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Eine Bedingung für die Teilnahme an der Studie: 30 Tage liegen, mit dem Kopf leicht nach unten.
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Eine Bedingung für die Teilnahme an der Studie: 30 Tage liegen, mit dem Kopf leicht nach unten.

Raumfahrt

30 Tage am Stück im Bett liegen - NASA sucht Freiwillige für besondere Studie

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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In Köln will die Nasa mit einer Studie erforschen, wie sich körperliche Schäden bei Flügen durchs All vermeiden lassen. Interessierte können sich jetzt melden.

  • In Köln sucht die NASA Teilnehmer für eine Studie über Schwerelosigkeit.
  • Die Teilnehmer müssen hierfür 30 Tage lang im Bett liegen und eine strenge Diät einhalten.
  • Dafür kann man sich noch bis Mitte Dezember bewerben.

Köln – Faul im Bett liegen für die Forschung? Nicht ganz. Gemütlich und bequem wird es wohl nicht werden für die künftigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Bettruhestudie der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Eher anstrengend: Die Männer und Frauen müssen 30 Tage im Bett verbringen und dabei eine Reihe wissenschaftlicher Tests durchlaufen. Ziel ist es, auf diese Weise Folgen der Schwerelosigkeit für den Körper zu untersuchen und Konzepte zu entwickeln, was den auftretenden Problemen entgegengesetzt werden kann. Das ist wichtig mit Blick auf künftige bemannte Missionen zum Mond oder Mars, die länger dauern würden als die früheren Visiten der Apollo-Astronauten auf dem Erdtrabanten oder ein Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation (ISS). Für diese Studie suchen NASA und DLR noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Für die Studie der NASA und DLR müssen die Teilnehmer 30 Tage im Bett liegen

Schwerelosigkeit, so leicht sie sich für jene, die sie erlebt haben, anfühlen mag, belastet den Körper stark. Nachgewiesen ist, dass Muskeln und Knochen abbauen, was sich durch tägliches Training während des Aufenthalts im All begrenzen und durch eine Reha in der Zeit danach wieder rückgängig machen lässt.

Auch das Herz-Kreislauf-System leidet, ebenso lässt die Sehkraft nach. Durch die Ansammlung von Flüssigkeit wird das Auge „weitsichtig“, was bedeutet, dass man in der Nähe schlechter sieht. Aber es gibt auch Hinweise auf Effekte auf die Netzhaut, zudem könnte sich eine längere Zeit im Weltraum auch negativ auf das Gehirn auswirken.

Wie kann man verhindern, dass die Crew einer Marsmission nicht nach zwei Jahren körperlich und geistig schwer lädiert zur Erde zurückkehrt? Wie lassen sich Schäden am Auge, die übermäßige Belastung von Herz und Kreislauf vermeiden? Das untersucht die neue Bettruhestudie im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln.

Schwerelosigkeit belastet den Körper sehr stark - daher die Studie der NASA und DLR

„Durch den Wegfall der Schwerkraft verschieben sich die Körperflüssigkeiten in Richtung Kopf und rufen unter anderem Veränderungen an den Augen und im Gehirn hervor“, erklärt Andrea Nitsche vom Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin im DLR.

NASANational Aeronautics and Space Administration
Gründung29. Juli 1958
HauptsitzWashington, D.C., USA
LeitungJim Bridenstine
Bedienstete> 17.000
Budget22,6 Mrd. USD (2020)

Die Bedingungen in der Schwerelosigkeit lassen sich auf der Erde besonders gut im Liegen nachempfinden, wenn sich die Flüssigkeiten im Körper gleichmäßig verteilen. Um einen Effekt wie im All zu erzeugen, wird das Bett zusätzlich um sechs Grad geneigt. Das heißt: Die Beine liegen höher als der Kopf. In dieser nicht ganz komfortablen Lage müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Monat lang verharren.

Bei der Studie von NASA und DLR müssen die Teilnehmer insgesamt 59 Tage mitmachen

Immerhin dürfen sie zwischen Bauch-, Rücken- und Seitenlage wechseln. Insgesamt dauert die Studie 59 Tage am Stück. Das teilt sich auf in 15 Tage Eingewöhnung, 30 Tage Bettruhe und 14 Tage Erholung mit „Astronauten-Reha“, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder fit für den Alltag gemacht werden.

