Hintergrund

Das Klima-ABC

Für FR-online.de erklärt Andreas Kraft Begriffe von A wie Aerosol bis Z wie Zyklon Klimaphänomene und Fremdworte.

Albedo: Die Einheit misst, wie hell ein Körper ist. Daraus lässt sich ableiten, wie viel Sonnenlicht ein Teil der Erdoberfläche zurück ins All reflektiert und wie viel Sonnenenergie er aufnimmt. Was das mit dem Klima zu tun hat? Verändert sich eine Landschaft, verändert sich auch der Strahlungshaushalt der Erde. Das beste Beispiel ist hier der Nordpol: Noch ist er mit Eis bedeckt. Das Eis erscheint weiß, weil es den Großteil des Lichts reflektiert. Wenn das Eis dort durch Wasser ersetzt wird, nimmt die Erde am Nordpol wesentlich mehr Wärme auf. Die Durchschnittstemperatur steigt dort dann wesentlich stärker als an anderen Orten.

Aerosole: Während sie durch die Luft schweben, bieten sie den Treibhausgasen Paroli. Dazu gehören etwa Staubteilchen, Ruß oder Meersalze. Weil sie Teile des Sonnenlichts reflektieren, kühlen sie die Luft in der Nähe der Erdoberfläche ab. Ohne sie wäre die weltweite Durchschnittstemperatur bislang stärker angestiegen. Ihre Klimawirkung ist aber kaum erforscht. Manche von ihnen - wie etwa Ruß - können auch zur Erderwärmung beitragen, wenn sie zu Boden fallen. Weil sie weniger Licht reflektieren, können sie etwa Eis so erwärmen, dass es schmilzt.

Atmosphäre: Die Gashülle rund um die Erde kann sich so schnell verändern wie kein anderes System der Natur. Die warmen oder kalten, trockenen oder feuchten Luftmassen bestimmen das Wetter. Die Atmosphäre setzt sich dabei aus einer Vielzahl von Gasen zusammen. Zu 99 Prozent besteht sie aber aus Stickstoff und Sauerstoff. Lediglich ein Prozent machen die Treibhausgase aus. Immer wenn sich ihre Zusammensetzung veränderte, veränderte das auch das Gesicht der Erde.

Biosphäre: Alle Teile der Erde, auf oder in denen etwas lebt, bilden zusammen die Biosphäre. Dazu gehört die oberste Schicht der Erdkruste, die unterste Schicht der Atmosphäre und das Wasser. Diese belebte Schicht beeinflusst ganz wesentlich die Chemie der Atmosphäre. Ursprünglich bestand die Luftschicht rund um den Planeten im Wesentlichen aus Kohlendioxid (CO2) und Stickstoff. Erst als Algen, das CO2 aufnahmen, um es in Kohlestoff und Sauerstoff zu spalten, wurde komplexeres Leben überhaupt möglich. Jetzt droht das Lebewesen Mensch alles zu verändern.

CO2: ist die Abkürzung für Kohlenstoffdioxid. Es ist das bekannteste Treibhausgas und beeinflusst schon immer das Klima, weil es die Solarstrahlung zur Erdoberfläche hin passieren lässt. Die zurückgestrahlte Wärme lässt es aber nicht ins All entweichen. Viel CO2macht daher die Luft wärmer.

Deforestation ist das Fachwort für die Abholzung großer Wälder. In Europa ist das schon lange üblich. In den Tropen werden dagegen erst seit gut 50 Jahren im großen Stil Wälder vernichtet. Weil Bäume CO2 ein- und Sauerstoff ausatmen, beeinflussen sie das Klima. Häufig werden die Wälder auch nicht abgeholzt, sondern einfach niedergebrannt. Dabei entstehen große Mengen CO2. Zudem kühlen die tropischen Wälder sich selbst. Sie schwitzen das Wasser aus. Es bilden sich Wolken. Es regnet.

