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Angeschwemmter Müll am Strand Cavero, nördlich von Lima, Peru.
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Angeschwemmter Müll am Strand Cavero, nördlich von Lima, Peru.

Globale Umweltprobleme

Kombi-Katastrophe: Was Plastikmüll und Klimawandel miteinander zu tun haben

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Klimawandel und Plastikmüll – wie hängt das zusammen? Ein Forschungsteam untersucht, wie die beiden von Menschen verursachten Übel sich gegenseitig verschärfen.

London/Bangor - Dass steigende Temperaturen, Wetterextreme und die Verschmutzung der Ozeane mit Plastik große globale Probleme mit verheerenden Folgen sind, daran herrscht allgemein kein Zweifel. Weniger gut erforscht sind die Wechselwirkungen zwischen der Klimakrise mit all ihren Facetten und den Massen von Plastikmüll, die in den Meeren schwimmen und an deren Küsten herumliegen. Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Zoological Society London und der Bangor University (Wales) haben nun grundlegende Zusammenhänge zwischen diesen oft separat betrachteten Themen aufgedeckt.

Die Forschenden sammelten für ihre Studie erstmals Beweise dafür, dass sich die durch die Plastikverschmutzung der Meere und den Klimawandels verursachten Probleme gegenseitig verschärfen und einen „gefährlichen Kreislauf schaffen“, wie es in einer Mitteilung der Bangor University heißt. Die Ergebnisse wurden in dieser Woche im Fachmagazin „Science of the total Environment“ veröffentlicht.

Das britische Forschungsteam identifizierte drei verschiedene Arten, auf die Klimawandel und Plastikmüll miteinander verbunden sind. Die erste betrifft die Herstellung und Entsorgung der Kunststoffe, deren Grundlage in erster Linie fossile Brennstoffe sind. Während seines gesamten „Lebenszyklus“ trage Plastik zur Emission von Treibhausgasen bei, heißt es in der Veröffentlichung der Bangor University.

Die zweite Verbindung besteht nach Ansicht der Studienautorinnen und -autoren darin, dass die mit dem Klimawandel einhergehenden Extremwetter-Ereignisse wie schwere Stürme und Starkregen das Abfallproblem verschlimmern. So würden Taifune, Hurrikane und Überschwemmungen Plastikteile, die am Ufer herumliegen oder im Meer treiben, weit auseinander streuen und verbreiten. Zudem, so die Forschenden, könne auch im Meereis eingeschlossenes Mikroplastik freigesetzt werden, wenn steigende Temperaturen das Eis schmelzen lassen.

Ursachen und Folgen des Klimawandels: Bis zu 12,7 Millionen Plastik jährlich im Meer

Die Folgen der dritten Art von Interaktion zwischen Klimawandel und Plastikmüll erscheinen unmittelbar besonders dramatisch: Denn die Hauptleidtragenden sind jene im und am Wasser lebenden Tiere, die für die Folgen von klimatischen Veränderungen und der Verschmutzung der Ozeane gleichermaßen anfällig sind.

Laut der Naturschutzorganisation WWF gelangen jedes Jahr zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Plastik in die Meere, die Überreste von Tüten, Flaschen und Verpackungen machen demnach drei Viertel des gesamten Mülls in den Meeren aus. Bis sich diese Teile aus Kunststoff vollständig zersetzt haben, können viele hundert bis tausend Jahre vergehen. Gefährlich werden die Plastikmassen vor allem vielen im und am Wasser lebenden Tieren: Nach Angaben des WWF sterben jedes Jahr zehntausende von ihnen durch Plastikabfälle. So verwechseln insbesondere viele Vögel, aber auch Meeressäugetiere wie Wale sowie Fische die Plastikteile mit Nahrung, ersticken daran, verhungern qualvoll mit vollem Bauch oder sterben an inneren Blutungen durch scharfkantige Teile.

Gefährlicher Plastikmüll und der Klimawandel: Etliche Tierarten sind bedroht

Zu den Tieren, für die Plastik besonders häufig gefährlich wird, gehören auch solche, die ohnehin besonders bedroht sind, nicht zuletzt durch den Klimawandel. Als prominente Beispiele führen die britischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Meeresschildkröten und Korallen an. Eine Studie australischer Forschender hatte erst im Frühjahr den Verzehr von Plastik als häufige Todesursache junger Meeresschildkröten belegt. Bei mehr als jedem zweiten untersuchten toten Jungtier fand sich Plastik im Magen-Darm-Trakt. Auch der Klimawandel bedroht die Tiere in mehrfacher Weise: Tropenstürme und Überschwemmungen richten im Lebensraum von Meeresschildkröten häufig Zerstörungen an, und steigende Temperaturen wirken sich auf das Geschlecht des Nachwuchses aus. Denn Hitze begünstigt das Schlüpfen weiblicher Schildkrötenbabys, bei stetig steigenden Temperaturen droht also ein Männermangel.

Weithin bekannt ist, dass immer wärmer werdendes Meerwasser Korallenriffe ausbleicht und zerstört. Doch auch Plastik schadet ihnen schwer. So können scharfe Kanten die ohnehin gestressten Korallen aufrauen – also quasi verletzen – und sie dadurch anfälliger für Bakterien und andere Schadstoffe machen.

Veränderungen durch den Klimawandel: Politik zum Handeln animieren

„Unsere Studie zeigt, dass sowohl die Plastikverschmutzung als auch der Klimawandel bereits zu Veränderungen geführt haben, die Meeresorganismen in marinen Ökosystemen und Nahrungsketten betreffen, vom kleinsten Plankton bis zum größten Wal“, sagt Studienautorin Helen Ford von der School of Ocean Sciences der Bangor University. „Wir müssen verstehen, wie diese Bedrohungen des Lebens in den Ozeanen interagieren und politische Entscheidungsträger ermutigen, zu handeln, um diesen globalen Bedrohungen zu begegnen.“

Das öffentliche Bewusstsein und die Berichterstattung in den Medien über den Klimawandel und das Plastikmüllproblem seien im Laufe der Jahre zwar „exponenziell gestiegen“, heißt es in de Mitteilung der Bangor University. Studien zeigten allerdings, dass beide „oft als separate, sogar konkurrierende Themen angegangen“ würden.

„Es geht nicht darum, darüber zu debattieren, welches Thema am wichtigsten ist, sondern darum, zu erkennen, dass beide Krisen miteinander verbunden sind und gemeinsame Lösungen erfordern“, erklärt Studienautorin Heather Koldewey, Leiterin des Bereichs Meer- und Süßwasser der Zoological Society London. Der Klimawandel und die Biodiversitätskrise müssten zusammen, als ein Komplex, angegangen werden. Es sollten deshalb künftig Konzepte erarbeitet werden, die beide Themen integrieren und in der Lage sind, beide Krisen zu mildern. (Pamela Dörhöfer)

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