Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ausgetrocknete Felder in Simbabwe, ein einsames Wölkchen am Himmel: Ab 2045 könnten extreme Hitzewellen jährlich auftauchen.	afp
+
Ausgetrocknete Felder in Simbabwe, ein einsames Wölkchen am Himmel: Ab 2045 könnten extreme Hitzewellen jährlich auftauchen.

Afrika

Keine Daten, keine Hilfe

  • VonSandra Kirchner
    schließen

Immer häufiger wird der südlich der Sahara gelegene Teil Afrikas von Hitzewellen getroffen. Die Situation dürfte sich künftig noch verschlimmern – auch, weil wissenschaftliche Erhebungen fehlen.

Heißere und ausgedehntere Hitzewellen treffen Afrika schon heute. Das belegten Forscherinnen und Forscher 2016. Ab 2045 könnten ungewöhnlich starke Hitzewellen den Kontinent jedes Jahr treffen – und wenn es nicht gelingt, die Erhitzung des Planeten auf 1,5 Grad zu begrenzen, sogar noch öfter.

„Subsahara-Afrika wird unverhältnismäßig stark von den sich aufgrund des Klimawandels verschlimmernden Hitzewellen betroffen sein“, bestätigt die Klimaforscherin Friederike Otto vom Environmental Change Institute an der Universität Oxford. Allerdings lassen sich die Hitzewellen nicht in offiziellen Statistiken nachweisen.

Das geht aus einer Studie hervor, die diese Woche im Fachmagazin „Nature Climate Change“ veröffentlicht wurde und an der Otto mitwirkte. Danach zeigen offizielle Aufzeichnungen der vergangenen 100 Jahre keine signifikanten Auswirkungen von Hitzewellen in Subsahara-Afrika – als hätten die Hitzewellen nicht stattgefunden.

Beobachtungsdaten von Wetterstationen weisen allerdings auf Hitzewellen hin. „Wetterdaten gibt es – wenn auch deutlich weniger und in schlechterer Qualität als im globalen Norden“, sagt Klimaforscherin Otto gegenüber der Frankfurter Rundschau. „Aufgrund der Wetterdaten wissen wir, dass die Hitze deutlich zugenommen hat.“

Es reicht also nicht, nur auf meteorologische Daten zu schauen. „Die Daten, die fehlen beziehungsweise nicht mit extremen Temperaturen in Zusammenhang gebracht werden, sind die Daten zu den Auswirkungen extremer Hitze, wie Übersterblichkeit oder Auswirkungen auf Infrastruktur“, sagt Friederike Otto.

Gründe für den Datenmangel sind schwach aufgestellte Verwaltungen, fehlende institutionelle Ressourcen, lückenhafte Wetterdaten. Letztere werden in Messstationen oder auch mit Flugzeugen vor Ort (in situ) gesammelt. „Subsahara-Afrika hat zusammenbrechende In-situ-Messnetze“, sagt Klimaforscher Hartmut Graßl.

Das heißt, die Datenlage wird schlechter und die Qualität der wenigen Beobachtungen sinkt. „Wenn ein wesentlicher Teil der Bevölkerung schlecht ernährt ist und bei Dürre und Hitze hungert, hat es keine Priorität, die Hitzetoten zu zählen“, so Graßl.

In dem weltweit umfassendsten Katalog über Auswirkungen extremer Wetterereignisse, der Emergency Events Database, sind laut der Studie für die vergangenen 120 Jahre lediglich zwei Hitzewellen im subsaharischen Afrika verzeichnet.

Allerdings schätzen die Verantwortlichen, dass Subsahara-Afrika seit 1900 von über 300 Dürreereignissen getroffen wurde – mit insgesamt mindestens 700 000 Toten. Für den globalen Süden lassen sich keine präzisen Aussagen machen.

Das ist ein Problem, denn der afrikanische Kontinent gehört zu den Regionen der Erde, die schon heute stark mit klimawandelbedingten Schäden und Verlusten zu kämpfen haben. Die fehlenden Daten führen zu einem schiefen Bild und erschweren ausreichend genaue Abschätzungen.

Das Fachgebiet von Friederike Otto ist eigentlich die Attributionsforschung. Dabei versucht man zu beziffern, wie stark ein extremes Wetterereignis durch den Klimawandel beeinflusst wurde. „Wir können deutlich sehen, dass der Klimawandel zu mehr extrem hohen Temperaturen führt, aber die Attribution von Hitzeschäden und -verlusten ohne die beschriebenen Daten ist fast unmöglich.“

Die Klimawissenschaft ist quasi auf einem Auge blind, wenn sie nicht auf entscheidende Daten aus einkommensschwachen Ländern zurückgreifen kann. Das hat auch weitreichende Konsequenzen für die internationale Klimadiplomatie.

„Obwohl Afrika der am stärksten von der Klimakrise betroffene Kontinent ist, werden afrikanische Stimmen bereits an den Rand gedrängt“, sagt Mohamed Adow, Direktor des Klima-Thinktanks Power Shift Africa in Nairobi. Der Mangel an Daten über das Leiden in Afrika unterstreiche dies noch.

„Es ist entscheidend, dass afrikanische Hitzewellen dokumentiert werden, um Maßnahmen afrikanischer Regierungen wie auch internationaler Organisationen voranzutreiben“, so Adow. Nicht zu wissen, wie es tatsächlich um den Klimawandel auf dem am stärksten betroffenen Kontinent bestellt ist, sei weder für Afrika noch für den Rest der Welt gut.

Dabei gäbe es aus Sicht von Hartmut Graßl durchaus eine Lösung. Der Klimaforscher verweist auf Fernerkundungsdaten: „Wer selbst keine guten Daten hat, glaubt den Befunden derjenigen mit guten Daten zunächst nicht. Deshalb muss der Umgang mit frei zur Verfügung stehenden Satellitendaten an den afrikanischen Universitäten gelehrt und in afrikanischen Wetterdiensten eingeführt und auch finanziell unterstützt werden.“ Die europäischen Meteosat-Wettersatelliten seien hier ein Vorreiter.

Satellitenmessungen hält Graßl für weit preiswerter, als ein In-situ-Messnetz aufzubauen und es womöglich wieder zusammenbrechen zu sehen. „Meteosat-Daten haben eine sehr hohe Qualität und sind eine wesentliche Stütze für die Wettervorhersage in ganz Afrika“, sagt er. Allerdings fehle den meisten Wetterdiensten in Afrika noch die Infrastruktur zur Nutzung dieser Vorhersagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare