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Jupiter-Mond Europa könnte ein guter Ort für Leben im Sonnensystem sein

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Von: Tanja Banner

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Der Jupiter-Mond Europa, aufgenommen von der Nasa-Sonde „Galileo“. (Archivbild)
Der Jupiter-Mond Europa, aufgenommen von der Nasa-Sonde „Galileo“. (Archivfoto) © Nasa/JPL/picture alliance/dpa

Der Jupiter-Mond Europa gilt als geeigneter Kandidat für Leben im Sonnensystem: Eine neue Studie macht das nun noch etwas wahrscheinlicher.

Stanford – Der Jupiter-Mond „Europa“ gilt schon lange als mögliche Heimat für Leben im Sonnensystem. Messungen der Raumsonden „Voyager“ und „Galileo“ sowie Modellrechnungen deuten darauf hin, dass unter einer 20 bis 30 Kilometer dicken Eishülle ein flüssiger Salzwasser-Ozean existiert. Gelegentlich bricht das Wasser in riesigen Wasserdampf-Geysiren aus, auch auf der Oberfläche des Mondes haben Forschende Wassermoleküle entdeckt.

Der Salzwasserozean im Inneren von „Europa“ fasziniert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon lange Zeit. Das Wasser unter der dicken Eishülle des Mondes könnte ein Ort sein, an dem außerirdisches Leben beheimatet ist, können sich Forschende vorstellen. Doch an ihn ist durch die dicke Eisschicht nur schwer heranzukommen. Nun zeigt eine neue Studie, die im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht wurde, dass die Eishülle offenbar doch keine so feste Barriere ist wie bisher vermutet.

Jupiter-Mond „Europa“: Doppelkamm in Grönland gibt Hinweise

Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, haben sich die Forschenden um Hauptautor Riley Culberg (University of Stanford) auf der Erde umgeschaut. Genauer: In den eisigen Landschaften Grönlands. Dort untersuchten Riley und seine beiden Co-Autoren eine Oberflächenform, die als „Doppelkamm“ (double ridge) bezeichnet wird. Es handelt sich um nahezu symmetrische Rückenpaare, die ein flaches Tal flankieren. Die Geometrie des Doppelkamms, den die Forschenden im Eisschild Grönlands untersuchten, gleicht einem Doppelkamm auf dem Jupitermond „Europa“.

Für die Beobachtungen auf Grönland kam eisdurchdringendes Radar zum Einsatz, das zeigte, wie die Oberflächenform entstanden sein muss: durch eine Abfolge von Wiedereinfrieren, Druckaufbau und Bruch einer flachen Wasserschwelle innerhalb des Eisschilds. Sollte dieser Prozess auch für die Bildung der Doppelkämme auf dem Jupiter-Mond „Europa“ verantwortlich sein, könnte das darauf hindeuten, dass in der eisigen Hülle des Mondes flüssiges Wasser vorhanden ist, vermuten die“ Forschenden. „Wenn der Mechanismus, den wir in Grönland sehen, auch auf „Europa“ abläuft, deutet das darauf hin, dass es überall Wasser gibt“, betont der Co-Autor der Studie, der Geophysiker Dustin Schroeder, der an der Stanford University forscht.

Im Wasser des Jupiter-Monds „Europa“ könnte es Leben geben

Als sie den Doppelkamm auf Grönland entdeckten, arbeiteten die Forschenden eigentlich an etwas ganz anderem: „Am Klimawandel und seinen Auswirkungen auf die Oberfläche von Grönland“, erklärt Schroeder. „In Grönland bildete sich dieser Doppelkamm an einem Ort, an dem das Wasser aus den Seen und Flüssen an der Oberfläche häufig in den oberflächennahen Bereich abfließt und wieder gefriert“, erläutert Culberg. „Eine Möglichkeit, wie sich ähnliche flache Wassertaschen auf „Europa“ bilden könnten, könnte darin bestehen, dass Wasser aus dem unterirdischen Ozean durch Risse in die Eishülle gepresst wird – und das würde bedeuten, dass innerhalb der Eishülle ein angemessener Austausch stattfinden könnte“, so Culberg weiter.