El Niño: Zuerst haben peruanische Fischer den El-Ni ño Effekt beobachtet, der meist um die Weihnachtszeit auftritt. Deshalb benannten sie ihn nach dem Christkind, auf Spanisch: El Niño. Das Phänomen entsteht, wenn sich das Meerwasser entlang des Äquators vor der peruanischen Küste bis weit ins Meer hinein überdurchschnittlich erwärmt. Normalerweise ist das Wasser dort relativ kalt. Gleichzeitig weht der Südostpassat nicht so stark wie üblich. Kommt beides zusammen, wird die Meeresströmung, der Humboldtstrom, abgeschwächt. Normalerweise führt er kaltes und nährstoffreiches Wasser vom Meeresboden nach oben. Nun erwärmt sich das Meer vor der peruanischen Küste um etliche Grad. Das wirbelt das Wetter auf der ganzen Welt durcheinander. Es kommt auf der einen Seite zu Dürren und auf der anderen Seite zu Überschwemmungen. Beobachtet wird der El Niño schont seit fast 300 Jahren. Weil er in den vergangenen Jahrzehnten aber immer häufiger und immer heftiger auftritt, gehen etliche Forscher davon aus, dass der Klimawandel den Effekt verstärkt.

FCKW ist die Abkürzung für Fluor-Chlor-Kohlen-Wasserstoffe. Der Begriff fasst die Gruppe der Treibhausgase zusammen, die normalerweise in der Natur nicht vorkommen. Sie werden allein vom Menschen hergestellt und etwa als Kältemittel in Kühlschränken oder als Treibmittel in Sprühdosen benutzt.

Gletscherschmelze: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden die Gletscher weltweit immer kleiner. Das ewige Eis ist etwa in den Alpen in den vergangenen 150 Jahren um rund ein Drittel zurückgegangen. An den beiden Polen sind in den vergangenen Jahren zudem große Eismassen von den Gletschern abgebrochen und im Meer versunken. Die Hauptursache der Gletscherschmelze ist der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur. Die Folgen sind immens: Zum einen lässt das geschmolzene Eis die Meeresspiegel weltweit ansteigen. Zum anderen bringt es den Wasserhaushalt in den Gegenden um die Gletscher durcheinander. Bis alle Gletscher der Welt verschwunden sind, werden auch in den schlimmsten Szenariern noch rund 300 Jahre vergehen.

Golfstrom: Die Meeresströmung im Nordatlantik ist die Klimaanlage Europas. Ohne ihn wäre etwa Skandinavien von Eis bedeckt. Wenn sich die Erde weiter erwärmt, wird am Äquator mehr Wasser verdunsten als Wolken nach Norden ziehen und dort abregnen. Zudem würde der grönländische Eisschild abschmelzen. Dieses Frischwasser würde den Golfstrom aus dem Gleichgewicht bringen und ihn abkühlen. Die Szenarien, laut denen die Strömung ganz abbricht und in Europa dann eine neue Eiszeit anbricht, gelten aber mittlerweile als unwahrscheinlich. Vielmehr dürfte sich dann der Klimawandel in Europa nicht so stark bemerkbar machen wie in anderen Teilen der Welt.

Hitzewelle: Der extrem heiße Sommer 2003 hat in Europa zwischen 40 000 und 70 000 Menschenleben gefordert. Mit weiter steigenden Temperaturen werden solche Sommer immer wahrscheinlicher. Von den neun Jahren des 21. Jahrhunderts gehören schon vier zu den heißesten fünf der vergangenen 150 Jahre. Von einer Hitzewelle in Deutschland sprechen Experten, wenn es an fünf Tagen hinter einander über 30 Grad warm war.

Hurrikan: Weil der Atlantik von 1995 bis 2004 so warm war wie 150 Jahre lang nicht, entstanden in dieser Zeit besonders viele und besonders heftige tropische Stürme, die wohl das gefährlichste Wetterphänomen überhaupt sind. Die Stürme verwüsteten vor allem die Karibik und den Süden der USA. Es gilt als wahrscheinlich, dass mit dem Klimawandel mehr Hurrikans entstehen.

IPCC ist die Abkürzung für Intergovernmental Panel on Climate Change. Hinter dem Namen verbirgt sich der Weltklimarat der Vereinten Nationen (UN). Die Experten werten die Arbeiten von Hunderten Klimaforschern aus und tragen so die wichtigsten Informationen zum Klimawandel zusammen. Ihre Berichte dienen den Staatschefs als Grundlage für die Verhandlungen.

