+
Das schnellste Landtier der Erde: Aber auch Geparde sind zu langsam für den Klimawandel und zählen zu den gefährdeten Arten.

Klimawandel

Wie der Klimawandel das Artensterben beeinflusst

  • schließen

Der Klimawandel mischt beim Artensterben kräftig mit. Die Auswirkungen reichen von genetischen Veränderungen bis zum Lebensraumverlust.

Auch wenn der Klimawandel derzeit noch nicht die Hauptrolle beim Artensterben spielt – er mischt schon heute kräftig mit. Auch das ist eine Erkenntnis des Reports über den Zustand der Biosphäre, der in der vergangenen Woche in Paris vorgestellt wurde. Zwar gelten Landnutzungsänderungen und die direkten Verwertung von Organismen – also etwa die Ausbeutung von Fischbeständen oder die Abholzung der Regenwälder – noch als die Hauptursachen. Doch der Klimawandel rangiert bereits auf Platz drei.

Anlass genug, sich die Folgen des Klimawandels für die Natur einmal genauer anzuschauen: Die Auswirkungen reichten von den Genen bis zu den Ökosystemen, heißt es in dem Bericht, der 15 000 wissenschaftliche Studien zur Biodiversität bewertet und zusammenfasst. „Er stellt ein wachsendes Risiko dar angesichts der Beschleunigung des Wandels und des Zusammenspiels mit anderen Ursachen.“

Die Bandbreite der Klimafolgen umfasst Veränderungen der Artenverteilung auf der Welt, der Phänologie, also der jahreszeitlichen Entwicklungen, sowie der Zusammensetzung der Arten. All das beeinflusse die Struktur und die Funktionsweise vieler Ökosysteme. Schon heute wirke sich der Klimawandel auf knapp die Hälfte aller gefährdeten Säugetiere an Land negativ aus, zumindest in einem Teil ihres Verbreitungsgebiets. Bei Vögeln sei es fast ein Viertel.

Lesen Sie hierzu auch:
Artensterben - wir sind dann mal weg
Die Menschheit tilgt die Natur von der Erde

„Starke Rückgänge und lokales Aussterben von Populationen sind weit verbreitet“, heißt es in dem Bericht. „Das deutet darauf hin, dass viele Arten nicht in der Lage sind, das schnelle Tempo des Klimawandels zu bewältigen, sei es durch Evolutions- oder Verhaltensprozesse.“

Korallenbedeckung nimmt ab

So dürfte ihr Fortbestand auch davon abhängen, inwieweit sie sich fortbewegen können, um den für sie geeigneten Klimabedingungen zu folgen. So oder so wird der Anteil des Klimawandels am Artensterben wohl immer weiter wachsen. „Selbst bei einer Erwärmung von 1,5 oder zwei Grad dürfte die Mehrheit der landbevölkernden Arten stark schrumpfen.“ Bei zwei Grad seien fünf Prozent aller Arten vom Aussterben bedroht, bei 4,3 Grad sogar 16 Prozent.

Vermutlich lässt sich der Niedergang der Arten aufgrund des Klimawandels nirgendwo deutlicher ablesen als bei den Korallen. Laut dem Bericht hat sich die Korallenbedeckung in den Riffen seit den 1870er Jahren in etwa halbiert. Die größten Verluste habe es dabei in den vergangenen Jahrzehnten gegeben, in deren Verlauf der Klimawandel andere Ursachen noch verstärkt habe – vor allem durch Hitzewellen. Und je nach globaler Temperaturentwicklung könnten Korallenriffe schon bald ganz verschwinden: Würde es gelingen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, könnten zumindest noch zehn bis 30 Prozent gegenüber der vormaligen Bedeckung gerettet werden. Bei zwei Grad Erwärmung allerdings weniger als ein Prozent.

Lesen Sie auch: 
Lebensraum Blumenwiese
Artensterben stoppen

„Szenarien zeigen deshalb auch, dass eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad eine kritische Rolle spielt, um nachteilige Einflüsse auf die Natur und den daran beteiligten Menschen zu vermeiden.“ So wichtig die Autoren auch den Klimaschutz bewerten, so nachdrücklich fordern sie dennoch, negative Begleiterscheinungen dabei zu unterbinden. „Der großflächige Einsatz von Bioenergieplantagen und die Aufforstung auf nicht bewaldeten Ökosystemen können negative Nebenwirkungen für die Biodiversität und die Ökosystemfunktionen mit sich bringen“, so der Bericht.

Entwaldung stoppen

Stattdessen fordern die Autoren, erst einmal die Entwaldung zu stoppen und alte Ökosysteme wiederherzustellen, was sowohl der Biodiversität als auch dem Klimaschutz dient.

Damit sich aber die Arten auf den Klimawandel einstellen können, sollen sie in die Lage versetzt werden, reagieren zu können. „In vielen Fällen könnte die beste Strategie darin bestehen, einfach die Fähigkeit der natürlichen Populationen aufrechtzuerhalten, evolutionär selbst zu reagieren – und nicht in der direkten menschlichen Manipulation der Evolution.“

Derzeit vergrößert die Mehrzahl der Arten ihre Reichweite auf dem Planeten und viele profitieren noch von der Erwärmung – in Zukunft aber dürfte die Anzahl der Arten größer sein, deren Reichweite eingeschränkt werde und die Nachteile durch den Klimawandel erfahren würden. Der Naturschutz sei momentan noch völlig unvorbereitet auf die Herausforderungen des Klimawandels. Die Organisation der wenigsten Schutzgebiete beziehe heute schon den Klimawandel ein.

Das könnte Sie auch interessieren:

FR-Leitartikel: Deutschlands verfehlte Klimapolitik unter Angela Merkel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare