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Nachwachsender Regenwald setzt mehr CO2 frei, als er bindet

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Von: Tanja Banner

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Eine abgeholzte Regenwald-Fläche in Malaysia. Wie eine Studie herausgefunden hat, gibt nachwachsender Regenwald mindestens zehn Jahre lang mehr CO2 ab, als er aufnimmt.
Eine abgeholzte Regenwald-Fläche in Malaysia. Wie eine Studie herausgefunden hat, gibt nachwachsender Regenwald mindestens zehn Jahre lang mehr CO2 ab, als er aufnimmt. (Archivbild) © IMAGO/blickwinkel

Die Regenwälder gelten als wichtiger Baustein im Kampf gegen den Klimawandel und CO2. Nun zeigt eine neue Studie, dass eine bisherige Annahme falsch war.

London – Bisher ist die Forschung davon ausgegangen, dass Regenwälder, die sich von der Abholzung erholen, Kohlenstoff absorbieren, da die neuen Bäume schnell wachsen. Doch nun stellt eine neue Studie diese Annahme auf den Kopf und zeigt das Gegenteil: Der vom Boden und vom verrottenden Holz freigesetzte Kohlenstoff übersteigt die Kohlenstoffaufnahme durch das neue Holzwachstum.

Für die Studie untersuchte ein Team um Maria Mills von der Universität Leicester elf Regenwaldflächen in Malaysia. Auf einigen der Flächen wurde nur moderat abgeholzt, auf anderen sehr massiv. Die Studie erschien im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences.

Klimawandel: Neu wachsende Regenwälder geben CO2 ab

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die von uns untersuchten Regenwälder auch noch ein Jahrzehnt nach der Abholzung eine Kohlenstoffquelle darstellen“, erklärt Mills in einer Mitteilung und fährt fort: „Das bedeutet, dass wir ihre Rolle im globalen Kohlenstoffhaushalt neu bewerten müssen – wir können nicht mehr pauschal davon ausgehen, dass sie Kohlenstoffsenken sind.“ Als Kohlenstoffsenken gelten in den Geowissenschaften natürliche Reservoirs, die vorübergehend mehr Kohlenstoff aufnehmen und speichern, als sie abgeben.

Frühere Studien über Wälder, die sich von einer Abholzung erholen, konzentrierten sich auf die Messung des Baumwachstums, um daraus die Menge des aufgenommenen Kohlenstoffs zu schätzen. Für die Studie aus Großbritannien wurde dagegen auch gemessen, wie viel Kohlenstoff aus dem Boden stammt. Das Forschungsteam stellte dabei fest, dass nicht abgeholzte Waldflächen im Allgemeinen kohlenstoffneutral sind, während mäßig und stark abgeholzte Regenwälder eine Kohlenstoffquelle darstellen.

Neue Studie: „Relativ langes Anhalten der negativen Kohlenstoffbilanz ist überraschend“

Bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die an der Studie nicht beteiligt waren, wird vor allem der hohe Arbeitsaufwand und die Genauigkeit der Studie gelobt. „Für Wissenschaftler:innen, die sich mit Landnutzung und Kohlenstoffbilanzen beschäftigen, ist es nicht wirklich neu, dass es eine Zeit dauert, bis in einem nachwachsenden Wald tatsächlich eine Netto-Kohlenstoffaufnahme stattfindet“, betont Almuth Arneth vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung. Es sei jedoch „auch wichtig, dies an Politiker:innen, Waldmanager:innen oder die interessierten Leser:innen zu vermitteln, wozu die Studie mit beiträgt“, so Arneth weiter.

Sven Günter vom Johann Heinrich von Thünen-Institut zeigt sich erstaunt: „Das relativ lange Anhalten der negativen Kohlenstoffbilanz ist überraschend“, so Günter. Das könne jedoch auch an „bodenkundlichen Aspekten liegen, auf die hier nicht genauer eingegangen wird“.

Regenwälder spielen wichtige Rolle im Klimawandel

Die tropischen Regenwälder auf der Erde spielen eine wichtige Rolle im Klimawandel und bei der Kompensation von Treibhausgasen. Die Abholzung der Regenwälder zur Gewinnung von Holz oder zur Umwandlung in Weideflächen oder Anbauflächen fügt den Urwäldern schwere Schäden zu. Das Amazonas-Gebiet in Südamerika gilt sogar als ein mögliches Kippelement des Klimasystems.

Unter dem ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro wurden große Regenwaldflächen abgeholzt, sein Nachfolger Lula da Silva will sich für den Schutz des Amazonas-Regenwalds engagieren. Das scheint angesichts der aktuellen Studie besonders wichtig, wie auch Wissenschaftlerin Arneth zusammenfasst: „Generell ist es so, dass der Stopp der weiteren Abholzung natürlicher Wälder an allererster Stelle steht, was deren Klimawirksamkeit anbelangt.“

Die bestehenden Wälder, Savannen und andere Ökosysteme trügen bereits heute dazu bei, „dass jährlich fast 30 Prozent der CO2-Emissionen wieder in Landökosysteme absorbiert werden“, so Arneth weiter. Die Forscherin betont: „Gerne Wälder, Savannen, Grasländer, Moore wieder renaturieren, wo es geht – keine Frage. Das kann sicher einen weiteren Beitrag zu Klimawandelminderung leisten – mit Riesenmehrwert für Biodiversität und andere Ökosystemleistungen. Aber bitte eben da ansetzen, wo es Not tut, und das sind die fossilen Emissionen.“ (tab)

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