Die Studie startet mit einer ersten Kampagne im April 2021, eine zweite Kampagne beginnt im September 2021. Man muss sich darauf einstellen, dass es gelegentlich bereits um 7 Uhr morgens losgeht mit medizinischen Untersuchungen oder wissenschaftlichen Tests. Und manchmal ist erst spätabends nach 22 Uhr Schluss.

Bei der Studie der NASA und DLR bekommen die Teilnehmer eine strenge Diät

Das DLR weist darauf hin, dass „ein strenger Tag-Nacht-Rhythmus eingehalten“ wird und Mittagsschlaf nicht erlaubt ist. Und selbst wenn es mal nicht schmecken sollte oder jemand auf die Idee käme, Kalorien sparen zu wollen: „Die Mahlzeiten müssen aufgegessen werden und es gibt auch nur das, was auf den Teller kommt. Die Teilnehmer bekommen eine individuell angepasste Ernährung, die dafür sorgt, dass sie ihr Gewicht halten“, erklärt Andrea Nitsche. Auch Getränke seien „strikt reglementiert“.

Zu den Tests, denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterziehen müssen, gehört unter anderem die Zentrifuge, Laien dürften sie in Filmen oder Berichten über die Raumfahrt schon gesehen haben. Bei hunderten Runden wird die Körperflüssigkeit wieder in die untere Körperhälfte verschoben und durch die Fliehkräfte der Organismus künstlicher Schwerkraft ausgesetzt. Diese wäre die Voraussetzung, damit Menschen sich im All bewegen könnten, als wären sie auf der Erde – so wie man es in den Raumschiffen einschlägiger Science-Fiction-Serien sieht.

Bei der Studie der NASA und DLR müssen die Teilnehmer auch in eine Zentrifuge

So weit ist die Entwicklung im 21. Jahrhundert allerdings noch nicht. Für ein enges Raumschiff und seinen Weg etwa zum Mars kommt eine Zentrifuge derzeit noch nicht infrage. Möglicherweise jedoch könnte ein Unterdruckzylinder für einen ähnlichen Effekt sorgen, bereits in den 1970er Jahren gab es diese Idee. In der Bettruhestudie wird sie wieder aufgegriffen.

Dafür müssen einige Teilnehmer zweimal täglich drei Stunden von der Hüfte abwärts unter einer Plexiglas-Haube sitzen, in der ein Unterdruck erzeugt wird. „Die Teilnahme ist keine Kleinigkeit, sondern eine echte Herausforderung“, sagt Edwin Mulder, Projektleiter der Studie mit dem Namen „Sans“ (Spaceflight-Associated Neuro-Ocular Syndrome Countermeasures Study). „Aber es ist natürlich auch etwas Außergewöhnliches, bei einem Projekt mitzumachen, das so wichtig für die Raumfahrt ist.“

Für die Studie der NASA und DLR kann man sich bis Mitte Dezember bewerben

Bewerbungen für die erste Kampagne der Studie sind bis Mitte Dezember möglich. Für die beiden Kampagnen werden insgesamt 24 gesunde Teilnehmerinnen und Teilnehmer (zwölf Männer und zwölf Frauen) gesucht. Sie sollten zwischen 24 und 55 Jahre alt, zwischen 1,53 und 1,90 Meter groß sein und nicht rauchen. Andere Voraussetzungen müssen sie nicht mitbringen, außer: „Es ist uns wichtig, dass sich die Teilnehmer für die Raumfahrt interessieren und ihnen klar ist, um was es hier geht“, sagt Edwin Mulder.

Während der Studie sind alle in Einzelzimmern untergebracht, aber nicht gänzlich isoliert: Auch in Kopftieflage besteht die Möglichkeit, sich in der Freizeit mit dem Bett in einen Aufenthaltsraum schieben zu lassen, zum Fernsehen, Essen oder Reden. Zwischendurch kommt auch mal ein Astronaut zu Besuch, verspricht Mulder – zum Erfahrungsaustausch über Schwerelosigkeit. (Pamela Dörhöfer)

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