Auf dem Jupiter-Mond „Europa“ sind Doppelkämme weit verbreitet. Sie sind mehr als 300 Meter hoch und werden von Tälern getrennt, die etwa 800 Meter breit sind. Die Kämme sind bekannt, seit die Raumsonde „Galileo“ die Oberfläche von „Europa“ in den 1990er Jahren fotografiert hat. Doch eine endgültige Erklärung für die Entstehung gab es bisher nicht.

Eishülle von „Europa“ ist geologischen und hydrologischen Prozessen unterworfen

Die Eishülle des Jupiter-Monds „Europa“ ist vermutlich einer Vielzahl geologischer und hydrologischer Prozesse unterworfen – was auch die bereits entdeckten Geysire und Wasserfahnen zeigen, die aus dem Jupiter-Mond Europa an die Oberfläche dringen. Eine dynamische Eishülle unterstützt den Forschenden zufolge die Theorie der Bewohnbarkeit des Mondes, da sie den Austausch zwischen dem unterirdischen Ozean und den an der Oberfläche angesammelten Nährstoffen von benachbarten Himmelskörpern erleichtert.

„Weil es näher an der Oberfläche ist, wo man interessante Chemikalien aus dem Weltraum, von anderen Monden und den Vulkanen von Io erhält, besteht die Möglichkeit, dass Leben eine Chance hat, wenn es in der Hülle Wassertaschen gibt“, erklärt Schroeder in einer Mitteilung seiner Universität.

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Die Doppelkämme auf dem Mars würden schon seit mehr als 20 Jahren studiert, „aber dies ist das erste Mal, dass wir etwas Ähnliches auf der Erde beobachten können und sehen, wie die Natur ihre Magie entfaltet“, freut sich der Planetenforscher Gregor Steinbrügge, der am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa forscht und ebenfalls ein Co-Autor der Studie ist. „Wir machen einen viel größeren Schritt in die Richtung, zu verstehen, welche Prozesse tatsächlich die Physik und die Dynamik der Eishülle von Europa dominieren.“

Name:Europa
Typ:Eismond
Planet:Jupiter
Umlaufzeit:85 Stunden
Radius:1.560,8 km
Entdeckung:7. Januar 1610
Entdecker:Galileo Galilei

Leben im Sonnensystem: Jupiter-Mond „Europa“ könnte es beherbergen

Die Entdeckung der Forschenden in Grönland hat offenbar maßgeblich zu der neuen Theorie über den Jupiter-Mond „Europa“ beigetragen. „Der Mechanismus, den wir in dieser Arbeit vorschlagen, wäre fast zu kühn und zu kompliziert gewesen, um ihn vorzuschlagen, ohne ihn in Grönland gesehen zu haben“, betont Schroeder. „Unsere ist eine weitere Hypothese neben vielen anderen – wir haben nur den Vorteil, dass unsere Hypothese durch Beobachtungen der Bildung eines ähnlichen Merkmals auf der Erde gestützt wird“, erläutert Culberg. „Das eröffnet all diese neuen Möglichkeiten für eine sehr spannende Entdeckung.“

In den kommenden Jahren soll der Jupiter-Mond „Europa“ gleich von zwei Raumfahrt-Missionen ins Visier genommen werden. Im Jahr 2023 soll die Esa-Raumsonde „JUICE“ (JUpiter ICy moons Explorer) starten und neben „Europa“ auch die beiden Jupiter-Monde Ganymede und Callisto besuchen. Für 2024 ist der Start der Nasa-Raumsonde „Europa Clipper“ geplant. Diese Raumsonde soll herausfinden, ob der eisige Jupiter-Mond Europa geeignete Bedingungen für Leben bietet. (tab)

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