Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Videokonferenz (Symbolbild).
+
In der Corona-Krise oft die einzige Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu sein: Videotools wie Zoom. Doch das hat Folgen für den Klimawandel. (Symbolbild).

Klimaschutz

Corona und Klimawandel: Das bringt es, beim Video-Call die Kamera auszustellen

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
    schließen

Durch die Corona-Pandemie fahren weniger Menschen zur Arbeit. Doch auch Videokonferenzen und Streaming auf Youtube und Netflix haben Folgen für den Klimawandel.

Weniger Menschen fliegen in den Urlaub, weniger fahren ins Büro, global werden weniger Waren transportiert: Am Anfang der Corona-Pandemie gab es vielerorts die Hoffnung, dass die Krise auch dabei helfen könnte, den Klimawandel aufzuhalten. Tatsächlich gab es im Jahr 2020 eine „Delle“ in den Emissionen von Treibhausgasen. Besonders das Treibhausgas CO2 wurde im Jahr 2020 weniger ausgestoßen, laut einem UN-Bericht waren es sieben Prozent weniger als im Jahr 2019.

Sehr schnell war jedoch klar, dass diese Effekte nicht von Dauer sein werden, denn schon nach dem ersten Schock stiegen die Emissionen wieder. Und nicht nur das: Dadurch, dass zum Beispiel die Weltklimakonferenz in Glasgow um ein Jahr verschoben wurde, könnte Corona sogar noch dafür sorgen, dass weniger oder später gegen den Klimawandel gekämpft wird.

Corona-Krise: Auch Youtube und Netflix haben Folgen für den Klimwandel

Und es gibt noch eine schlechte Nachricht: Denn während Videokonferenzen während Corona eine gute Alternative zu Geschäftsreisen und Konferenzen vor Ort sind und der Abend mit Netflix oder Youtube eine Alternative zum Live-Konzert, haben auch diese Technologien Folgen für den Klimawandel.

Denn durch die Corona-Krise steigt auch das Datenvolumen, das durch die Internetknoten fließt. Laut einer amerikanischen Studie hat die weltweite Internetnutzung durch die Corona-Pandemie um 15 bis 40 Prozent zugenommen. In Deutschland hat sich laut dem Umweltbundesamt etwa die Nutzung von Streaming-Diensten und Cloud-Gaming von Februar bis März 2020 um 30 Prozent erhöht. Für die Rechenzentren und für die Datenübertragung wird Strom gebraucht. Dieser Strom sei für bis zu 3,2 Millionen zusätzliche Tonnen CO2-Äquivalente verantwortlich, heißt es in der Studie.

Um verschiedene Treibhausgase vergleichbar und ihre Wirkung auf den Klimawandel zu machen, werden sie in CO2-Äquivalente umgerechnet. Zum Vergleich: Das komplette Land Montenegro stieß im Jahr 2019 etwa 2,5 Millionen Tonnen aus - in Deutschland waren es etwa über 700 Millionen Tonnen.

Klimawandel: Internetnutzung hat durch Corona zugenommen

Global gesehen habe die Internetnutzung einen CO2-Fußabdruck von 28 bis 63 Gramm CO2-Äquivalente pro Gigabyte. Die große Spannbreite kommt durch unterschiedliche Technologien, zum Beispiel für die Übertragung (siehe Tabelle) und auch durch unterschiedlich große Anteile von erneuerbaren Energien am Strommix zustande. Die Forscher:innen schätzten für ihre Studie, wie viel CO2 durch die Datennutzung von Youtube, Zoom, YouTube, Zoom, Facebook, Instagram, Twitter, TikTok und zwölf Plattformen frei wird.

Klimawandel-Folgen von Video-Streaming(Rechenzentrum und Übertragungsweg)
Gramm CO2-Äquivalente pro Stunde Streaming
Glasfaser2
Kupferkabel4
Mobilfunk 5G5
Mobilfunk LTE (4G)13
Mobilfunk UMTS (3G)90
Quelle: Umweltbundesamt

Das wenig überraschende Ergebnis: Je mehr Video, desto mehr CO2. Nach dieser Schätzung wird durch eine Stunde Videokonferenz oder Streaming auf Youtube oder Netflix 150 bis 1.000 Gramm CO2 ausgestoßen. 1000 Gramm entsprechen ungefähr der Menge an CO2, die mit einem Benzinauto (durchschnittlicher Verbrauch acht Liter/100 Kilometer) auf einer Strecke von fünf Kilometern ausgestoßen werden.

Wer während der einer Videokonferenz die Kamera auslässt, könne diesen Fußabdruck um 96 Prozent reduzieren. Wer bei Streaming-Apps wie Netflix die Standardqualität statt HD wählt, kann immerhin noch 86 Prozent sparen.

Corona-Krise macht auch Hoffnung im Kampf gegen den Klimawandel

Aber durch Corona gibt es auch Hoffnung für den Kampf gegen den Klimawandel. Durch die Corona-Krise könnte ein Bewusstsein dafür entstehen, dass Dinge auch anders funktionieren. Unternehmen dürften merken, dass sie sich durch weniger Dienstreisen Geld sparen, Arbeitnehmer:innen, dass sie mehr Freiheit haben wenn sie nicht jeden Tag pendeln müssen.

Wie eine Befragung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und des Borderstep Institut ergeben hat, könnte die Zahl der Geschäftsreisen in Deutschland in Zukunft etwa ein Drittel niedriger liegen als vor der Pandemie.

Corona und Klimawandel: Ab fünf Kilometer Auto-Anfahrt sind Konferenzen klimafreundlicher

Und in vielen Fällen ist es trotz Folgen für den Klimawandel, die Videokonferenzen haben, viel klimafreundlicher sich nur online zu treffen. Denn die Forschenden haben auch verglichen, ab welcher Entfernung es besser für den Kampf gegen den Klimawandel ist, eine Online-Konferenz statt einer Dienstreise zu machen. Das Ergebnis: Im Fall einer vierstündigen Videokonferenz mit vier Beteiligten, von denen zwei anreisen müssen, ist eine Videokonferenz schon ab fünf Kilometer Anreise mit dem Auto klimafreundlicher. Beim ÖPNV ist dies ab 12 Kilometer Fahrtstrecke, bei der Bahn ab 23 Kilometern der Fall.

So verursache eine Dienstreise von zwei Personen per Bahn - dem klimafreundlichsten der betrachteten Verkehrsmittel - von Berlin nach Stuttgart rund 65 Kilogramm CO2, erklärt Studienautor Jens Clausen. Würden sich hingegen vier Personen für vier Stunden per Video treffen, fielen für Rechenzentrum, Kommunikationswege und Endgeräte rund ein Kilogramm an. (Friederike Meier, mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare