wie wir sie heute kennen. (Symbolbild)
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Der Komet Neowise (C/2020 F3) sieht am Himmel nur schön aus – der Einschlag eines anderen Kometen oder Asteroiden könnte für die Entstehung der Zivilisation verantwortlich sein, wie wir sie heute kennen. (Symbolbild)

Klimawandel

Was ein Komet mit der Zivilisation, wie wir sie heute kennen, zu tun hat

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Ein massiver Einschlag in die Erde vor knapp 13 000 Jahren soll das Ende der Jäger-Sammler-Lebensweise eingeleitet haben. Damit wäre ein „Knall“ der Startschuss unserer Zivilisation.

Edinburgh – Vor 12 900 Jahren haben sich auf der Erde dramatische Umwälzungen ereignet: Ein plötzlicher Klimawandel setzte ein, es gab einen Kälteeinbruch, der zu einem „Rückfall“ der eigentlich bereits beendeten Eiszeit führte. Bezeichnet wird diese ungefähr tausend Jahre anhaltende Kälteperiode als „Jüngere Dryaszeit“. Gleichzeitig kam es zu folgenreichen Veränderungen in der menschlichen Lebensweise: Homo sapiens gab die von ihm und seinen Vorfahren gepflegte Kultur des Jagens und Sammelns weitgehend auf. Statt die Landschaft auf der Suche nach Essbarem zu durchstreifen und weiterzuziehen, fingen die Menschen an, sesshaft zu werden. Sie bauten Nutzpflanzen an, hielten sich Tiere, betrieben also Landwirtschaften, bauten sich Hütten und gründeten erste Siedlungen. Es war der Beginn der Zivilisation, wie wir sie heute verstehen.

Was haben diese Einschnitte gemeinsam? In der Wissenschaft gibt es die These, dass nicht die Entwicklung von intellektuellen, sozialen und technischen Fähigkeiten der Menschen allein die Veränderungen in der Lebensweise bewirkt hat, sondern auch äußere Einflüsse wesentlich beteiligt waren. So hat der mit einem Temperatursturz um mehrere Grade und stärkerer Trockenheit verbundene Klimawandel zu einem Aussterben vieler großer Säugetierarten geführt. Das hat auch die Menschen betroffen, weil ein Teil ihrer Jagdbeute und somit Nahrung wegfiel. Sie mussten sich deshalb umstellen.

Hat der Einschlag eines Kometen oder Asteroiden einen „Weltenbrand“ ausgelöst?

Was aber war die Ursache für die plötzliche Rückkehr der Eiszeit und hat letztlich all diese Prozesse in Gang gesetzt? Darüber wird in der Wissenschaft seit einigen Jahren kontrovers diskutiert. Eine Theorie lautet, dass der Einschlag eines Kometen oder Asteroiden beziehungsweise eines Haufens glühender Fragmente aus dem All vor knapp 13 000 Jahren das Klima auf der Erde abrupt verändert und einen „Weltenbrand“ ausgelöst hat. Ein Forschungsteam der School of Engineering an der schottischen Universität Edinburgh geht davon aus, Belege gefunden zu haben, die diese umstrittene These stützen. Ihre Studie mit dem Titel „The Younger Dryas Impact hypothesis: Review of the impact evidence“ ist bei „ScienceDirect“ veröffentlicht worden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysierten dafür geologische Daten aus vier Kontinenten, insbesondere aus Nordamerika und Grönland, wo die größten Brocken eingeschlagen sein sollen. Ihre Untersuchung zeigt außergewöhnlich hohe Konzentrationen von Platin und Materialien, die bei hohen Temperaturen geschmolzen sein müssen, sowie die Existenz von Nanodiamanten.

Nanodiamanten weisen auf Einschläge von Brocken aus dem All hin

Nanodiamanten sind winzige Diamantenkörner. Sie entstehen bei extrem hohen Temperatur und unter hohem Druck – unter Bedingungen, wie sie auf der Erde natürlicherweise nicht herrschen, aber nach Einschlägen von Brocken aus dem All auftreten können. Bereits früher waren solche Nanodiamanten in den Einschlagskratern von Meteoriten befunden worden. Vor einigen Jahren hatten Forschungsteams Nanodiamanten zudem vor der kalifornischen Küste und in der grönländischen Eisdecke entdeckt – und diese Funde ebenfalls als Hinweise von Einschlägen glühender Brocken aus dem All vor 13 000 Jahren gedeutet.

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Das Vorhandensein all dieser Materialien in den entsprechenden Regionen unterstützt nach Ansicht der Forschenden aus Schottland die Theorie vom Kometeneinschlag als Verursacher des großen Klimawandels vor 13 000 Jahren. Das Team räumt allerdings auch ein, dass weitere Forschung notwendig sei, um zu verstehen, auf welche Weise genau der Einschlag das globale Klima, das Aussterben der vielen Tierarten und die menschliche Lebensweise beeinflusst hat. Auf dem Wissenschaftsportal „SciTechDaily“ wird Studienleiter Martin Sweatman von der Universität Edinburgh dazu wie folgt zitiert: „Hat die Zivilisation also mit einem Knall begonnen?“ (Pamela Dörhöfer)

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