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Klimaschutz

Klimaschutz: Der Fensterspalt für das 1,5-Grad-Limit

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Eine neue Studie zeigt: Das Paris-Klimaziel ist nur mit Turbo-Energiewende, Aufforstung und weniger Tierhaltung zu schaffen.

Die Fachleute sind sich einig: Die globale Erwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen, könnte die Schäden durch mehr Extremwetter und den Anstieg des Meeresspiegels begrenzen, zudem das Auslösen von gefährlichen Kippelementen des Klimas verhindern. Viele „Realpolitiker“ und andere Zeitgenossen haben das Ziel allerdings schon aufgegeben. Tatsächlich beträgt das Temperaturplus derzeit bereits 1,25 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit.

Eine neue internationale Studie sieht aber noch Chancen: „Wenn alle Hebel des Klimaschutzes in Bewegung gesetzt werden, könnte es immer noch möglich sein, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen“. So das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), das an der Untersuchung beteiligt war. Freilich: Die Zeit, um das Klima zu retten, ist sehr knapp.

Die Wissenschaftler haben die mehr als 400 Szenarien analysiert, die der Weltklimarat IPCC für seinen vor drei Jahren herausgekommenen Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel benutzte. Davon vermeiden laut PIK überhaupt nur rund 50 ein deutliches Überschreiten des 1,5-Limits. Und von diesen machten wiederum nur 20 realistische Annahmen zu den Optionen, um die Treibhausgase zu begrenzen – also etwa zum möglichen Ausmaß der Aufforstung von Wäldern oder zu den Chancen, CO2 wieder aus der Atmosphäre herauszuholen.

Leit-Autorin Lila Warszawski vom PIK konstatiert: „Keines der realistischen Szenarien verlässt sich auf einen einzigen Königsweg.“ Der Energiesektor sei aber „natürlich der Schlüssel zum 1,5-Grad-Ziel, einerseits durch die Reduzierung der Energienachfrage und andererseits durch die Dekarbonisierung der Nutzung und Erzeugung von Energie“. Also: Nötig sind mehr Energieeffizienz, mehr Energiesparen, Umstellung auf CO2-freie Energieformen. Die globalen Emissionen müssen dadurch in dem Sektor künftig jedes Jahrzehnt halbiert werden.

Eine Revolution ist gefordert

Man könne aber nicht auf die anderen Strategien verzichten, betont Warszawski. „Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen und zum Beispiel unterirdisch zu speichern, erweist sich ebenfalls als nahezu unverzichtbar.“ Möglich ist dies unter anderem in leeren Erdgas-Lagerstätten. Zudem müsse Landnutzung zu einer „Netto-Kohlenstoffsenke“ werden. Gemeint ist beispielsweise die Aufforstung von Wäldern und Wiedervernässung von Mooren, wodurch CO2 auf natürlichem Weg aus der Atmosphäre gezogen wird. Schließlich müsse der Ausstoß des starken Treibhausgases Methan aus der Tierproduktion, aber auch aus Lecks bei der Öl- und Gasförderung reduziert werden. „Das ist eine ziemliche Liste“, fürchtet die Expertin.

Laut Ko-Autor Tim Lenton von der Universität im englischen Exeter braucht es für die 1,5 Grad eine „Nachhaltigkeitsrevolution, ähnlich wie einst die industrielle Revolution“. Es sei eine komplexe Aufgabe für die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft. „Stückwerk und Rhetorik werden nicht ausreichen“, meint er.

Mitautor Johan Rockström, der Co-Präsident des PIK, räumt ein: „Die notwendigen Emissionsminderungen sind schwer zu erreichen, technisch, aber auch politisch.“ Er verstehe jeden, der ein Erreichen des 1,5-Grad-Ziels für unrealistisch halte. Es komme aber auch ganz unabhängig vom speziellen Klimaziel vor allem darauf an, nun schnell starke Emissionsminderungen umzusetzen.

Trotzdem plädiert Rockström dafür, die 1,5 Grad nicht abzuschreiben. Damit werde das Risiko begrenzt, „einigen Kippelementen im Erdsystem einen zusätzlichen Schubs“ zu geben, etwa den Eisschilden oder Ökosystemen wie dem Amazonas-Regenwald. Es gehe „einfach um eine sichere Klimazukunft für alle“.

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