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Während des Monsuns fallen in Indien normalerweise drei Viertel der jährlichen Regenmenge. 2019 war es deutlich mehr, sodass viele Regionen überflutet wurden.

Indischer Monsun

Das Klima steht auf der Kippe – mit verheerenden Folgen für Hunderte Millionen Menschen

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Globale Erwärmung und Luftverschmutzung könnten den indischen Monsun unberechenbar machen.

  • Monsun in Indien könnte unberechenbar werden
  • Klimawandel: Schwacher Monsun kann Missernten auslösen
  • Niederschläge in Indien schwer vorherzusagen

Indien, voriges Jahr, Anfang Oktober. Die Monsun-Zeit mit ihren starken Regenfällen ist eigentlich schon vorbei. Trotzdem suchen schwere Unwetter vor allem den Norden und den Osten des Landes heim. In Patna, der Hauptstadt des Bundesstaates Bihar, müssen Hunderte Menschen tagelang in ihren überfluteten Häusern warten, bis Hilfe sie erreicht.

Normalerweise kommt der Monsun jedes Jahr zwischen Juni und September nach Indien, in dieser Zeit fallen drei Viertel der jährlichen Regenmenge. Diesmal aber ist er besonders heftig, viele Regionen stehen lange Zeit komplett unter Wasser. 

Stürme mit extremen Regenfällen und Gewittern decken viele Dächer in Indien ab, bringen Bäume und Strommasten zum Umstürzen. Es kommt zu Erdrutschen, Schlammlawinen reißen ganze Straßen weg. Mehr als 1600 Menschen sterben. Die meisten von ihnen werden unter ihren Häusern begraben, die aufgrund der Regenmassen einstürzen; viele ertrinken. Auch über Todesfälle durch Blitzschlag und Schlangenbisse im Hochwasser wird berichtet. 

Monsun in Indien: Wichtig für das Leben der Menschen

Ein Déjà-vu - denn auch 2017 gab es extreme Niederschläge, durch die mehr als 2000 Menschen umkamen. Die Regenfälle des Monsuns 2016 hingegen waren viel zu schwach ausgefallen; das hatte in der stark landwirtschaftlich geprägten Region eine Dürrekatastrophe zur Folge.

Das jährliche, für die Tropen rund um den Erdball charakteristische Wetterphänomen Monsun hat eine immense Bedeutung für das Leben der Menschen in Indien und den angrenzenden Ländern. 

Die Niederschläge entstehen durch warme Winde, die über dem Indischen Ozean viel Wasser aufnehmen und in Richtung Festland wehen – dort stoßen sie an die Gebirge, die West- und Ostghats sowie den Himalaya, und regnen ab.

Indien: Ernte hängt von Monsun ab

Vom Einsetzen des Sommermonsuns, seiner Dauer und der Verteilung der Niederschläge hängen die landwirtschaftlichen Erträge ab. Ein schwacher Monsun ist häufiger mit ausgeprägten Dürren verbunden, die Missernten auslösen können. 

Umgekehrt führen stärkere Niederschläge in dieser Regenzeit oft zu schweren Überschwemmungen, so wie 2017 und 2019. Die Folgen können gravierend sein – allein der asiatische Sommermonsun betrifft weit über die Hälfte der Weltbevölkerung.

Klimawandel: Monsun und die Erderwärmung

Die Serie

Das Klima kann sichabrupt ändern. Wenn bestimmte Kipppunkte überschritten werden – wenn etwa der Amazonas-Regenwald austrocknet oder die Permafrostböden tauen –, kann es zu Kettenreaktionen kommen. Die Erderwärmung könnte sich dann unkontrollierbar verstärken. Doch noch können wir bei den meisten Kippelementen verhindern, dass sie ausgelöst werden. Wie – das stellt die FR in dieser Serie vor. Mehr Informationen zur Serie finden Sie auf: fr.de/kipppunkte

Beides, sowohl lang anhaltende Trockenheit als auch verheerende Überflutungen, trat in der jüngeren Vergangenheit in TeilenIndiens, Bangladeschs und Pakistans wiederholt auf. Wissenschaftler treibt die Frage um, wie sich die Erderwärmung auf den Monsun auswirkt – und ob er eines der Kippelemente des Klimasystems sein könnte. Rekonstruktionen der Klimageschichte haben nämlich gezeigt, dass der Monsun sehr sensibel auf äußere Einflüsse reagieren kann. Der menschliche Einfluss hat hier zwei Hauptkomponenten: einerseits die globale Erwärmung, ausgelöst durch die steigende Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre; andererseits die Abkühlung, die durch die starke Luftverschmutzung in Asien bewirkt wird. Die Aufheizung zeigt sich besonders stark über Land, das sich schneller erwärmt als der Ozean. Die sommerlichen Hitze-Tiefs in der Atmosphäre werden dadurch verstärkt, es bilden sich mehr Wolken. 

Indien und der Monsun: Viele offene Fragen

Die Folge: Der Monsun wird heftiger, es fallen mehr Niederschläge. Doch es finden auch gegenläufige Prozesse statt. So enthält die Luft in Ländern wie Indien durch Kohlenutzung, Verkehrsemissionen und das vielerorts übliche Abbrennen von abgeernteten Feldern sehr viele schwebende Teilchen, Aerosole genannt. 

Diese Aerosole streuen und reflektieren das Sonnenlicht, so dass weniger Strahlung bis zum Erdboden gelangt. Ebenfalls abkühlend wirken Waldrodungen, die die Erdoberfläche heller machen und so die Rückstrahlung (Albedo) des Sonnenlichts erhöhen. Diese Effekte bremsen die Erwärmung der Luft über dem Subkontinent.

Klimawandel: Monsun in Indien wird sich verändern

Ob sich die Verstärkung oder die Abschwächung des Monsuns künftig stärker durchsetzen wird, ist noch nicht ausreichend geklärt – allerdings gibt es Hinweise auf eine höhere Intensität. Der frühere Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber, ist jedoch sicher: „Insgesamt ist für das 21. Jahrhundert mit spürbaren Veränderungen im Hinblick auf Intensität, räumliche Ausdehnung und jahreszeitliches Einsetzen des Monsuns zu rechnen.“ 

Er warnt, dass ein ungebremster Klimawandel die Pendelbewegung zwischen trockenen und nassen Extremen voraussichtlich verstärken werde. „Das würde die für die Landwirtschaft essenzielle Vorhersagbarkeit der saisonalen Witterung enorm verschlechtern.“

Indien: Rückzug des Monsuns verzögert sich

Für PIK-Professorin Jelena Surowjatkina steht fest, dass die schweren Unwetter des vorigen Jahres von der Erderwärmung mitverursacht wurden. Nach ihren Untersuchungen hat die Erwärmung den indischen Sommermonsun in zweierlei Hinsicht beeinflusst: In den vergangenen zehn Jahren nahm die Intensität der Regenfälle in Zentralindien zu, außerdem verzögerte sich der Rückzug des Monsuns um zwei bis drei Wochen.

Auch Surowjatkina erwartet, dass der Monsun bei weiterer globaler Erwärmung immer unberechenbarer wird. Im vergangenen Jahr habe der Monsun einer „undichten Decke“ geähnelt, anstatt den gesamten Subkontinent allmählich durch Schauer zu bewässern. Die Wissenschaftlerin sieht die Tendenz, dass die Niederschläge anders als bisher überhaupt nicht mehr enden, allerdings unregelmäßig kommen und schwer vorhersehbar sind.

Umso wichtiger ist es, die Prognosen zu verbessern – ein Forschungsgebiet der Wissenschaftlerin. Und hier gibt es Fortschritte. Surowjatkina ist es in den vergangenen vier Jahren gelungen, den Beginn und das Ende der Monsunsaison mit einer neuen Vorhersagemethode über einen Monat im Voraus mit großer Genauigkeit zu bestimmen. Sogar in dem besonders komplexen Monsunjahr 2019 lag sie richtig. Ein großer Vorteil für die Landwirte, die zum Beispiel die Aussaat besser planen können.

Von Joachim Wille

Der Klimawandel und seine Folgen: Wie man klima-neutral wohnen kann - also fast ohne Energieverbrauch und CO2-neutral in autarken Gebäuden.

Das Klima kann sich abrupt ändern. Wenn bestimmte sogenannte Kipppunkte überschritten werden, zum Beispiel wenn Permafrostböden tauen, kann das schwerwiegende Kettenreaktionen auslösen.

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