Klimasystem: Es besteht aus der Atmosphäre (der Luft), der Hydrospäre (dem Wasser), der Kryosphäre (den Gletschern), der Lithosphäre (dem Land) und der Biosphäre (den Lebewesen). Innerhalb des Gesamtsystems beeinflussen sich die Sphären gegenseitig. So verändern die Menschen etwa die Zusammensetzung der Atmosphäre. Das wiederum wirkt sich etwa auf die Temperatur der Meere aus. Die Strömungen verändern sich, was dann wieder die Menschen zu spüren bekommen. Weil in all diesen Bereichen permanent an kleinen Stellschrauben gedreht wird, ist die Klimaforschung so komplex. Das wiederum führt immer wieder zu unterschiedlichen Prognosen.

Klimamodell: Um zu verstehen, wie das Klima funktioniert, entwickeln die Forscher unterschiedliche Modelle. Dabei vereinfachen sie die Realität zwangsläufig. Die Modelle dienen ihnen aber dazu, bestimmte Phänomene besser zu verstehen.

Klimaveränderung: Auch in Deutschland hat sich das Klima schon verändert. In den vergangenen hundert Jahren ist die Durchschnittstemperatur um ein Grad Celsius gestiegen. Besonders rasant geht es seit etwa 30 Jahren aufwärts. Neun der zehn wärmsten Jahre seit 1901 lagen im Zeitraum von 1990 bis 2007. Auch die Menge der Niederschläge hat tendenziell zugenommen.

Malaria: Wenn sich die Erde um drei bis fünf Grad erwärmt, könnte Mitteleuropa zum Malariagebiet werden. Dann könnten sowohl die Mücken als auch die Parasiten in gemäßigten Breiten lange genug überleben, um sich entsprechend auszubreiten. Eine Epidemie gilt aber als unwahrscheinlich - zumindest wenn der medizinische Standard gehalten wird. Weltweit dürften aber ziemlich sicher 60 Prozent der Menschen in Malariagebieten leben. Heute sind es 45 Prozent. Besonders bei Kindern führt eine Infektion schnell zum Tod. Bislang gibt es keinen Impfstoff.

Methan: In den Permafrostböden der Nordhalbkugel lagern riesige Mengen des Klimagases Methan. Es wirkt bezogen auf die Erderwärmung etwa 21-mal so stark wie CO2. Wenn die Böden im Sommer kurz auftauen bildet sich dabei unter Wasser das Gas und wird beim nächsten Frost eingefroren. In den Böden sind so rund 1000 Gigatonnen Kohlenstoff gespeichert. Taut der Boden dauerhaft auf, würden die frei werdenden Gase den Treibhauseffekt weiter verstärken.

Ozon: Das Molekül besteht aus drei Sauerstoffatomen. In der obersten Schicht der Atmosphäre kommt es besonders häufig vor. Dort reflektiert das Gas den Großteil der schädlichen UV-B-Strahlung der Sonne. Diese Strahlen sind lebensfeindlich. Besonders betroffen wären der Mensch und die Pflanzen. Mit der Erderwärmung dürfte die Ozonkonzentration abnehmen.

Treibhauseffekt: Lediglich ein Prozent der Luft sind für den Treibhauseffekt verantwortlich. Gase wie Kohlendioxid, Methan oder Lachgas lassen die Sonnenstrahlen passieren. Die von der Erde abgestrahlte Wärme halten sie jedoch zurück. Die Gase wirken also wie die Fensterscheiben eines Treibhauses , die die Wärme zwar herein-, aber nicht wieder herauslassen. Ohne dieses Gase würde es auf der Erde aber empfindlich kalt werden. Gibt es aber zu viele von ihnen, wird es viel zu heiß. Das richtige Maß ist hier also entscheidend.

Versauerung: Neben der Atmosphäre verändern die Emissionen auch die Meere. Weil das Wasser immer mehr CO2 aufnimmt, sinkt sein PH-Wert. Lebewesen, die Kalkschichten bilden, wie Muscheln, Schnecken und Korallen, sind davon besonders betroffen. Sie können keine harten Schalen mehr bilden. Für das ökologische Gleichgewicht der Meere sind sie aber unentbehrlich. Sie bilden einen unverzichtbaren Bestandteil der Nahrungskette.

Zyklone heißen Wirbelstürme im Indischen Ozean. Wie Hurrikans verursachen sie verheerende Schäden. Der Zyklon Nargis forderte im Mai 2008 etwa 78?000 Todesopfer. Weil Wirbelstürme entstehen, wenn mehr und mehr Meerwasser verdunstet, gilt es als sicher, dass mit der Erderwärmung auch die Zahl der Zyklone zunehmen wird. Und vor allem werden sie heftiger werden. ak

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