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Coronavirus

Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson zugelassen – Spahn dämpft Hoffnungen auf baldige Impfung

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson ist in den USA bereits zugelassen. Nun soll der Impfstoff auch in der EU eingesetzt werden.

  • Nach Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca kommt nun ein weiterer Impfstoff von Johnson & Johnson auf den Markt.
  • Der Impfstoff von Johnson & Johnson führte bei 90 Prozent der Geimpfen vier Wochen nach der ersten Dosis zur Produktion von Antikörpern.
  • Die Nebenwirkungen werden als ähnlich wie bei den anderen Corona-Impfstoffen beschrieben.

Update vom Freitag, 12.03.2021, 07.22 Uhr: Der Weg für einen vierten Corona-Impfstoff in der EU ist frei: Nach einer Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA gab am Donnerstag auch die EU-Kommission grünes Licht für das Vakzin des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson, wie Kommissionschefin Ursula von der Leyen mitteilte. Derweil setzten mehrere europäische Staaten die Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff wegen befürchteter gefährlicher Nebenwirkungen aus.
Die EU-Staaten hätten nun „eine weitere Möglichkeit, die Pandemie zu bekämpfen und die Leben und die Gesundheit ihrer Bürger zu schützen“, erklärte EMA-Chefin Emer Cooke nach der Zustimmung ihrer Behörde zum Impfstoff von Johnson & Johnson. Erstmals werde es in der EU einen Corona-Impfstoff geben, bei dem nur eine Dosis nötig sei.

Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson: Anwendung könnte noch dauern

Trotz der EU-Zulassung für den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson dürfte es nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) noch mehrere Wochen dauern, bis die ersten Dosen des Vakzins in Europa verabreicht werden können. „Die Wahrheit ist, dass nach Angaben von Johnson & Johnson frühestens, und ich sage jetzt ausdrücklich frühestens, Mitte, Ende April mit Lieferungen zu rechnen ist“, sagte Spahn am Donnerstagabend in den „Tagesthemen“.

Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt die Zulassung des Corona-Impfstoffes des US-Herstellers.

„Die Zulassung ist das eine, aber jetzt brauchen wir Lieferungen“, sagte Spahn in den „Tagesthemen“. Er habe die EU-Kommission gebeten, „sehr klar“ mit Johnson & Johnson über die Bereitstellung der zugesagten Impfstoff-Mengen zu sprechen. Man wolle „genau wissen“, warum die Impfstoffe nicht vor Mitte April in die EU geliefert werden könnten und warum andere Länder schon beliefert würden.

Update, 14.50 Uhr: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Zulassung des Corona-Impfstoffes des US-Herstellers Johnson & Johnson in der EU empfohlen. Das teilte die EMA am Donnerstag in Amsterdam mit. Die endgültige Entscheidung über die bedingte Marktzulassung muss nun die EU-Kommission treffen - das gilt als Formsache und kann ebenfalls am Donnerstag geschehen.

Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson – Eine Spritze reicht aus 

Amsterdam – In der Europäischen Union wird neben den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca voraussichtlich bald noch ein viertes Vakzin zur Verfügung stehen: Es handelt sich um den Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson, für den der US-Pharmakonzern am 27. Februar in den Vereinigten Staaten bereits eine Notfallzulassung bekommen hat. In der Mitteilung der zuständigen US-Behörde Food and Drug Administration (FDA) hieß es, die vorliegenden Daten zeigten, „dass die bekannten und potenziellen Vorteile des Vakzins seine bekannten und potenziellen Risiken überwiegen“. In den USA hilft der Pharmakonzern Merck Johnson & Johnson nun bei der Produktion des Impfstoffs.

Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt die Zulassung des Corona-Impfstoffes des US-Herstellers.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema wird vermutlich am Donnerstag ihre Empfehlung zum Johnson & Johnson-Vakzin abgeben. Mit einem positiven Votum ist zu rechnen. Der Impfstoff wird bereits seit Dezember in einem Rolling-Review begutachtet, die EU soll Dosen für 200 Millionen Menschen bestellt haben.

Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson benutzt anderen Erreger als Astrazeneca

Entwickelt wurde der Impfstoff bei Janssen, der in Belgien gegründeten Pharmasparte von Johnson & Johnson. Die Besonderheit des Impfstoffs: Anders als alle anderen weltweit bislang zugelassenen Präparate muss er nur einmal gespritzt werden, wie bei den anderen Vakzinen ebenfalls in den Muskel.

