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Kunstdünger, Pestizide und eine miese Wasserbilanz: Der Kaffeeanbau ist ökologisch nicht spurlos.

Öko-Logisch

Kaffee fürs Klima

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Der Kaffee-Anbau hinterlässt ökologische Spuren. Doch man kann die Bohne auch "klimaneutral" anbauen. Eine erste Kooperative zeigt, wie es geht.

Kaffee ist beliebt. Daheim zum Frühstück, nach dem Essen, im Büro, to go. Rund 1,4 Milliarden Tassen werden täglich weltweit getrunken. Die Amerikaner schlucken am meisten davon, in Europa sind es die Finnen. Wir Deutsche liegen hier im Mittelfeld, mit im Schnitt zwei Tassen am Tag respektive rund fünf Kilo Kaffeebohnen im Jahr. 

Ökologisch spurlos ist das natürlich nicht. Beim Anbau werden Kunstdünger und Pestizide eingesetzt, das weiß man schon lange. Einen weiteren schlechten Beigeschmack bekam das beliebte Heißgetränk, als erstmals Bilanzen zum Wasserverbrauch aufgestellt wurden – vom Anbau über die Verarbeitung bis zur Kaffeemaschine. Ergebnis: Es braucht rund 140 Liter Wasser, damit eine Tasse getrunken werden kann. Doch natürlich hat Kaffee wie jedes Agrarprodukt auch einen Klima-„Fußabdruck“. Pro Kilo Röstkaffee entstehen gut fünf Kilo Treibhausgase, pro Tasse sind es 40 bis 50 Gramm.

Die gute Nachricht: Man kann Kaffee „klimaneutral“ anbauen. Das zeigt die Kaffeekooperative „Coopedota“ in Costa Rica, die als weltweit erster Produzent diesen Weg gegangen ist. Die Kaffeebauern dort setzen Kunstdünger sparsam ein, um die bei dessen Produktion und nach dem Ausbringen im Boden der Plantagen entstehenden Treibhausgase zu minimieren. Außerdem betreibt die Kooperative die Röstöfen nicht mehr mit Holz, sondern mit Abfallprodukten, etwa den Schalen der Kaffeebohnen, was Kohlendioxid einspart. Und für die Emissionen, die trotz dieser Maßnahmen entstehen, kauft sie zum Ausgleich CO2-Zertifikate – dafür werden anderswo Klimaschutzprojekte finanziert. 

Das Projekt funktioniert, urteilt die Agrarwissenschaftlerin Athena Birkenberg von der Universität Stuttgart Hohenheim, auch wenn es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Sie schlägt der Kooperative zum Beispiel vor, statt Geld für Zertifikate auszugeben lieber in der eigenen Region Bäume zu pflanzen, die beim Wachstum CO2 binden und zugleich vor Ort die Umwelt verbessern. 

So weit, so gut. Nur: Um „klimaneutralen“ Kaffee populär zu machen, braucht es natürlich Kaffeetrinker, die dafür auch etwas mehr Geld auszugeben bereit sind. Ein entsprechendes Klimasiegel auf der Packung könne da helfen, meint die Forscherin, zum Beispiel kombiniert mit einer Fairtrade-Kennzeichnung. Dafür geben die Kaffeefans gerne etwas mehr aus. Nicht nur am 1. Oktober, dem „Tag des Kaffees“. 

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