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Der weltweite Flugverkehr belastet das Klima jährlich mit vielen Millionen Tonnen Kohlendioxid.

CO2-Kompensation

Für klimaschädliches Verhalten Geld spenden

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Wer regelmäßig fliegt, kann die CO2-Emissionen kompensieren. Das ist jedoch noch kein grüner Hit.

Wer ein grünes Gewissen hat und dennoch fliegen muss, sollte die CO2-Emissionen kompensieren, heißt der Rat für ein klimafreundliches Leben. Der „Spiegel“ setzte die freiwillige Kompensation kürzlich sogar auf Platz zwei einer Hitliste, was man persönlich gegen den Klimawandel tun kann.

Einschlägig empfohlene Anbieter wie Myclimate oder Atmosfair freut das. Sie erleben quasi einen Boom. So stieg bei Myclimate von 2016 zu 2017 die Menge der kompensierten CO2-Emissionen um zehn Prozent auf über 800 000 Tonnen.

Wie viel davon Kunden zuzuschreiben ist, die freiwillig ihre Flüge kompensieren, lässt sich so einfach nicht feststellen. „Von den 800 000 Tonnen wurden über unsere Privatleuten zugänglichen Webrechner 18 000 Tonnen kompensiert“, gibt Myclimate-Sprecher Kai Landwehr an.

Hinzurechnen müsse man aber die Geschäftsflüge von Unternehmen, die mit Myclimate zusammenarbeiten. Auch Reiseunternehmen nutzten bei der Kompensation von Flügen oder auch ganzer Urlaube die Hilfe von Myclimate – alles in allem, schätzt Landwehr, werden bei seinem Unternehmen jährlich 40 000 bis 50 000 Tonnen CO2-Emissionen aus Flügen freiwillig kompensiert.

Bei Atmosfair haben die privat kompensierten Flüge einen Anteil von etwa 50 Prozent an den gesamten freiwilligen CO2-Kompensationen. Die betrugen laut Geschäftsbericht 2017 etwas mehr als 100 000 Tonnen. Damit liegt Atmosfair bei der freiwilligen Kompensation von Privatleuten ungefähr in derselben Größenordnung wie Myclimate.

Myclimate-Sprecher Landwehr hat dabei anschauliche Vergleiche parat, mit denen man seinen Flug in Klimaschutzprojekte umrechnen kann. So spare ein effizienter Kocher – in Afrika statt eines offenen Holzfeuers eingesetzt – insgesamt ein bis zwei Tonnen CO2, eine Kleinbiogasanlage zum Beispiel in Indien sechs Tonnen.

Biogasanlage gleicht Flug nach Buenos Aires aus

Mit der Biogasanlage lässt sich nach der Myclimate-Rechnung ein Flug von Frankfurt am Main nach Buenos Aires und zurück emissionsmäßig ausgleichen. Der Kocher entspricht dann einem Hin- und Rückflug von München nach Zypern.

Wie viele der 80 Millionen Menschen, die 2018 laut offizieller Statistik von einem deutschen Flughafen abgeflogen sind, dem Punkt zwei ihres persönlichen Klimaschutzplans folgen und die Emissionen kompensieren – darüber sind derzeit keine genauen Zahlen zu bekommen.

Klar ist nur: Die deutschen Inlandsflugverkehre verursachten 2017 etwas mehr als 2,3 Millionen Tonnen, die internationalen Flüge, die von deutschen Airports starteten, mehr als 26 Millionen Tonnen CO2.

Angesichts dessen erreicht die freiwillig eingesparte Menge an Flug-CO2 höchstens einstellige Prozent-Anteile, eher wohl nur Promille. Wollte man auch nur die innerdeutschen Flüge vollständig kompensieren, würde das bedeuteten, Millionen von Kochern und Hunderttausende kleiner Biogasanlagen in anderen, meist ärmeren Weltregionen zu installieren – und zwar jedes Jahr. Das erscheint wenig sinnvoll.

Myclimate-Sprecher Landwehr beeindruckt das allerdings wenig. Aus seiner Sicht ist eine Obergrenze bei der freiwilligen Kompensation lange nicht in Sicht – im Gegenteil: Bei Myclimate befänden sich derzeit rund 50 Projekte „in der Warteschlange“, so Landwehr. Gemeint sind Projekte, die „sofort“ umgesetzt werden könnten, bei denen aber „nachfragebedingt“ die Finanzierung nicht gesichert ist.

Bei Atmosfair stecken, wie Geschäftsführer Dietrich Brockhagen angibt, Projekte für die ländliche Elektrifizierung für fünf Staaten auf ähnliche Weise „in der Pipeline“, ebenso der Ausbau von Ofenprojekten in Afrika und Asien.

Der Markt für Kompensationen könnte sich aber schon kommendes Jahr grundlegend ändern. Dann tritt Corsia in Kraft. Übersetzt steht das Kürzel für „CO2-Verrechnungs- und Minderungs-Plan für die internationale Luftfahrt“. Corsia soll ab 2020 dafür sorgen, dass die globale Luftfahrt zwar nicht insgesamt klimaneutral wird, aber wenigstens ihr jährliches Wachstum kompensiert – indem die Fluggesellschaften weltweit Klimaprojekte finanzieren.

„Wenn Corsia in Kraft tritt, besteht tatsächlich ein hoher Bedarf an Klimaschutzprojekten“, ist Kai Landwehr sicher. Myclimate hege dabei die Hoffnung, dass die Airlines auch auf die Qualität der Projekte achten – dass es also nicht allein um Emissionsreduktion geht, sondern dass auch die anderen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die sogenannten SDGs, standardmäßig berücksichtigt werden.

Ob sich die Airlines daran halten, ist fraglich. Als kritischer grüner Flugpassagier sollte man sich deswegen ab 2020 nicht auf Corsia verlassen, sondern weiter freiwillig kompensieren. Zudem will die Branche ja nur das künftige Wachstum klimaneutral stellen. Die eine Milliarde Tonnen CO2, die der Luftverkehr derzeit global ausstößt, bleiben unberücksichtigt.

Schaut man allerdings auf die Zahlen, entschließen sich trotz aller grünen Bekenntnisse und Werbesprüche noch viel zu wenig – um nicht zu sagen: verschwindend wenig – Reisende für das freiwillige Kompensieren. Auf den persönlichen Hitlisten steht es eher unter ferner flogen ...

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