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Herz-Kreislauf-Studie: Kalium senkt bei Frauen den Blutdruck

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Von: Pamela Dörhöfer

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Aprikosen gehören zu den kaliumhaltigsten Lebensmitteln.
Aprikosen gehören zu den kaliumhaltigsten Lebensmitteln. (Symbolfoto) © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Eine Ernährung, die reich an dem lebenswichtigen Element Kalium ist, wirkt sich bei den Geschlechtern unterschiedlich aus.

Frankfurt – Aprikosen, Bananen, Avocado, Tomaten, Lachs, viele Nüsse und auch Bitterschokolade gehören dazu: Sie alle sind Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an Kalium. Eine Kost, die reichlich davon enthält, kann vor allem Frauen vor hohem Blutdruck bewahren – und für beide Geschlechter das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung senken, wie Forschende um Liffert Vogt von der Uniklinik Amsterdam herausgefunden haben. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten sie im „European Heart Journal“.

Für ihre Untersuchungen nutzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten der britischen Beobachtungsstudie Epic-Norfolk, die knapp 25.000 Patientinnen und Patienten von Hausarztpraxen in der britischen Grafschaft Norfolk im Alter von 40 bis 79 Jahren umfasste. Sie waren eingehend medizinisch untersucht und befragt worden, auch Urinproben waren genommen worden. Die Studie lief von 1993 bis 1997, mit einer Nachbeobachtungszeit von fast 20 Jahren.

Gesundheitsstudie zu Kalium: Unterschiedliche Ergebnisse bei Männern und Frauen

Aus den Urinproben der Teilnehmenden ließ sich auch die tägliche Ausscheidung von Natrium und Kalium berechnen. Die niederländischen Forschenden verglichen diese Werte mit den Blutdruckwerten der Probandinnen und Probanden. Es zeigte sich, dass es bei Frauen einen Zusammenhang zwischen der Kaliummenge und dem systolischem Blutdruck (oberer Wert) gab – und zwar in der Form, dass mit steigender Kaliumaufnahme der Blutdruck sank; so war jede Zunahme des täglich verzehrten Kaliums um ein Gramm mit einem um 2,4 mmHG niedrigeren systolischen Wert verbunden.

Bei Männern hingegen ließ sich eine solche Korrelation zwischen Kaliummenge und Blutdruck nicht finden. Gleichwohl war eine höhere Kaliumaufnahme bei beiden Geschlechtern mit einem selteneren Auftreten von Herz-Kreislauf-Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall verbunden, für die ein zu hoher Blutdruck eine Ursache sein kann.

Gesundheit: Zu salzreiche Ernährung erhöht Herz-Kreislauf-Risiken, Kalium „korrigiert“

Das Risiko wurde indes bei Frauen stärker gesenkt als bei Männern. Während der knapp 20-jährigen Nachbeobachtungszeit der Epic-Norfolk-Studie mussten 55 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden oder sind sogar daran gestorben. Nach Berücksichtigung anderer Faktoren wie Alter, Gewicht, Diabetes, Rauchen oder Alkoholkonsum ergab die Analyse, dass Frauen, die besonders viel Kalium zu sich nahmen, zu elf Prozent seltener ein Herz-Kreislauf-Ereignis erlitten als Frauen, die wenig Kalium verzehrten. Bei Männern wurde das Risiko lediglich um sieben Prozent gesenkt.

Als ein Risikofaktor sowohl für hohen Blutdruck als auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (als mögliche Folge) gilt ein hoher Natriumkonsum, heißt: zu salzreiches Essen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen täglich höchstens sechs Gramm Kochsalz, diese Menge entspricht etwa einem Teelöffel. Die Weltgesundheitsorganisation setzt die Menge mit fünf Gramm pro Tag sogar noch niedriger an. Tatsächlich nehmen laut der Internetseite der Verbraucherzentrale Männer in Deutschland durchschnittlich zehn und Frauen 8,4 Gramm Salz am Tag zu sich – nicht nur durch das eigene Würzen, sondern auch über den hohen Salzgehalt in vielen Lebensmitteln.

LebensmittelKaliumgehalt
Banane (150g)551 mg
150g Lachs594 mg
20g Bitterschokolade403 mg
200g Rosenkohl686 mg
1 Avocado (225g)1238 mg
(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.)

Ernährung und Gesundheit: Kalium hat positiven Effekt auf Herz-Kreislauf-System

Kalium wiederum fördert in den Nieren die Ausscheidung von Natrium. Das und die Tatsache, dass dadurch der durch zu viel Salz entstandene Zustand der „Hypervolämie“ korrigiert wird, sehen die Forschenden als mögliche Gründe für die positiven Wirkungen von Kalium auf den Blutdruck und das Herz-Kreislauf-System insgesamt an. Hypervolämie bezeichnet ein erhöhtes Volumen des Blutes im Blutkreislauf, etwa, weil zu wenig Wasser über die Nieren ausgeschieden wird.

Allerdings ließ sich ein Zusammenhang zwischen Kalium und weniger Herz-Kreislauf-Zwischenfällen auch unabhängig von der Salzaufnahme feststellen – Kalium dürfte deshalb neben der vermehrten Natriumausscheidung noch einen weiteren Effekt haben, folgert das Team um Liffert Vogt. (Pamela Dörhöfer)

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