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Covid-19-Familienstudie

Coronavirus: Kinder stecken sich seltener an als Erwachsene

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Studien aus Baden-Württemberg und Brasilien weisen auf milde Verläufe und lang anhaltenden Immunschutz hin.

Frankfurt - Infektionen mit dem Coronavirus verlaufen bei Kindern fünfmal häufiger asymptomatisch als bei Erwachsenen. Trotzdem ist ihre Immunantwort stabiler – wenn sie sich überhaupt anstecken: Denn auch dieses Risiko ist bei Kindern viel geringer als bei erwachsenen Familienmitgliedern. Das legt die Covid-19-Familienstudie Baden-Württemberg nahe, deren Ergebnisse jetzt preprint (noch ohne unabhängige Begutachtung) veröffentlicht wurden. Beteiligt an der vom Land Baden-Württemberg finanzierten und initiierten Studie sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm.

Für die Studie haben sie 328 Familien, in denen mindestens ein Mitglied an Covid-19 erkrankt war, mehrfach untersucht. Insgesamt nahmen 717 Erwachsene und 548 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren teil. Die Ergebnisse im Einzelnen: Auch wenn jemand in der Familie infiziert war, steckten sich nur 34 Prozent der Kinder an, das war deutlich seltener als bei den Erwachsenen, wo sich 58 Prozent infizierten. Und selbst wenn die Kinder positiv getestet wurden, blieben häufig jegliche Krankheitszeichen aus. So merkten 45 Prozent der Kinder nichts von ihrer Infektion, während nur neun Prozent der positiv getesteten Erwachsenen beschwerdefrei blieben.

Kinder stecken Erwachsene kaum an, umgekehrt aber schon.

Corona: Kinder entwickeln „stärkere Antikörper“

Trotzdem fand das Forschungsteam im Blut der Kinder auch noch elf bis zwölf Monate nach der Infektion „stärkere und länger anhaltende Antikörperspiegel“ als bei Erwachsenen, wie es in einer Mitteilung der vier Universitätskliniken heißt. „Das galt unabhängig davon, ob Krankheitszeichen bestanden oder nicht“. Das ist insofern bemerkenswert, als einige frühere Studien darauf hindeuteten, dass Menschen mit asymptomatischen oder mild verlaufenden Infektionen schwächere und weniger lang anhaltende Antikörperantworten entwickeln als jene, die heftiger erkrankt waren; einiges deutete auf eine Korrelation zwischen der Schwere des Verlaufs und der Qualität der Immunantwort hin.

Bei der Frage der Dauer des Immunschutzes hatte sich zuletzt in mehreren Studien abgezeichnet, dass er auch nach acht bis zwölf Monaten – und möglicherweise noch länger – bestehen bleiben kann. In der Mitteilung zur aktuellen Studie aus Baden-Württemberg heißt es, es gebe Anzeichen, „dass die kindliche Immunabwehr die von Erwachsenen sogar übertrifft“.

Corona-Immunität wirkt gegen mehrere Varianten

Bemerkenswert ist zudem, dass die Antikörper der Kinder laut der Studie „gut wirksam gegenüber verschiedenen Virusvarianten“ seien, „so dass auch nicht sichtbar erkrankte Kinder noch vor einer Infektion geschützt sein sollten. Keines der infizierten Kinder musste im Krankenhaus behandelt werden.“

Auch in puncto Symptome unterscheiden sich vor allem jüngere Kinder und Erwachsene signifikant. Während bei letzteren Fieber, Husten, Durchfall und Geschmacksstörungen auftraten, seien bei Kindern nur Geschmacksstörungen „ein deutlicher Hinweis auf eine Covid-19-Infektion“ gewesen, heißt es, für Husten und Fieber gelte das erst mit steigendem Alter ab etwa zwölf Jahren.

Kinder sind selten die Quelle für eine Corona-Infektion

Eine aktuelle Studie aus Brasilien ist zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Dort hat ein Forschungsteam die Infektionsdynamik in einem Armenviertel in Rio de Janeiro untersucht. Bei einem Drittel der insgesamt 667 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kam es zu einem positiven Testergebnis, aber nur bei 13,9 Prozent der Kinder, wobei Säuglinge und Elf- bis 13-Jährige häufiger infiziert waren als Ein- bis Zehnjährige. Kein Kind soll bei einer Infektion schwere Symptome entwickelt haben, asymptomatische Verläufe sollen in der Altersgruppe der unter 14-Jährigen am häufigsten gewesen sein.

Und: Alle infizierten Kinder hatten „einen Erwachsenenkontakt mit Anzeichen einer kürzlichen Infektion“, heißt es. Die Studienautorinnen und -autoren ziehen daraus den Schluss: „Kinder scheinen in unserer Umgebung nicht die Quelle einer Sars-CoV-2-Infektion zu sein. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Kinder am häufigsten eine Infektion von Erwachsenen erhalten, anstatt sie auf sie zu übertragen.“ (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa

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