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Eines der großen Kohlekraftwerke in Deutschland: Staudinger in Großkrotzenburg bei Hanau.
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Eines der großen Kohlekraftwerke in Deutschland: Staudinger in Großkrotzenburg bei Hanau.

Klimawandel

Jedes Jahrzehnt das CO2 halbieren

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Wissenschaftler entwerfen einen Fahrplan weg von Kohle und Öl.

Derzeit bläst die Menschheit jedes Jahr mehr als 36 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Der CO2-Anteil in der Luft hat sich gegenüber dem Zustand vor der Industrialisierung bereits um rund 43 Prozent erhöht, und die mittlere Temperatur ist um etwas über ein Grad angestiegen. Renommierte Umwelt- und Klimaforscher haben nun einen Fahrplan vorgelegt, wie die Weltwirtschaft den Ausstoß von CO2 rasch verringern kann, um das Zwei-Grad-Limit noch einzuhalten. Laut dem vorgeschlagenen „Kohlenstoff-Gesetz“ (Carbon Law) sollen die Treibhausgas-Emissionen ab 2020 in jedem Jahrzehnt halbiert werden.

Die Wissenschaftler orientieren sich am Paris-Klimavertrag, der fordert, die globale Erwärmung „deutlich“ unter zwei Grad zu begrenzen. Um das zu schaffen, müssen die Emissionen aus fossilen Brennstoffen spätestens 2020 ihr Maximum erreicht haben und bis zum Jahr 2050 nahe Null sinken. Die Schritte wären: Von 40 Milliarden Tonnen CO2 im Jahr 2020 über 20 (2030), zehn (2040) auf fünf (2050). Ein Ende der Verbrennung von Kohle käme 2030 bis 2035 und der des Erdöls 2040 bis 2045. Gemäß dem Carbon Law würden die größten Schritte hin zur Dekarbonisierung früher gemacht statt auf später verschoben zu werden, so die Forscher, darunter Leitautor Johan Rockström vom Stockholm Resilience Centre der Universität Stockholm sowie der deutsche Regierungsberater und Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber. Das verringere das Risiko, dass das im Rahmen des Klimaziels verbleibende Budget noch möglicher CO2-Emissionen gesprengt wird.

Mit ihrem „Gesetz“ orientieren sich die Wissenschaftler an der Computerindustrie und ihrem „Mooreschen Gesetz“, nach dem sich die Leistung der Prozessoren regelmäßig verdoppelt. Ähnliches erhoffen sich die Klimaforscher nun mit ihrem Carbon Law. Ziel sei es, Investoren dazu zu bringen, große Geldsummen von der fossilen Energiewirtschaft in die Öko-Energien zu transferieren – und „stranded investments“ zu verhindern. Tatsächlich müsste ein Konzern, der aktuell noch in ein Kohlekraftwerk investiert damit rechnen, dass es vor dem Ende der geplanten Laufzeit vom Netz genommen wird.

Parallel zu diesem Halbieren der Emissionen alle zehn Jahre muss laut Rockström und Co. ein ebenso ehrgeiziger Ausbau der erneuerbaren Energie umgesetzt werden – und zwar in einer immer steiler nach oben weisenden Kurve. Die Wissenschaftler schlagen vor, den Anteil von Sonne, Wind und Biomasse im Energiesektor alle fünf bis sieben Jahre zu verdoppeln. Zudem sollten Technologien zum Entziehen von CO2 aus der Atmosphäre voran getrieben werden, und es müsse entschlossen bei den Emissionen aus der Landwirtschaft und der Waldvernichtung umgesteuert werden.

Johan Rockström sagte: „Wir stehen bereits am Beginn dieses Weges.“ Zuletzt habe sich der Anteil der Erneuerbaren im Energiesektor alle fünf bis sechs Jahre verdoppelt, „Wenn diese Verdopplung im selben Tempo so weitergeht, dann sind die fossilen Brennstoffe deutlich vor 2050 raus aus dem System“, erläuterte er.

Ko-Autor Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sagte, es müssten konkrete Schritte hin zur vollständigen Dekarbonisierung bis 2050 aufgezeigt werden. „Unternehmen, welche diese Schritte vermeiden und weiter herumtrippeln, werden die nächste industrielle Revolution verpassen – und damit ihre beste Chance für eine gewinnbringende Zukunft.“ Malte Meinshausen von der Universität Melbourne ergänzte: „Diejenigen Regionen, die zukunftsfähige erneuerbare Energien und Investitionen in Speichertechnologien voranbringen, werden aus der Null-Emissions-Zukunft eine wirtschaftliche Chance für sich machen.“ Jahrelang habe man den Abbau der fossilen Verbrennungstechnologien nur als Last gesehen, nun aber werde endlich die andere Seite sichtbar: „niedrigere Kosten, mehr Jobs und sauberere Luft“.

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