Klimawandel

Expertin warnt: Extremwetter wird zur Bedrohung 

  • vonAnnika Keilen
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Der Klimawandel wird zunehmend auch zu einem Problem für das menschliche Wohlergehen. Eine Expertin warnt davor, dass wir in „die nächste Katastrophe“ geraten könnten.

  • Der Klimawandel sorgt immer stärker für Extremwetter
  • Hitzewellen lassen die Sterblichkeitsrate ansteigen
  • Eine Expertin warnt vor dem Klimawandel - und einer „nächsten Katastrophe“

Frankfurt - Als Amphan kürzlich über Indien und Bangladesch fegte, war der Wirbelsturm einer der heftigsten Zyklone, die in der Region je gemessen wurden. Auch die Evakuierung von Millionen Menschen gestaltete sich besonders schwierig, weil in den Notunterkünften auf Abstand geachtet werden musste. „Unsere Arbeit wird durch Covid-19 erschwert“, sagt Bidisha Pillai, die Indien-Chefin der internationalen Hilfsorganisation Save the Children. Zur Sorge um die Betroffenen kommt die Sorge um das Hilfspersonal. 

Klimawandel: Extremwetter wird zur Bedrohung

Dass Wirbelstürme durch den Klimawandel heftiger werden, hat schon der jüngste IPPC-Bericht herausgestellt. Nun warnen Gesundheits-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen vor der kommenden Extremwettersaison. Hitzewellen, Tropenstürme und Waldbrände könnten in diesem Jahr noch gefährlichere Folgen haben – etwa wenn Regierungen wegen der hohen Kosten der Pandemiebekämpfung die Mittel fehlen oder wenn Notunterkünfte nicht ausreichen.

Bei Zyklon Amphan war das der Fall, sagt Saleemul Huq, Leiter des Zentrums für Klimawandel und Entwicklung in Bangladesch. Zwar hat das Land ein beispielhaftes Zyklonwarnsystem und viele Schutzbauten, sogenannte Cyclon Shelter. „Aber es war fast unmöglich, darin so viel Abstand zu halten, wie es wegen Covid-19 nötig wäre“, sagt Huq. 

Hurrikan-Saison durch Klimawandel heftiger - Extremwetter wird zur Bedrohung

Auch die atlantische Hurrikan-Saison, die Anfang Juni beginnt, wird dieses Jahr voraussichtlich besonders heftig werden. Grund dafür sind die ungewöhnlich hohen tropischen Meerestemperaturen, die auf Stürme beschleunigend wirken können. Die Wahrscheinlichkeit einer überdurchschnittlich schweren Saison schätzt die US-amerikanische Wetterbehörde NOAA auf 60 Prozent. 

Die Chance für eine normale Saison liegt dagegen nur bei 30 Prozent. In einer durchschnittlichen Saison gibt es laut Wetterbehörde zwölf Stürme, von denen sechs Hurrikans sein können. Für 2020 rechnet die NOAA hingegen mit 13 bis 19 Stürmen, von denen sich sechs bis zehn zu Hurrikans entwickeln könnten. 

Klimawandel verursacht schlimme Hitzewellen - mit verheerenden Folgen

Doch nicht nur gefährliche Wirbelstürme, auch Hitzeperioden könnten sich in diesem Jahr besonders gravierend auswirken. Das liegt zum einen daran, dass sich die Risikogruppen für hitzebedingte Gesundheitsauswirkungen und für schwere Verläufe von Covid-19 weitgehend überschneiden, warnt die Deutsche Allianz für Klimawandel und Gesundheit (KLUG). 

Und zum anderen daran, dass eine doppelte Welle von Covid-19- und Hitze-Patienten das medizinische Personal zusätzlich belasten könnte. Um sich hierzulande vor der Hitze zu schützen, empfiehlt das Netzwerk den „Hitzeknigge“ des Umweltbundesamtes. Danach soll man etwa stündlich ein Glas Wasser trinken, die Fenster tagsüber abdunkeln oder die Haut befeuchten. 

Hitzesommer durch Klimawandel droht: Sterblichkeit steigt

Die Indizien für einen weiteren Hitzesommer werden deutlicher. Jüngst warnte auch die Weltwetterorganisation WMO vor einem rekordverdächtigen Extremsommer auf der nördlichen Erdhalbkugel. Bereits der Monat April war weltweit der zweitwärmste in der 141-jährigen Messreihe der US-Behörde NOAA.

Die globale Erwärmung lässt Hitzewellen häufiger auftreten und länger andauern. So haben Forscherinnen und Forscher der Initiative „World Weather Attribution errechnet, dass das Eintreten einer Hitzewelle durch den Klimawandel mindestens fünfmal so wahrscheinlich geworden ist. 

Europa erlebte im vergangenen Sommer zwei Hitzewellen: Ende Juni und im Juli. In Frankreich wurde dabei ein neuer Temperaturrekord von 46 Grad aufgestellt. Dass die extreme Hitze direkte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat, lässt sich am Anstieg der Sterblichkeit ablesen. In Frankreich sind durch die Hitzewelle im vergangenen Sommer rund 1500 Menschen gestorben. 

Klimawandel sorgt für Extremwetter - Expertin warnt vor „nächster Katastrophe“

„Die Zahl der Menschen mit hitzebedingten Erkrankungen zu verringern, sollte ein vorrangiges Anliegen sein, um die Zahl der Einweisungen in bereits überlastete Krankenhäuser zu minimieren“, sagt Joy Shumake-Guillemot, Leiterin des UN-Büros für Klima und Gesundheit, das die WMO und die Weltgesundheitsorganisation WHO seit Kurzem gemeinsam betreiben. Um der Extremwetterbelastung in diesem Sommer vorzubeugen, haben WMO, WHO und weitere Partner länderspezifische Informationen für eine gezielte Hitzeprävention im Internet zusammengestellt. Sie empfehlen den Regierungen etwa, medizinisches Personal besonders für Hitzefälle zu schulen.

„Der Klimawandel ist an sich schon ein enormes Risiko, aber er wirkt auch als Risikomultiplikator“, warnt Katherine Kramer von der Hilfsorganisation Christian Aid. „Wir müssen uns von Covid-19 auf eine Art und Weise erholen, die die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft und der Natur erhöht und gleichzeitig unsere Treibhausgasemissionen schnell und radikal reduziert. Sonst laufen wir in die nächste Katastrophe.“ 

Von Annika Keilen 

Die aktuellen Entwicklungen weltweit zeigen: Der Mensch verliert die Kontrolle über den Klimawandel. Es braucht neue Klimaschutzziele. 

Helfen könnte dabei eine nachhaltige Wirtschaft. Diese hilft nicht nur gegen die Erderwärmung – sie verhindert auch gefährliche Konflikte. 

Rubriklistenbild: © Ronny Hartmann/dpa

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