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Verstärkte Vulkanausbrüche durch Klimawandel? Mehr als die Hälfte der aktiven Vulkane betroffen

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Von: Tanja Banner

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Der Klimawandel und Starkregen können Vulkanausbrüche verstärken, warnt eine Studie. (Archivbild: Lava-Bomben am italienischen Vulkan Stromboli)
Der Klimawandel und Starkregen können Vulkanausbrüche verstärken, warnt eine Studie. (Archivbild: Lava-Bomben am italienischen Vulkan Stromboli) © IMAGO/robertharding

Eine neue Studie zeigt, dass durch den Klimawandel bedingter zunehmender Starkregen Vulkanausbrüche weltweit verstärken kann.

Miami – Vulkanausbrüche und Regenfälle haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, doch diese Einschätzung täuscht. Tatsächlich haben Forschende bereits vor einigen Jahren gezeigt, dass eine Periode heftiger Regenfälle den vier Monate dauernden Ausbruch des Vulkans Kilauea auf Hawaii im Jahr 2018 ausgelöst haben könnte. Nun legen die beiden Forscher, Jamie Farquharson und Falk Amelung von der University of Miami, nach. In ihrer neuen Studie, veröffentlicht im Fachjournal Royal Society Open Science, zeigen die beiden Wissenschaftler, dass der Klimawandel Vulkanausbrüche verstärken kann.

Starke Regenfälle können den Untergrund tränken – durch die Instabilität können Vulkanhänge oder Lavadome kollabieren und eine Eruption auslösen. Beim Vulkan Kilauea hat den Forschern zufolge Starkregen zu steigendem Porendruck im Gestein geführt – was ebenfalls einen Vulkanausbruch auslösen kann. „Wir wussten, dass Veränderungen im Wassergehalt des Erduntergrunds Erdbeben und Erdrutsche auslösen können“, betonte Amelung nach der Studie zum Vulkan Kilauea. „Jetzt wissen wir, dass sie auch Vulkanausbrüche auslösen können. Unter dem Druck von Magma bricht nasses Gestein leichter als trockenes Gestein. So einfach ist das.“

Klimawandel: Heftiger Starkregen kann Vulkanausbrüche herbeiführen

Frühere Forschungen zum Klimawandel haben bereits gezeigt, dass Starkregen weltweit häufiger auftreten dürfte. Doch was bedeutet das für Vulkane? Um das herauszufinden, haben die Forscher neun Erd-Klimamodelle verwendet und für 1234 Vulkansysteme ermittelt, wie sich die Niederschläge in den jeweiligen Regionen bis ins Jahr 2100 hinein entwickeln werden. Dabei berechneten die Wissenschaftler jeweils Szenarien für eine geringe Erderwärmung, einen mittelstarken Klimawandel und einen ungebremsten Klimawandel.

Extrem starke Regenfälle sollen im Laufe des 21. Jahrhunderts mit dem Klimawandel zunehmen, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Das vergrößere das Potenzial für durch Regenfälle ausgelöste vulkanische Gefahren. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei ungebremster globaler Erwärmung die Häufigkeit primärer und sekundärer, durch Regenfälle verursachter vulkanischer Aktivitäten – wie Kuppel-Explosionen oder Flankenkollaps – an mehr als 700 Vulkanen rund um den Globus zunehmen wird“, betonen Farquharson und Amelung.

Klimawandel sorgt für mehr Starkregen bei 58 Prozent der aktiven Vulkane

Im schlimmsten Szenario – einem ungebremsten Klimawandel – bekommen 58 Prozent der aktiven Vulkane (716) deutlich mehr heftige Regenfälle ab, haben die Forscher ermittelt. Im mittleren Szenario wären immer noch 506 Vulkane betroffen, berichten Farquharson und Amelung. Die Analysen macht den Wissenschaftlern zufolge deutlich, „dass in den kommenden hundert Jahren mit immer extremeren Niederschlägen in vulkanischen Gebieten zu rechnen ist; und zwar unabhängig von der modellierten Klimazukunft“. Von dieser Entwicklung betroffen seien einige der aktivsten Vulkangebiete der Erde.

Bei mehreren Vulkanen weltweit wurden bereits extreme oder saisonale Regenfälle als Auslöser für vulkanische Aktivität identifiziert. So kam es zu durch Regenfälle ausgelöste Explosionen am Mount St. Helens in den USA, am Vulkan Gunung Merapi in Indonesien und am Las Pilas in Nicaragua. Auch am Ätna in Italien wird ein Zusammenhang zwischen extremen Niederschlägen, Veränderungen des Porendrucks und der Magmaausbreitung vermutet.

Forscher warnen: Durch Regen ausgelöster Vulkanismus ist explosiv

Die Forscher warnen in ihrer Studie: Ein durch Regenfälle ausgelöster Vulkanismus sei oft sehr explosiv, es habe bereits mehrere direkte Todesopfer in Papua-Neuguinea, Ecuador und Indonesien gegeben. Die Forscher schreiben: „Indonesien – das vulkanisch aktivste Land der Welt und eine vulkanische Region für sich – beherbergt mehrere Vulkane, deren explosives Verhalten durch starke Regenfälle ausgelöst wurde.“

Weil der durch den Klimawandel ausgelöste vermehrte Starkregen zu Vulkanausbrüchen führen kann, mahnen die Forscher, den Zusammenhang von Klimawandel und Vulkanen künftig bei der Risikobewertung von Vulkanen stärker zu berücksichtigen. Auch Überwachungssysteme für Vulkane sollten entsprechend angepasst werden. (tab)

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