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Eine schwedische Studie hat herausgefunden, dass Frauen viel Geld für Dekoration, Gesundheit und Kleidung ausgeben - und damit im Schnitt klimafreundlicher leben als Männer. (Symbolbild)
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Eine schwedische Studie hat herausgefunden, dass Frauen viel Geld für Dekoration, Gesundheit und Kleidung ausgeben - und damit im Schnitt klimafreundlicher leben als Männer. (Symbolbild)

Klima-Studie

Männer leben klimafeindlicher als Frauen

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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Obwohl sie im Schnitt ähnlich viel Geld ausgeben, sind die Ausgaben der Männer deutlich klimaschädlicher als die von Frauen.

Stockholm – Eine schwedische Studie zeigt, dass Männer im Schnitt deutlich umwelt-unfreundlicher konsumieren als Frauen. Die Forschenden der Firma Ecoloop in Schweden wollten zeigen, dass eine Unterscheidung zwischen Männern und Frauen bei der Gestaltung der Klimapolitik durchaus einen entscheidenden Unterschied machen kann. Die Studie wurde dafür im Rahmen eines größeren Forschungsprogramms „Mistra: Nachhaltiger Konsum - von der Nische zum Mainstream“ durchgeführt.

Für die Analyse berechneten die Wissenschaftler:innen zunächst die Treibhausgas-Emissionen von Produkten und Dienstleistungen mithilfe einer Umweltanalysesoftware „EAP“. Die Daten über die Ausgaben in schwedischen Haushalten alleinstehender Männer und Frauen wurden durch das Statistische Zentralamt in Schweden (SCB) zur Verfügung gestellt. Bei diesen Daten sei allerdings zu berücksichtigen, dass sie schon relativ alt sind: Das SCB konnte lediglich Daten von 2012 zur Verfügung stellen. Annika Carlsson Kanyama, die die Studie leitete, erklärte allerdings, es sei unwahrscheinlich, dass sie sich bis heute ausreichend verändert hätten, um die allgemeinen Schlussfolgerungen zu ändern.

Studie aus Schweden: Männer verursachen 16 % mehr klimawirksame Emissionen

Doch was sind die zentralen Schlussfolgerungen? Die Untersuchung, die im Journal for Industrial Ecology veröffentlicht wurde, zeigt, dass das Geld, das Männer für Waren ausgeben, 16 Prozent mehr klimawirksame Emissionen verursacht als das von Frauen. Die Summe der Ausgaben sei bei Männern und Frauen dabei allerdings sehr ähnlich, heißt es in der Studie weiter. Daher sollten die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Emissionen, obwohl sie bislang noch wenig wissenschaftlich untersucht sind, nach Einschätzung der Forschenden bei den Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise berücksichtigt werden.

Der größte Unterschied im Konsumverhalten der schwedischen Männer und Frauen bestand der Analyse zufolge in den Ausgaben der Männer für Benzin und Diesel für ihre Autos. „Die Art und Weise, wie sie ausgeben, ist sehr stereotyp - Frauen geben mehr Geld für Wohnungsdekoration, Gesundheit und Kleidung aus und Männer geben mehr Geld für Treibstoff für Autos, Essengehen, Alkohol und Tabak aus“, erklärte Wissenschaftlerin Annika Carlsson Kanyama. Genderspezifische Unterschiede durch den Beruf seien dabei insofern ausgeklammert worden, dass der Treibstoff für Dienstfahrzeuge wie beispielsweise Taxis oder Transporter für die Arbeit nicht berücksichtigt wurde.

Den größten Unterschied stellten die Forschenden bei den Ausgaben für Benzin und Diesel für die Autos fest: Männer lagen hier deutlich vorne.

Das Forschungsteam verwies auf Studien aus den Jahren 2010 und 2012, die bereits zeigten, dass Männer durchschnittlich mehr für Energie ausgeben und mehr Fleisch essen als Frauen. Beides verursache hohe Emissionen und es sei überraschend, dass es nicht bereits mehr Studien über die Unterschiede in der Klimabelastung gebe.

