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Strand der Nordseeinsel Langeoog.

Ökologisch

Noch gibt es Langeoog

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Die Auswirkungen des Klimawandels könnten verschiedene Menschen zwar in der Tat unterschiedlich treffen. Damit das Gericht der Europäischen Union etwas dagegen tut, muss mehr passieren.

Maike Recktenwald und ihr Mann betreiben ein Hotel und ein Restaurant auf der Nordseeinsel Langeoog. Seit vier Generationen lebt und arbeitet ihre Familie auf dem Eiland vor der niedersächsischen Küste. Es ist schön dort, die Touristen sichern ihrer Familie ein Einkommen, und die 45-Jährige will, dass das so bleibt.

Nur: Der Klimawandel droht das zu torpedieren, durch den steigenden Meeresspiegel zum Beispiel. Schon heute seien die Dünen und Strände viel schmaler als noch in ihrer Jugend, berichtet Recktenwald. Durch vermehrte Sturmfluten drohe die Dünenkette sogar durchzubrechen, und das würde die Süßwasserversorgung der Insel aus eigenen Quellen zerstören. Salzwasser bräche in das Süßwasservorkommen ein, aus der die Langeooger und ihre Gäste bisher versorgt werden. Was das für eine Urlauberinsel bedeutet, kann man sich vorstellen.

Die Klimaklage abgebügelt

Gerne hätte die Hotelchefin vor dem Gericht der Europäischen Union (EuG) in Luxemburg dargelegt, „wie wir auf der Insel von der zunehmenden Klimakrise bedroht sind“. Konkret, am eigenen Fall, nicht nur mit wissenschaftliche Studien. Doch dazu kommt es, zumindest vorerst, nicht. Das EuG hat die Klage von Recktenwald, 34 weiteren Personen – aus der EU, Kenia und Fidschi – und einer schwedischen Jugendorganisation abgebügelt, die diese wegen zu lascher CO2-Minderungsziele der EU angestrengt hatten. Sie wollten das Europaparlament und die EU-Regierungschefs dazu bringen, die Emissionen bis 2030 deutlich stärker zu senken als bisher geplant. Das Argument: Die Ziele sind zu lasch, um die Grundrechte wie Leben, Gesundheit, Beruf und Eigentum zu schützen.

Das klingt einleuchtend. Nicht aber für die EuG-Richter. Die befanden nämlich, es fehle am formellen Nachweis, dass die individuellen Grundrechte der Kläger betroffen seien. Die Auswirkungen des Klimawandels könnten verschiedene Menschen zwar in der Tat unterschiedlich treffen. Allein das bedeute aber nicht, dass eine Möglichkeit bestehe, gegen allgemeine (politische) Maßnahmen vorzugehen.

Also: Betroffen sind Recktenwald und Co. schon, aber halt nicht so richtig konkret? Ob man das verstehen kann? Oder muss? Die Kläger jedenfalls tun es nicht und wollen in Berufung gehen. Recktenwald: „Der erste Anlauf hat nicht geklappt. Wir lassen uns nicht entmutigen und werden einen zweiten Anlauf nehmen.“

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