Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Menschen in Brasilien stehen Schlange für eine Corona-Impfung – großteils mit dem Impfstoff CoronaVac.
+
Menschen in Brasilien stehen Schlange für eine Corona-Impfung – großteils mit dem Impfstoff CoronaVac.

Coronavirus

Corona-Pandemie: Ist Herdenimmunität doch möglich?

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
    schließen

Eine Studie in einer brasilianischer Kleinstadt mit dem chinesischen Impfstoff Coronavac zeigt immense Erfolge.

Serrana - Außerhalb Chinas ist der Corona-Impfstoff Coronavac nicht unumstritten. Das Vakzin des chinesischen Pharmakonzerns Sinovac wird unter anderem in Chile und Uruguay eingesetzt, wo die Infektionszahlen seit April trotz bereits hoher Impfquoten steigen.

Bei der Suche nach den Gründen dafür kam auch die Frage auf, ob diese Entwicklung mit einem möglicherweise zu schwachen Schutz durch das chinesische Vakzin zu tun haben könnte. In der klinischen Phase-3-Studie hatte Coronavac zu etwas mehr als 50 Prozent vor Infektionen ohne oder mit leichten Symptomen, zu 83,7 Prozent vor behandlungsbedürftigen Verläufen sowie zu 100 Prozent vor schweren Verläufen und Tod durch Covid-19 geschützt.

Corona-Pandemie: Aus Brasilien kommen positive Nachrichten zur Herdenimmunität

Aus Brasilien kommen nun positive Nachrichten zu Coronavac. Wie das Ärzteblatt berichtet, wurde in der Kleinstadt Serrana im Bundesstaat São Paulo nahezu die gesamte erwachsene Bevölkerung mit dem chinesischen Vakzin geimpft – mit anscheinend durchschlagendem Erfolg. So habe man eine schwere Covid-19-Epidemie „innerhalb kurzer Zeit“ stoppen können, heißt es. Das zeigten die Ergebnisse einer Studie des staatlichen Butantan Instituts in São Paulo. Dort habe man in den vergangenen Monaten zusammen mit der Medizinischen Universität Ribeirão Preto untersucht, ob die Epidemie durch die Massenimpfung einer gesamten Ortschaft beendet werden könne.

Die Kleinstadt Serrana wurde für die Studie in vier Zonen aufgeteilt, in denen zwischen Mitte Februar und Ende April nacheinander damit begonnen wurde, die Einwohnerinnen und Einwohner zu impfen – insgesamt 27.000 Menschen, was 96 Prozent der erwachsenen Bevölkerung entspricht. Kinder und Jugendliche sowie chronisch Kranke blieben davon ausgenommen.

Herdenimmunität möglich? Corona-impfaktion in Brasilien zeigt Erfolg

Das Ärzteblatt schreibt, dass es schon bald zu einem Rückgang der Erkrankungsfälle gekommen sei, obwohl die Stadt nicht von der Außenwelt abgeschottet war und viele Erwachsene zur Arbeit nach Ribeirão Petro pendeln. Laut den bislang noch nicht in einem Fachmagazin publizierten Studienergebnissen wurde durch die breite Impfaktion die Zahl der Erkrankungen an Covid-19 in der gesamten Stadt um 80 Prozent gesenkt, die Zahl der durch Covid bedingten Klinikaufenthalte reduzierte sich um 86 Prozent, die der Todesfälle um 95 Prozent.

Der deutliche Rückgang weist laut Studienleiter Ricardo Palacios vom Butantan-Institut darauf hin, dass in der Kleinstadt eine Herdenimmunität gelungen ist. Auch bei den nicht geimpften Kindern und Jugendlichen seien weniger Infektionen als zuvor aufgetreten. Um festzustellen, wie lange die Immunität anhält, soll die Studie noch über ein weiteres Jahr fortgesetzt werden.

Coronavac ist ein konventioneller Totimpfstoff

Bei dem eingesetzten Vakzin Coronavac handelt es sich um einen konventionellen Totimpfstoff auf Basis inaktivierter Viren. Solche Vakzine sind meist gut verträglich, haben aber den Nachteil, dass ihre Schutzwirkung oft schwächer und weniger langlebig ist als bei Lebendimpfstoffen mit nur abgeschwächten Erregern oder aktuell bei den neuen genbasierten Vakzinen.

Gleichwohl könnte es in puncto Wirksamkeit gegenüber letzteren einen Pluspunkt geben: mRNA- und Vektorimpfstoffe, aber auch konventionelle proteinbasierte Covid-Vakzine setzten auf das Spike-Protein als einziges Antigen. Ein Totimpfstoff mit einem inaktivierten Virus hingegen bietet dem Körper die gesamte Virusoberfläche und somit mehrere Angriffspunkte, gegen die das Immunsystem Abwehrstoffe bilden kann. Gleiches würde für traditionelle Lebendimpfstoffe gelten, solche sind aber zum Schutz vor Covid-19 nicht auf dem Markt.

Weil Impfstoffe mit abgeschwächten Viren also nicht nur mit einer Struktur des Virus arbeiten, ist die Chance hoch, dass solche sie auch vor Varianten schützen – zumal viele der bisherigen Mutationen am Spike-Protein stattfanden, auf das andere Impfstoffe als Antigen setzen.

Coronavac schützt offenbar auch vor Gamma-Variante

Laut Ärzteblatt scheint sich diese Annahme für Coronavac zu bestätigen: Erste Erfahrungen aus der brasilianischen Stadt Manaus zeigten, dass der Impfstoff offenbar auch vor einer Infektion mit der Variante Gamma – ehemals P.1 – schützt.

Coronavac ist in der Europäischen Union noch nicht zugelassen, ein Prüfverfahren der Europäischen Arzneimittelagentur läuft seit Anfang Mai. (Pamela Dörhöfer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare