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Trockengelegte Moore setzen hierzulande so viele Treibhausgase frei wie der Flugverkehr.

Moore

Klimaretter oder Klimaopfer?

Trockengelegte Moore renaturieren: Das kann helfen, Treibhausgase zu reduzieren und gilt deshalb als vielversprechende Klimaschutzmaßnahme.

Dass aktive Moore effektive Kohlenstoffspeicher sind, ist seit Längerem bekannt. Wenn die Flächen trockengelegt werden oder gar brennen, emittieren sie enorme Mengen schädlicher Treibhausgase. Deshalb gerät das Wiedervernässen von Torfböden zunehmend in das Blickfeld von Klimaschützern.

Die Hälfte der weltweiten Emissionen aus Mooren stammt aus Südostasien. Dort treiben Trockenlegung, Entwaldung und häufige Brände die Emissionen nach oben. Eine globale Moorschutz-Initiative soll für Abhilfe sorgen. Auch die deutsche Bundesregierung fördert von nun an das Programm und gibt zwei Millionen Euro im Jahr dazu. Man wolle dabei helfen, das Wissen über Moore weltweit zu verbreiten, sagt Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Die einzelnen Staaten sollen so besser voneinander lernen können.

Die Initiative wurde vor zwei Jahren vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Neben dem internationalen Austausch konzentriert sich das Programm auf drei Hotspot-Regionen: Indonesien, Peru und das Kongobecken.

Viel Handlungsbedarf gibt es aber auch in Deutschland. Mehr als 90 Prozent aller Moorflächen sind hier entwässert und werden zum Großteil land- oder forstwirtschaftlich genutzt. Insgesamt werden durch trockengelegte Moore hierzulande so viele Treibhausgase frei wie durch den Flugverkehr.

Die Kosten, die der Gesellschaft durch die Emissionen entstehen, sind dabei weitaus größer als der privatwirtschaftliche Nutzen, den Land- und Forstwirte aus drainierten Moorflächen ziehen. „Wir wollen das Klimaschutzpotenzial der Moorböden in Deutschland nutzen und arbeiten daher an einer nationalen Moorschutzstrategie“, sagt Umweltministerin Schulze.

„Ein Großteil der Emissionen durch Moore stammt von Torfbränden“, erläutert der Moorökologe Hans Joosten von der Universität Greifswald. Dabei schwelt der Brand unter der Oberfläche. Die Feuer könnten sich in Zukunft häufen, warnt Joosten. „Wir beobachten, dass Feuer häufiger auftreten, wenn es trocken ist, wenn es warm ist und wenn es dort vorher schon einmal gebrannt hat.“

Nur drainierte Torfböden können Feuer fangen. Stoppen lassen sich unterirdische Brände schwer. Die Feuer können jahrelang unter der Oberfläche schwelen. Um sie zu verhindern oder zu löschen, müssen die Boden wiedervernässt werden.

Der Klimawandel kann die Wiedervernässung von Mooren jedoch erschweren. Noch ist unklar, wie sich Großwetterlagen in Zukunft entwickeln. Wenn es häufiger über lange Zeiträume hinweg trocken bleibt, können die Wasserstände in bereits renaturierten Mooren nicht mehr gehalten werden.

„In Norddeutschland sind die Sommerniederschläge von besonderer Bedeutung“, sagt ein Moorexperte des Bundesumweltministeriums gegenüber der Frankfurter Rundschau. „Wenn sie ausbleiben, kommen die Wasserbilanzen der Moore bei hohen Temperaturen ins Defizit.“

Der trockene Sommer in diesem Jahr habe die Bemühungen um Erhalt und Renaturierung der Moore in Nordostdeutschland um etwa fünf Jahre zurückgeworfen, so der Experte. Allein mit finanzieller Unterstützung seien die Probleme aber nicht zu lösen: „Da können wir noch so viel Geld haben – wenn es kein Wasser gibt, können die Maßnahmen nicht wirksam werden.“

Die dichte Bebauung innerhalb der Bundesrepublik stellt die Moorschützer ebenfalls vor Probleme. „In einem Moor lässt sich der Wasserstand einer einzelnen Wiese in der Regel nicht anheben“, sagt der Moorexperte. „Die umliegenden Flächen werden dadurch ebenfalls betroffen. Wenn es dort Infrastruktur wie Straßen und Häuser gibt, ist eine Vernässung oder Renaturierung nur sehr schwer oder gar nicht möglich.“ Im letzten Jahr war die Autobahn A20 in Mecklenburg-Vorpommern auf einer Strecke von fast 100 Metern abgesackt. Die Straße ist hier auf Torf gebaut, in der Nähe liefen Wiedervernässungsprojekte.

Ganz so einfach funktioniert das mit der Wiedervernässung also nicht. Verglichen mit anderen Maßnahmen können zwar auf kleiner Fläche viele Emissionen verhindert werden. Doch erst bei einer Wassersättigung des Bodens können Moore als CO2-Speicher dienen. Die Pflanzen, die in den Feuchtgebieten wachsen, werden nach dem Absterben nicht gänzlich zersetzt, weil der Boden mit Wasser gesättigt ist.

In der stetig wachsenden Torfschicht sammelt sich der Kohlenstoff, aus dem die Pflanzen hauptsächlich bestehen. Während so der Atmosphäre CO2 entzogen wird, geben Moorflächen aber gleichzeitig Methan ab. Im Normalzustand sind Moore deshalb weitgehend klimaneutral. Zum Treiber des Klimawandels werden die Flächen erst, wenn sie den gespeicherten Kohlenstoff wieder abgeben. Das geschieht, wenn Moore trockengelegt werden. Dringt Sauerstoff in die Poren des Bodens, setzt die mikrobielle Zersetzung ein, bei der CO2 freigesetzt wird. Ist der Boden mit Wasser gesättigt, wird dieser Effekt gestoppt.

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