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Alles andere als ein ungeordnetes Gewusel: Im Bienenstock sind die Aufgaben streng verteilt.
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Alles andere als ein ungeordnetes Gewusel: Im Bienenstock sind die Aufgaben streng verteilt.

Natur

Klimaanlage und Heizung im Bienenstock

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Honigbienen verfügen über ein ausgeklügeltes System, um sich vor Kälte und Hitze zu schützen

Etwa 30 Minuten bevor ein Gewitter aufzieht, fliegen Honigbienen zurück in ihren Stock. „Das bekommen sie über Luftelektrizität mit“, sagt Jürgen Tautz. Er ist seit 2004 Gründungsvorsitzender des Bienenforschung Würzburg und Professor am Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität in der Stadt. Kürzlich war der Bienenexperte zu Gast in der Wetterwerkstatt Offenbach. „Wie und wozu erfassen Bienen Wetterparameter“, lautete der Titel seines Onlinevortrags.

Auf den Fühlern der Honigbiene sind rund 20 000 kleine Sinneshärchen, die unterschiedlich gestaltet sind. „Das ist Nanotechnologie vom Feinsten“, sagt Tautz. Damit werde der Duft von Blüten wahrgenommen, Kommunikationsbotenstoffe untereinander ausgetauscht und Temperatur aufgenommen. Die Reaktionen auf Kälte und Wärme wurden zwischen 2006 und 2019 wurde an der Uni Würzburg untersucht. „Hobos“ (Honey Bee Online Studies) nannte sich das Hightech Forschungs- und Bildungsprojekt, mit der die Honigbiene als Modellorganismus untersucht wurde. In einem Holzkasten wurde dauerhaft gemessen und gefilmt, ohne die Insekten zu stören.

Genau das wurde in der Vergangenheit nicht gemacht, berichtet Tautz. In der Literatur wurde der Temperaturverlauf eines Bienenstocks immer mit rund 30 Grad im Winter angegeben, der nach außen hin kälter wird. Allerdings seien Thermometer in die Bienetraube gesteckt worden, was Stress bringt und die Temperatur erhöht. „Die kontinuierliche Messung in ungestörter Wintertraube zeigt, dass die Temperatur nie unter acht Grad absinkt und sie sich in Wellen bis zu knapp 30 Grad bewegt“, sagt Tautz. „Wenn es den Bienen zu kalt wird, heizen sie einen Tag lang hoch. Wir wissen nicht sicher, was hinter den warmen Tagen passiert. Aber wir denken, dass es mit erwärmen des Honigs zu tun hat“, erklärt der Bienenexperte. Bei vier Grad oder kälter würden die Bienen sterben.

Dabei gibt es zwei Arten von Bienen. Da sind zum einen die Heizbienen, die ihren Brustkorb in eine leere Brutwabe pressen. Während der Oberkörper der Biene warm ist, bleibt das Hinterteil kalt, damit werden diese Zellen versiegelt. Die Heizbiene kann ihren Körper hierfür bis zu 44 Grad aufheizen. Das kann sie maximal 30 Minuten durchhalten. Danach muss sie von einer sogenannten Tankstellenbiene gefüttert werden.

Im Sommer hingegen muss das Nest klimatisiert werden. Im Hobos-Holzkasten zum Teil bis zu 60 Grad. „Wenn es zu heiß wird, sind Ventitalorenbienen für die Kühlung verantwortlich“, erklärt Tautz. Die stellen sich am Eingang des Bienenstocks alle in einer Richtung mit Lücken zwischeneinander auf und bewegen dabei schnell ihre Flügel.

Andere Arbeitsbienen verteilen auf Zellrändern und Zelldecken Wasser, mit dem sie sich zuvor vollgesogen haben. „Dieser Luftstrom funktioniert über Verdunstungskälte“, erklärt Tautz. So halten die Bienen ihr Zuhause auf 35 Grad. Denn sobald es 36 Grad oder wärmer wird, fangen die Larven im Stock an zu sterben. Je wärmer es wird, desto mehr Fächertrupps benötigt ein Bienenstock, um die Temperaturen wieder runterzukühlen.

Die kürzeren Sommertage sind ein direkter Faktor des Klimawandels, der den Bienen zu schaffen macht. Waren es zwischen 1961 und 1990 noch 120 Wintertage, waren es zwischen 1991 und 2019 nur noch 102. „So verschieben sich die Blühzeitpunkte der Pflanzen, die ein Riesenproblem für die Biene ist“, sagt Tautz. Dadurch finden die Bienen dann entweder Pollen und Nektar im Überfluss oder gar nichts mehr, sodass die verhungern müssen.

170 000 Pflanzenarten von Blütenpflanzen werden weltweit durch Honigbienen bestäubt. „Ein Drittel unserer Lebensmittel hängen direkt von der Honigbiene und anderen Bestäuberinsekten ab – etliches mehr auch indirekt“, erklärt Tautz. Die Honigbiene sei dabei der Workaholic im Geschäft und ist im Naturhaushalt wichtig zur Aufrechterhaltung der Biodiversität. „Die Ernährungslage wäre bei einem erwarteten Bevölkerungsanstieg im Jahr 2050 auf rund neun Milliarden Menschen eine reine Katastrophe, wenn das System Bestäuberinsekten zusammenbrechen würden.“

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