Klima-Studie: Änderungen bei Ernährung und Reisen können Emissionen bis 40 Prozent senken

Neben der Unterschiede zwischen Männern und Frauen untersuchten die Wissenschaftler:innen der schwedischen Forschungsfirma auch, welche Ausgaben für Waren oder Dienstleistungen im menschlichen Konsumverhalten generell die meisten klimawirksamen Emissionen verursachen - und inwiefern sich diese durch einfache Stellschrauben reduzieren ließen. Die Analysen zeigten, dass vor allem ein Umdenken bei der Ernährung, also der Austausch von Fleisch und Milchprodukten gegen pflanzliche Lebensmittel, und der Umstieg von Urlauben mit dem Flugzeug oder Auto auf Reisen mit der Bahn die Emissionen um bis zu 40 Prozent senken.

Der Urlaub spielt laut der Forschenden dabei eine besondere Rolle, da die Reisen sowohl bei Frauen als auch bei Männern etwa ein Drittel aller Emissionen ausmachten. „Das ist viel mehr, als ich erwartet hatte“, sagte Carlsson Kanyama. Die Änderungen im Konsum seien zudem besonders einfach umzusetzen, da sie keine zusätzlichen Ausgaben erfordern und somit sofort erreichbar sind. „Sie verwenden einfach das Geld, das sie haben und kaufen davon etwas anderes“, forderte die Wissenschaftlerin auf.

Klimapolitik in Deutschland: Unwetterkatastrophe macht den Klimawandel greifbar

Gerade im Hinblick auf die Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands und die anstehende Bundestagswahl 2021 sind die Klimakrise und die Klimapolitik in Deutschland und Europa in der öffentlichen Diskussion wieder sehr präsent. „Wir müssen schneller werden im Kampf gegen den Klimawandel“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in dem von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. „Wir müssen auch der Anpassung noch größere Aufmerksamkeit zuwenden“, so Merkel weiter. Experten zeigen auf, wie die schweren Unwetter den Klimawandel greifbar machen und an welchen Stellen Versäumnisse der Politik gravierende Folgen haben können.

Es wird über Schuld diskutiert und Verantwortung weggeschoben. Bei einer Pressekonferenz zur Unwetter-Lage in Nordrhein-Westfalen erklärte NRW-Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet, die Klimakrise sei ein Problem, das man nicht allein in NRW lösen könne. Es brauche deutsche, europäische und globale Zusammenarbeit, um jetzt schneller und effektiver gegen den Klimawandel zu kämpfen. Und fast zeitgleich mit dem Beginn der Flutkatastrophe in der vergangenen Woche (14.07.2021) stellte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (CDU) die Pläne vor, die die CO2-Emissionen der EU bis 230 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 senken sollen. Doch der Plan mit dem Titel „Fit for 55“, der Teil des europäischen „Green Deal“ ist, stößt bereits auf Kritik.

Klimapolitik in der EU: „Warum der europäische Green Deal Ökofeminismus braucht“

Unter anderem deshalb, weil er die geschlechtsspezifischen Unterschieden bei den Emissionen und dem Einfluss auf die Umwelt nicht berücksichtigt. Leonore Gewessler, die österreichische Bundesministerin für Klimaschutz erklärte beispielsweise: „Die Klimakrise ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit und betrifft Männer und Frauen ganz unterschiedlich.“ Das Europäische Umweltbüro veröffentlichte am Freitag (16.07.2021) sogar einen Bericht mit dem Titel „Warum der europäische Green Deal Ökofeminismus braucht“. Nadège Lharaig vom EBB sagte dazu: „Die europäische Green-Deal-Politik ist im besten Fall Geschlechts-blind und im schlimmsten Fall vergrößert sie die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern noch“. (Isabel Wetzel)

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