1. Startseite
  2. Wissen

Parasitenmittel gegen Corona: Kann Ivermectin schwere Verläufe verhindern?

Erstellt:

Von: Pamela Dörhöfer

Kommentare

Vor allem in sozialen Medien geistern Erzählungen zur vermeintlichen Wunderwaffe Ivermectin gegen Covid-19 schon länger herum. Ein Effekt ist nicht klar erkennbar.
Vor allem in sozialen Medien geistern Erzählungen zur vermeintlichen Wunderwaffe Ivermectin gegen Covid-19 schon länger herum. Ein Effekt ist nicht klar erkennbar. © Rodrigo Urzagasti/dpa

Forschende aus Malaysia haben das Mittel gegen Parasiten an Corona-Infizierten mit Risiko für einen schweren Verlauf getestet. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Vor allem zu Beginn der Pandemie wurde das Antiparasitikum Ivermectin als mögliches Therapeutikum bei Corona gehandelt. In ärmeren Ländern Afrikas oder Südostasiens setzen Ärztinnen und Ärzte das Mittel bis heute in der Praxis ein, unter anderem auch, weil es wenig kostet und als orales Mittel einfach zu verabreichen ist. Hier gab es auch vereinzelt Berichte, dass Ivermectin helfen soll, schwere Verläufe von Covid-19 zu verhindern.

Studien lieferten bislang keine einheitlichen Ergebnisse, wiesen aber eher in die Richtung, dass Ivermectin bei Covid-19 nicht wirksam ist. Forschende aus Malaysia habe den Einsatz des Medikaments bei Covid-19 nun einer randomisierten Studie mit 490 infizierten Patientinnen und Patienten untersucht.

Alle litten unter leichten bis mittelschweren Symptomen, hatten aber aufgrund von Alter (der Durchschnitt lag bei 62,5 Jahren) und Vorerkrankungen das Risiko für einen schweren Verlauf. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Demnach konnte Ivermectin eine Verschlechterung nicht signifikant verhindern. Die Studie wurde im Fachjournal „Jama Internal Medicine“ veröffentlicht.

Parasitenmittel gegen Corona? Medikament häufig in Tiermedizin verwendet

Ivermectin ist ein Arzneistoff, der eingesetzt wird, um den Befall mit Parasiten oder Fadenwürmern zu behandeln. Er wird häufig in der Tiermedizin verwendet, ist aber auch in der Humanmedizin in armen Ländern unverzichtbar, insbesondere als Therapie von Flussblindheit. 2015 gab es für die Entwicklung von Ivermectin den Medizin-Nobelpreis.

Bei der Studie an 20 medizinischen Zentren in Malaysia erhielt ein Teil der Patientinnen und Patienten eine Standardtherapie zur Linderung der Symptome, die anderen bekamen zusätzlich Ivermectin. Unter den vollständig Geimpften (sie machten etwas mehr als die Hälfte aus) entwickelten in der Ivermectin-Gruppe 17,7 Prozent und in der Kontrollgruppe 9,2 Prozent einen schweren Verlauf. Insgesamt mussten in der Ivermectin-Gruppe 52 von 241 Erkrankten Sauerstoff erhalten, in der Kontrollgruppe waren es 43.

Corona: Ivermectin kann Fortschreiten der Erkrankung zu einem schweren Verlauf nicht verhindern

Etwas besser sah es mit Blick auf noch schwerere Verläufe aus. Sechs Patientinnen und Patienten aus der Ivermectin-Gruppe mussten auf die Intensivstation, in der Kontrollgruppe acht. Vier aus der Ivermectin-Gruppe benötigten zudem mechanische Beatmung, in der Kontrollgruppe waren es zehn.

Die Studienautorinnen und -autoren kommen auf Basis dieser Daten zu dem Schluss, dass Ivermectin als frühe Behandlung ein Fortschreiten der Erkrankung hin zu einem schweren Verlauf nicht verhindern kann. Deshalb sei der Einsatz des Mittels als Therapie bei Covid-19 nicht angezeigt. Immerhin aber haben die Kranken das Medikament im Allgemein gut vertragen. Als häufigste Nebenwirkung führt die Studie Durchfall auf, er trat bei 5,8 Prozent der Teilnehmenden in der Ivermectin-Gruppe auf (Kontrollgruppe 1,6 Prozent). (Pamela Dörhöfer)

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie kommt das Medikament Paxlovid dagegen bereits auf den deutschen Markt. Das Präparat könne bei Erwachsenen schwere Erkrankungen nach einer Corona-Infektion verhindern.

Auch interessant

Kommentare