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Sollten wir Milliardäre essen?

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Von: Joachim Wille

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Bill Gates spricht bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2022.
Bill Gates absolvierte 2017 rund 350 Flüge, was einem Pro-Kopf-CO2-Ausstoß von 1600 Tonnen CO2 entspricht. © Sven Hoppe/dpa

Natürlich nicht. Aber klar ist: Der Fußabdruck der Superreichen ist viel zu groß. Die Kolumne „Öko-Logisch“.

Kannibalismus als Mittel des Klimaschutzes? Bisher gehörte das nicht zum Repertoire der Aktivistengruppe „Extinction Rebellion“, die mit Straßenblockaden und anderen Formen des zivilen Ungehorsams gegen die Klimakrise kämpft. Doch nun das: „Einen einzigen Milliardär zu essen, würde mehr gegen den Klimawandel ausrichten, als vegan zu leben oder den Rest deines Lebens kein Auto mehr zu fahren.“ So unlängst zu lesen bei „XR“ auf Instagram und Twitter.

Logisch, nicht erst gemeint. Das zeigte schon die Darstellung: Cartoon-Figur Lisa Simpson präsentiert den Milliardärs-Satz einem fiktiven Auditorium per Power-Point. Trotzdem kassierte XR damit je Menge Likes, bei Twitter rund 140.000. Viel mehr als die Aktivisten sonst verbuchen können. Und es entspann sich eine intensive Diskussion zu dem Thema. Nein, nicht Milliardäre verspeisen. Sondern darüber, dass die Klimakrise nur gelöst werden kann, wenn auch das Problem der Ungleichheit in der Gesellschaft angegangen wird.

Der Klima-Kannibalismus

Wie ungleich der CO2-Fußabdruck der Superreichen und der der Normalos ist, weiß man aus den Studien der Entwicklungsorganisation Oxfam dazu. Danach war das reichste ein Prozent der Weltbevölkerung in den letzten 25 Jahren für mehr als doppelt so viel CO2-Verschmutzung verantwortlich wie die ärmsten 50 Prozent, also über drei Milliarden Menschen. In Europa ist es nicht ganz so krass, aber immer noch beeindruckend: Die reichsten zehn Prozent waren für genauso viele Emissionen verantwortlich wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung, nämlich für je 27 Prozent der CO2-Frachten.

Nicht alle treiben es so doll wie Microsoft-Gründer Bill Gates, der 2017 rund 350 Flüge absolvierte, was einem Pro-Kopf-CO2-Ausstoß von 1600 Tonnen CO2 entspricht. Doch dass der Lebensstil der meisten Superreichen als Vielflieger, Drittvillenbesitzer sowie Fahrer ganzer SUV-Flotten um Lichtjahre vom Verträglichen entfernt ist, liegt auf der Hand. Es ist eine Illustration für die These von US-Professor Matthew Huber, der in seinem neuen Buch „Klimawandel als Klassenkampf“ darlegt, wie unser auf fossilen Brennstoffen basierendes Wirtschaftssystem automatisch auch zu einer immer stärkeren Konzentration des Reichtums in den Händen einiger weniger führt.

Und welche Schlüsse ziehen wir daraus? Milliardäre essen nicht. Die sind zu zäh. (Joachim Wille)

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