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Schweres Gerät macht der Fauna und Flora auf dem Meeresboden zu schaffen. Panthermedia
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Schweres Gerät macht der Fauna und Flora auf dem Meeresboden zu schaffen. Panthermedia

Klimawandel

Klimaschutz am Meeresboden

Die Bedeutung der Ozeane für Klima und Artenvielfalt wird bislang übersehen. Dabei könnte sogar die Fischerei von besser geschützten Weltmeeren profitieren.

Gute Nachrichten sind derzeit rar. Auch nach mehr als einem Jahr hat die Menschheit die Coronakrise nicht annähernd im Griff. Daneben gibt es mit der Erderwärmung und dem Verlust der biologischen Vielfalt weitere Krisen, die mindestens genauso gefährlich sind. Umso beeindruckender und brisanter sind die Ergebnisse einer Studie, die soeben im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht wurde. Hunderte Millionen Tonnen CO2 ließen sich demnach Jahr für Jahr einsparen, zugleich könnten mehr Menschen mit gesunden Lebensmitteln versorgt und das Artensterben bekämpft werden. Für diesen dreifachen Nutzen wäre nicht einmal viel Aufwand erforderlich. Man müsste einfach nur die Ozeane besser schützen.

Bislang sind nicht einmal drei Prozent der Weltmeere streng geschützt. Für sieben Prozent gibt es irgendeine Art von Schutz, der aber oft nur auf dem Papier steht. Es fehlt an einheitlichen Vorschriften, viele Anrainerstaaten entscheiden im Zweifelsfall zugunsten von Fischerei und Tourismus. Gemessen an der Größe und Bedeutung der Ozeane für Klima, Artenvielfalt und Ernährungssicherheit ist das viel zu wenig. Die Ozeane, die 70 Prozent des Planeten bedecken, sind der größte CO2-Speicher der Welt. Viele Millionen Menschen sind für ihren Lebensunterhalt und ihre Ernährung auf gesunde und artenreiche Meere angewiesen. Doch Überfischung und die Zerstörung mariner Lebensräume bedrohen das „blaue Herz“ der Erde.

Wichtigster Hebel für einen besseren Meeresschutz ist laut Studie die Einschränkung des Tiefseebergbaus und der umstrittenen Grundschleppnetzfischerei. Die weit verbreitete Fangmethode steht seit Langem in der Kritik. Dabei wird von einem oder mehreren Schiffen ein Netz über den Meeresboden gezogen, um Schollen, Seezungen oder Krustentiere zu fangen.

Der Einsatz des schweren Geräts zerstört den Meeresboden und die darauf lebenden Wesen, entwurzelt Pflanzen, vernichtet Laichplätze von Fischen und führt zu besonders viel Beifang, darunter Jungfische sowie Wale und Delfine, die in den Netzen ertrinken. Aus der aufgewühlten Sedimentschicht am Meeresboden werden organische Kohlenstoffverbindungen freigesetzt und in klimaschädliches Kohlendioxid umgewandelt. Dadurch versauern die Ozeane schneller, außerdem können die Meere dann weniger CO2 aus der Luft aufnehmen, was den Treibhauseffekt zusätzlich verstärkt.

„Wenn es uns gelingen soll, die globale Erwärmung zu stoppen, müssen wir den kohlenstoffreichen Meeresboden ungestört lassen“, sagt Trisha Atwood von der Utah State University, die neben 25 weiteren Forschenden aus den Disziplinen Meeresbiologie, Klimatologie und Ökonomie an der Studie beteiligt war.

Das Team hat erstmals berechnet, wie sehr die Schleppnetzfischerei dem Klima schadet. Ergebnis: Durch das Aufwühlen des Meeresbodens wird jedes Jahr eine Milliarde Tonnen CO2 freigesetzt. Damit ist die aggressive Fischereimethode ähnlich klimaschädlich wie die Luftfahrt. Vor Corona war das Fliegen für 900 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich.

Mithilfe eines Algorithmus hat das Forschungsteam die Bereiche des Ozeans identifiziert, wo strikter Meeresschutz am effektivsten Nutzen bringen kann. Wählt man die Standorte klug aus, kann nicht nur die Freisetzung von bis zu einer Milliarde Tonnen CO2 verhindert werden. Auch rund 80 Prozent der Meeresarten wären geschützt. Selbst die Fischerei würde profitieren. Sie könnte ihre Fangmengen um acht Millionen Tonnen erhöhen, wenn die Natur sich wieder erholen kann. Nach bisherigen Erfahrungen ist dies bereits nach drei Jahren der Fall, nachdem ein Gebiet unter Schutz gestellt wurde.

„Manche argumentieren, dass die Sperrung von Gebieten für die Fischerei den Fischereiinteressen schadet“, sagt der Hauptautor der Studie, der katalanisch-amerikanische Meereswissenschaftler Enric Sala. „Aber der schlimmste Feind einer erfolgreichen Fischerei ist die Überfischung, nicht die Schutzgebiete.“ Für Sala ist klar: „Von einem gesünderen Ozean profitieren sowohl die Menschen als auch die Wirtschaft. Und wir können diese Vorteile schnell realisieren, wenn die Länder zusammenarbeiten, um mindestens 30 Prozent des Ozeans bis 2030 zu schützen.“

Genau dieser Vorschlag liegt auf dem Tisch, wenn im Herbst im südchinesischen Kunming auf der UN-Biodiversitätskonferenz über neue Naturschutzziele verhandelt wird. Anders als beim Klimaschutz gibt es für den Schutz der biologischen Vielfalt noch kein internationales Abkommen. Das soll sich nun ändern. Eine Säule des Abkommens soll das Ziel sein, bis zum Ende des Jahrzehnts 30 Prozent der Meere und der Landflächen unter Schutz zu stellen. Wegen Corona musste das Gipfeltreffen mehrfach verschoben werden. Wenn für den Artenschutz ein Vertrag mit derselben Tragweite wie das Pariser Klimaabkommen zustande käme, wäre das eine wirklich gute Nachricht.

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