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Kanada verfügt über riesige Waldgebiete, so wie hier in British Columbia.

Klimawandel

Wälder binden weniger Treibhausgase

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Brände und Wetterextreme machen auch großen Gebieten zu schaffen.

Ein natürlicher CO2-Speicher rückt angesichts des Klimawandels immer mehr in den Fokus: die Wälder. Allein die tropischen Regenwälder binden jährlich bis zu einer Milliarde Tonnen des Treibhausgases. Würden die Wälder gerade in den gemäßigten und nördlichen Breiten aufgeforstet, könnten bis 2050 bis zu fünf Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich gebunden werden, schätzt die Umweltorganisation Fern. Solche Einspareffekte könnten mit den Ausschlag darüber geben, ob sich die Erde sich nur um 1,5 oder um drei bis vier Grad erwärmt.

Für Aufsehen sorgte deshalb jüngst die Nachricht, dass infrage steht, ob die riesigen Waldgebiete Kanadas – sie sind zehnmal so groß wie Deutschland – überhaupt noch mehr CO2 speichern als sie abgeben.

Die Zweifel gehen auf einem kürzlich veröffentlichten Bericht des kanadischen Ministeriums für natürliche Ressourcen zurück. Laut diesem stiegen seit 2001 die Treibhausgasemissionen aus denjenigen Wäldern an, die bewirtschaftet, also vor allem zur Holzgewinnung genutzt werden.

Diese nehmen zwei Drittel der Waldfläche Kanadas ein und entließen allein 2016 rund 78 Millionen Tonnen CO2 mehr in die Atmosphäre, als sie durch neue Pflanzenmasse absorbierten. 2015 lag die Negativbilanz sogar bei 237 Millionen Tonnen.

Als wichtigste Ursache dafür, dass die einst große CO2-Senke immer flacher wird, gelten vor allem die großen Waldbrände in den bewirtschafteten Wäldern. Allein in der kanadischen Provinz British Columbia verbrannten laut einem Bericht der Umweltorganisation Sierra Club in den letzten beiden Jahren mehr als 1,2 Millionen Hektar Wald. Das habe allein 2017 für den Ausstoß von 190 Millionen Tonnen CO2 gesorgt.

Zum Glück kann man noch die CO2-Einsparung aus den Wäldern Kanadas gegenrechnen, die vom Menschen weitgehend unberührt sind. Dennoch kommt im Schnitt nur noch eine Minderung von jährlich 21 Millionen Tonnen CO2 heraus, die die riesigen Wälder Kanadas binden. Ein spürbarer Beitrag zum Klimaschutz ist das nicht mehr.

Waldbrände und Klimawandel verstärken sich dabei. Die Erderwärmung lässt die Wälder austrocknen, so dass deren Feuerempfindlichkeit zunimmt. Damit wachsen wiederum Anzahl und Ausmaß der Brände.

Davon ist auch die größte landseitige CO2-Senke der Erde, der Regenwald des Amazonas, betroffen. Dieser kann sich allerdings, und das ist die gute Nachricht, stärker als bislang gedacht an den Klimawandel anpassen. Das fanden jetzt Forscher der Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) heraus.

Ihr Szenario: Mit der globalen Erwärmung wird es im Amazonasbecken vermehrt Dürren geben. Baumsterblichkeit und Brandrisiko erhöhen sich. Aus den Daten zu Niederschlag und Baumbedeckung im brasilianischen Amazonasbecken konstruierten die Forscher sogenannte „potenzielle Landschaften“ und ermittelten kritische Schwellenwerte, jenseits derer die Regenwald-Vegetation zu einer Savanne wechseln könnte.

Dabei erkannten die Forscher: Die Regionen des Regenwaldes, die stärker wechselnden Regenmengen ausgesetzt, sind, haben mehr Widerstandskraft gegen Klimastörungen. Anders gesagt: Die Wälder, die mal unter ausbleibendem und mal unter wahren Sintfluten an Regen leiden, sind besser auf die Folgen des Klimawandels „trainiert“.

Trotz dieses Effekts wird der Regenwald insgesamt jedoch mit dem Tempo des fortschreitenden Klimawandels nicht Schritt halten können, warnen die PIK-Forscher. Gebe es global ein „Weiter- so“ beim Ausstoß von Treibhausgasen, laufe eine große zusammenhängende Region im südlichen Amazonasgebiet Gefahr, vom Wald zur Savanne zu werden.

Natürlich ist auch im Regenwald – wie in Kanada – der Klimawandel nicht der einzige große Stressfaktor für den Wald. „Der Mensch mischt sich noch viel direkter ein“, erklärt Niklas Boers vom PIK. Großflächige Rodungen, vor allem zur Umwandlung in Weideland für Rinder, stellten eine ernsthafte Bedrohung gerade für den Regenwald dar. Boers; „Mit oder ohne Widerstandsfähigkeit gegen Klimastörungen: Es gibt keine Möglichkeit, sich an Motorsägen anzupassen.“

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