Johnson & Johnson setzt wie Astrazeneca auf einen genbasierten Vektorimpfstoff. Das heißt: In ein Transportervirus wird die genetische Information für das Spike-Protein von Sars-CoV-2 eingebaut, das nach dieser Anleitung vom Körper selbst hergestellt werden soll. Johnson & Johnson nutzt dafür ebenfalls ein modifiziertes Adenovirus, allerdings nicht wie Astrazeneca einen Erreger, der Schimpansen befällt, sondern das humane Adenovirus 26, das der Pharmakonzern auch als auch als Vektor für seinen im Juli 2020 in Europa zugelassenen Ebola-Impfstoff verwendet hat. Im unbehandelten Zustand verursacht es Erkältungen.

Ampullen des Impfstoffes des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson.

Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson: Lagerung im normalen Kühlschrank

Für die Impfung wurde das Adenovirus so verändert, dass es nicht mehr krank macht und zudem die Erbinformation für das Spike-Protein in sich trägt. Dieser „Bauplan“ liegt bei den Vektorimpfstoffen von Astrazeneca und Johnson & Johnson anders als bei den mRNA-Impfstoffen nicht in Form von Ribonukleinsäure (RNA) vor, sondern in Gestalt doppelsträngiger DNA. Diese muss in den Zellkern gelangen, wo sie in RNA umgeschrieben wird. Die RNA wiederum wandert zu den Ribosomen, dort wird dann das Spike-Protein produziert. Das Immunsystem soll das Protein anschließend als fremd erkennen und Antikörper und Immunzellen bilden, die bei einer Konfrontation mit dem Virus Schutz vor einer Erkrankung bieten.

Weil die DNA im Impfstoff stabiler ist als RNA, lässt sich das Präparat im Gegensatz zu den mRNA-Vakzinen längere Zeit bei normalen Kühlschranktemperaturen lagern, laut Hersteller drei Monate bei maximal zwei bis acht Grad Celsius. Bei minus 20 Grad soll der Impfstoff zwei Jahre lang stabil bleiben.

Impfstoff von Johnson & Johnson auch in Ländern mit Virusvarianten getestet

Insgesamt nahmen an den klinischen Studien rund 70 000 Menschen ab 18 Jahren teil. 34 Prozent der Probandinnen und Probanden waren älter als 60 Jahre. Die Studien haben gezeigt, dass der Impfstoff von Johnson & Johnson bei 90 Prozent der Geimpfen vier Wochen nach der ersten Dosis zur Produktion von Antikörpern führte. Nach Angaben der US-Zulassungsbehörde FDA schützt der Impfstoff vor moderaten bis schweren Covid-Verläufen mit einer Wirksamkeit von durchschnittlich etwas mehr als 66 Prozent. Betrachte man nur die schweren Verläufe, so soll die Wirksamkeit laut „Ärzteblatt“ nach dem 28. Tag allerdings bei 85,4 Prozent liegen.

Die Studien liefen in Nordamerika, Lateinamerika und Südafrika – und damit auch in Ländern, wo mittlerweile Virusvarianten aufgetaucht sind. Wie das „Ärzteblatt“ berichtet, sei es weder in Brasilien noch in Südafrika zu „Einbrüchen der Impfstoffwirkung“ gekommen. In Brasilien habe die Wirksamkeit 68,1 Prozent betragen, in Südfarika 64 (zum Vergleich: USA 72 Prozent).

Nebenwirkungen vom neuen Johnson & Johnson-Impfstoff mild bis mittelschwer

Die Nebenwirkungen werden als ähnlich wie bei den anderen Covid-Impfstoffen beschrieben. Dazu zählen Schmerzen, Rötungen und Schwellungen des Impfarms, Kopfschmerzen, starke Müdigkeit, Muskelschmerzen, Übelkeit und Fieber. Sie sollen überwiegend mild bis mittelschwer ausgefallen sein.

Wie das „Ärzteblatt“ schreibt, zählen zu den „nicht erwarteten Nebenwirkungen“ 15 Fälle von „thromboembolischen Ereignissen“ (gegenüber zehn in der Placebogruppe). Als thromboembolische Ereignisse werden Blutgerinnsel bezeichnet, von denen sich ein Teil löst, mit dem Blutstrom wegschwimmt und ein Gefäß verschließt. Sie können unter anderem einen Schlaganfall auslösen. Außerdem sollen sechs Geimpfte, aber niemand aus der Placebogruppe, über das Auftreten eines Tinnitus berichtet haben. Anaphylaktische Schocks sind bei den klinischen Studien nicht aufgetreten (allerdings ist davon auszugehen, dass Menschen mit bekannten Allergien gegen Impfstoffe oder injizierbare Medikamente nicht teilgenommen haben).

Johnson & Johnson arbeitet außerdem noch an einer Variante seiner Impfung, die wie die andern auch auf einer zweimaligen Injektion basiert, in diesem Fall soll der Abstand zwischen beiden Dosen acht Wochen betragen. Diese Studie mit insgesamt 30 000 Teilnehmern läuft derzeit. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Martin Wagner via www.imago-images.de

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