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Klimawandel – Erderwärmung könnte nächste Pandemie auslösen

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Von: Tanja Banner

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Ein Virus, das vom Tier auf Menschen überspringt, könnte die nächste Pandemie auslösen. Der Klimawandel macht das wahrscheinlicher, zeigt eine neue Studie.

Washington D.C. – Ein Großteil der Erkrankungen, die durch Viren ausgelöst werden, sind Zoonosen: Sie stammen ursprünglich aus dem Tierreich und fanden entweder direkt vom Wildtier ihren Weg zum Menschen oder über den Umweg Nutztier. Auch Ebola und das Coronavirus Sars-CoV-2 gehören zu den Zoonosen. Die Corona-Pandemie ist noch längst nicht ausgestanden, da warnen Forschende schon vor den nächsten drohenden Pandemien.

Für ihre Studie, die im Fachjournal Nature veröffentlicht wurde, haben Colin Carlson von der Georgetown University und seine Kolleginnen und Kollegen untersucht, wie sich die Verbreitungsgebiete von 3870 Säugetierarten weltweit durch den Klimawandel verändern könnten – und was das für die Wahrscheinlichkeit von Übertragungen von Viren zwischen den Tierarten bedeutet. Wenn das globale Klima wärmer wird, werden zahlreiche Spezies in neue Lebensräume vordringen – immer dabei haben sie zahlreiche Krankheitserreger.

Klimawandel zwingt Tiere zur Umsiedelung – und schafft neue Möglichkeiten für Viren

Durch die klimatisch bedingte Umsiedelung der Tiere entstehen zahlreiche neue Möglichkeiten für die Viren: Verschiedene Spezies treffen sich zum ersten Mal – und die Viren, die sie in sich tragen, bekommen viele Gelegenheiten, auf eine andere Tierart überzuspringen. Mindestens 15.000 neue artenübergreifende Virusübertragungen werden getrieben durch den Klimawandel bis 2070 stattfinden, prognostizieren die Forschenden in ihrer Studie. Dieser neue virale Austausch kann das Risiko erhöhen, dass in den nächsten 50 Jahren neu auftretende Infektionskrankheiten vom Tier auf den Menschen übergehen, fürchten die Forschenden.

Millionen Fledermäuse verlassen ihre Höhle in Malaysia zur Futtersuche. Fledermäuse, die ihre angestammte Gegend wegen des Klimawandels verlassen, könnten dazu beitragen, dass Viren auf Menschen überspringen. (Archivbild)
Millionen Fledermäuse verlassen ihre Höhle in Malaysia zur Futtersuche. Fledermäuse, die ihre angestammte Gegend wegen des Klimawandels verlassen, könnten dazu beitragen, dass Viren auf Menschen überspringen. (Archivbild) © GFC Collection/Imago Image

„Unter den Tausenden von zu erwartenden viralen Austauschereignissen werden einige der risikoreichsten Zoonosen wahrscheinlich neue Wirte finden“, schreiben die Forscherinnen und Forscher in ihrer Studie. Dies könne auch eine Bedrohung für die menschliche Gesundheit sein: „Die Virusarten, die erfolgreich den Sprung zu anderen Wildtieren schaffen, haben die größte Neigung zum Auftreten von Zoonosen“, beschreiben die Forschenden und meinen damit, dass durch den Sprung über die Spezies-Grenzen hinweg der Sprung auf den Menschen, der sogenannte „Spillover“ wahrscheinlicher wird. „Dieser Mechanismus verdeutlicht noch einmal, wie der Klimawandel die Gesundheit von Mensch und Tier bedroht“, erklärt Gregory Albery, der Co-Autor der Studie, in einer Mitteilung der Georgetown University. „Es ist unklar, wie sich diese neuen Viren auf die betroffenen Arten auswirken, aber es ist wahrscheinlich, dass viele von ihnen zu neuen Erhaltungsrisiken führen und das Auftreten neuer Ausbrüche beim Menschen begünstigen werden.“

Die Virusarten, die erfolgreich den Sprung zu anderen Wildtieren schaffen, haben die größte Neigung zum Auftreten von Zoonosen.

Studie

Klimawandel begünstigt neue Zoonosen und Pandemien: Fledermäuse im Verdacht

Das erstmalige Zusammentreffen von Spezies soll den Forschenden zufolge überall auf der Welt stattfinden, doch es wird hauptsächlich auf Gegenden mit einer hohen menschlichen Bevölkerungsdichte im tropischen Afrika und Südosten Asiens konzentriert sein, heißt es in der Studie. Dort gibt es artenreiche Regionen und Landschaften mit verschiedenen Klimazonen auf kleinem Raum. Die Tierarten müssten daher nur geringe Entfernungen zurücklegen, um in neue Lebensräume vorzudringen und neue Tierarten zu treffen, so die Forschenden.

Vor allem Fledermäuse sollen nach Angaben der Forschenden dafür sorgen, dass sich die Viren verbreiten. „Fledermäuse machen in jedem Klimaszenario fast 90 Prozent der Erstbegegnungen aus“, heißt es in der Studie. Die „einzigartige Flugfähigkeit von Fledermäusen könnte eine wichtige und bisher nicht berücksichtigte Verbindung zwischen klimabedingten Verschiebungen des Verbreitungsgebiets und künftigen Veränderungen des Säugetier-Viroms darstellen“, schreiben die Autorinnen und Autoren weiter. Schließlich würden selbst nicht wandernde Fledermäuse innerhalb ihres Lebens hunderte von Kilometern zurücklegen, was weit über das hinausgehe, was kleine Säugetiere in 50 Jahren zurücklegen können.

Corona-Virus, das vom Tier auf den Menschen überspringt, hat massive Auswirkungen

Zur Überraschung der Forschenden scheint der Prozess, den sie in ihrer Studie beschreiben, möglicherweise bereits im Gange zu sein. Sie schreiben weiter, dass „eine Erwärmung von weniger als zwei Grad Celsius innerhalb dieses Jahrhunderts die künftige Verbreitung von Viren nicht verringern wird“. Es sei dringend notwendig, „Bemühungen zur Überwachung und Entdeckung von Viren mit Erhebungen zur Biodiversität zu verbinden“. Vor allem in tropischen Regionen, die die meisten Zoonosen beherbergen und sich rasch erwärmen, sei es wichtig, die Verschiebung des Verbreitungsgebiets von Arten zu verfolgen.

Die nächste Pandemie?

Die WHO warnt: „Die nächste Pandemie kann mit hoher Wahrscheinlichkeit durch ein neues Arbovirus ausgelöst werden“ und will das mit einer globalen Arbovirus-Initiative verhindern.

Das sieht auch Sam Scheiner von der National Science Foundation der USA so: „Die Covid-19-Pandemie und die frühere Ausbreitung von Sars, Ebola und Zika zeigen, wie ein Virus, das vom Tier auf den Menschen überspringt, massive Auswirkungen haben kann“. Um den Sprung auf den Menschen vorhersagen zu können, „müssen wir wissen, wie sie sich unter anderen Tieren verbreiten“, ergänzt Scheiner. Carlson, der Hauptautor der Studie, betont in der Veröffentlichung seiner Universität: „Wir sind der Vorhersage und Verhütung der nächsten Pandemie näher denn je. Dies ist ein großer Schritt in Richtung Vorhersage – jetzt müssen wir uns an die schwierigere Hälfte des Problems machen.“ (tab)

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