Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Glasgow

Klimagipfel: „Wir schaufeln uns unser eigenes Grab“

  • VonSandra Kirchner
    schließen
  • Christian Mihatsch
    schließen

UN-Chef Guterres warnt vor einem Scheitern des Gipfels in Glasgow, der mit Reden im Drei-Minuten-Takt beginnt.

Glasgow - Früher kamen die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs erst ganz am Schluss einer UN-Klimakonferenz, um die letzten politischen Fragen zu lösen. Doch dieses Modell scheiterte spektakulär 2009 in Kopenhagen. Seither versuchen sie, den Verhandlungen gleich zu Beginn Schwung zu verleihen. So auch in Glasgow.

Den Anfang machte der Gastgeber, der britische Premierminister Boris Johnson. Er verglich sich und die anderen Anwesenden mit James Bond, der versucht, im letzten Moment eine Bombe zu entschärfen, bei deren Detonation „das menschliche Leben, wie wir es kennen, endet“. Der Unterschied sei, dass „das kein Kinofilm und die Weltuntergangsmaschine real ist“.

Die Protestgruppe der Menschenrechtsorganisation Oxfam hat sich äußerlich den schottischen Gepflogenheiten angepasst.

UN-Chef Guterres mit deutlichem Apell: „Wir schaufeln unser eigenes Grab“

UN-Chef Antonio Guterres argumentierte ähnlich, aber mit deutlich mehr Gravitas. Die von den Staaten versprochenen Anstrengungen beim Klimaschutz reichten nicht aus: „Wir schaufeln uns unser eigenes Grab“, warnte er. Der Planet verändere sich vor unseren Augen – von den Tiefen der Ozeane bis zu den Berggipfeln, von schmelzenden Gletschern bis zu extremen Wetterereignissen. Und dann stellte Guterres eine Forderung, von der in den kommenden Wochen noch zu hören sein wird: Die Länder sollten nicht alle fünf Jahre neue Klimaziele vorlegen, sondern jedes Jahr – bis sie mit dem 1,5-Grad-Limit vereinbar sind. Außerdem machte er eine Ankündigung, die in den Chefetagen großer Konzerne gehört werden dürfte: Die Vereinten Nationen wollen Fachleute einsetzen, um die Netto-Null-Ziele von Firmen auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verzichtete sowohl auf schillernde Vergleiche als auch auf Pathos. Die scheidende Regierungschefin kündigte allerdings noch zwei Dinge an. Zum einen unterstützt Deutschland eine neue Waldinitiative. Diese hat zum Ziel, den weltweiten Verlust an Waldfläche innerhalb von zehn Jahren zu stoppen. Zum anderen ist Deutschland an einer Partnerschaft mit Südafrika beteiligt. Das Land ist besonders stark von Kohle zur Elektrizitätserzeugung abhängig. Gleichzeitig ist der staatliche Energiekonzern Eskom nahezu bankrott und die Stromproduktion hinkt hinter der Nachfrage her. In dieser Situation soll mit einer Partnerschaft zwischen Deutschland, Südafrika und weiteren Staaten Eskom in sozialverträglicher Weise umgebaut werden. Merkel hofft hier auf ein „Pilotprojekt für viele Länder Afrikas“.

US-Präsident Joe Biden: Klimawandel keine „hypothetische Bedrohung“ mehr

Die Ansprache von US-Präsident Joe Biden richtete sich primär an sein Publikum zu Hause. Biden sagte zwar auch, dass der Klimawandel keine „hypothetische Bedrohung“ mehr sei und dass Glasgow der Startschuss für ein Jahrzehnt des Ehrgeizes und der Innovation sein müsse. Anschließend listete er aber vor allem auf, was in seinen beiden Infrastrukturpaketen enthalten ist, die allerdings noch vom US-Parlament verabschiedet werden müssen. Zudem wiederholte er, dass die USA ihre Klimahilfen für arme Länder dieses Jahr vervierfacht hätten. Das ist aber weder neu noch sonderlich beeindruckend. Bidens Vorgänger Trump hatte die Klimahilfen radikal zusammengestrichen.

Obwohl mehr als 120 Staats- und Regierungschefs am Montag und Dienstag in Glasgow im Drei-Minuten-Takt sprachen, fehlten doch die Vertreter wichtiger Länder. Die Präsidenten von China, Russland und Brasilien, Xi Jinping, Wladimir Putin und Jair Bolsonaro, sind wie erwartet nicht nach Schottland gekommen. Überraschend sagte zudem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ab, obwohl er eigentlich ein neues Klimaziel zu verkünden hat: Die Türkei will neuerdings ab 2053 klimaneutral wirtschaften. Enttäuschend waren die Ansprachen der Regierungschefs Indiens und Indonesiens. Narendra Modi kündigte an, dass Indien erst 2070 klimaneutral sein wird. Und Joko Widodo kündigte wider Erwarten keinen Kohleausstieg Indonesiens bis 2040 an. Und so bleibt vielleicht am ehesten Boris Johnson in Erinnerung, womit er sein Ziel erreicht haben dürfte. (Sandra Kirchner/Christian Mihatsch)

Rubriklistenbild: © Oli Scarff/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare