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Eine verdorrte Sonnenblume im August 2020. dpa
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Eine verdorrte Sonnenblume im August 2020. dpa

Klimawandel

Ist das noch Wetter oder schon der Klimawandel?

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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Hitzwellen, Dürren, Überschwemmung: Extreme nehmen auch in gemäßigten Breiten zu. Die Ursachen dafür werden intensiv erforscht

Der Klimawandel – und die Gefahr, die er darstellt – ist für viele immer noch etwas Abstraktes und Fernes, mit dem man sich nicht unbedingt beschäftigen muss. Dabei ist längst deutlich zu spüren, dass das Klima sich sehr grundlegend ändert. Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und anderen Wetterextremen nehmen zu, auch hierzulande.

Auch das vergangene Jahr war in Deutschland erneut ein Jahr der Extreme, wie die Klimabilanz 2020 zeigt, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) kürzlich vorgestellt hat. Wie schon die beiden Jahren zuvor gehörte auch 2020 zu den acht extremsten Jahren seit Beginn der Messungen 1881. Wieder war es viel zu warm und viel zu niederschlagsarm.

„Eine solche Abfolge von Trockenjahren hat es selbst in den ausnahmslos zu warmen Sommern des 21. Jahrhunderts noch nicht gegeben“, sagt Thomas Deutschländer, Experte für Niederschlagsvorhersage beim DWD. „Die Veränderung des Klimas lässt sich aber nicht nur mit abstrakten statistischen Kenngrößen feststellen“, sagt Deutschländer. „Sie ist immer häufiger für uns alle direkt spürbar.“

So gab es im August 2020 sechs Prozent mehr Todesfälle als im Durchschnitt der vorangegangenen Jahre, die sich nicht auf Corona zurückführen lassen, sondern auf die Hitzewellen in dem Monat. Sehr konkret ist auch die erneut stark erhöhte Waldbrandgefahr. Die beiden höchsten Warnstufen vier und fünf galten in den östlichen Teilen Deutschlands an zehn bis 20 Tagen mehr als im Mittel der letzten Jahre, im Westen Deutschlands vielerorts sogar an 20 bis 30 Tagen mehr. Nur 2018 und 2019 waren diese Werte noch höher. Dazu kamen ungewöhnlich viele schwere Gewitter mit Hagel und zahlreiche Fälle von Dauerregen und Überflutungen. „Wir fürchten“, sagt DWD-Experte Deutschländer, „dass Sommer künftig regelmäßig so aussehen könnten wie in der jüngsten Vergangenheit.“ Das heißt: Starkregen würde sich dann mit längerer Trockenheit abwechseln. Das Wetter würde insgesamt extremer.

Ob und wie stark solche Extremereignisse mit dem Klimawandel zu tun haben, ließ sich lange Zeit nicht klar sagen. Mittlerweile hat sich das geändert. Die noch junge Wissenschaftsrichtung der Attributionsforschung kann analysieren, wie groß der Einfluss des Klimawandels bei Wetterextremen ist. Dafür untersucht sie zum einen, ob sich etwas geändert hat. Und zum anderen, ob der menschengemachte Klimawandel die Ursache der Veränderung ist.

Allerdings ist das sehr aufwendig und zeitintensiv. „Notwendig sind umfangreiche Datensätze und Analysen sowie Modellsimulationen zweier verschiedener Welten“, sagt der fürs Klima zuständige DWD-Vorstand Tobias Fuchs. Die eine Simulation beschreibt die Welt, in der wir aktuell leben, mitsamt allen Einflüssen des Menschen. Die andere Simulation beschreibt eine Welt ohne menschlichen Einfluss, etwa auf Treibhausgase. „Vergleicht man die Simulationen beider Welten, zeigt sich, ob der Klimawandel die Häufigkeit und Intensität des untersuchten Extremereignisses beeinflusst hat“, sagt Fuchs.

Auf diese Weise konnten Forschende des World-Weather-Attribution-Project zeigen, dass ein Ereignis wie die Dürre in Deutschland 2018 durch den Klimawandel mindestens doppelt so wahrscheinlich geworden ist, die Hitzewelle Ende Juli 2019 in ganz Europa sogar zehn- bis hundertmal so wahrscheinlich.

Bislang liegen solche Analysen aber oft erst Wochen nach dem Ereignis vor, wenn längst wieder andere Themen die Schlagzeilen und die öffentliche Aufmerksamkeit dominieren. Das will der Deutsche Wetterdienst ändern. Das Ziel: das für viele noch immer abstrakte Thema Klimawandel „greifbarer“ zu machen.

„Wir arbeiten intensiv daran, die Extremwetterattribution für das Gebiet von Deutschland in den Routinebetrieb zu überführen“, sagt Tobias Fuchs gegenüber der Frankfurter Rundschau. So soll es bald „selbstverständlich“ werden, dass die Frage nach dem Einfluss des Klimawandels bereits kurz nach einem Extremereignis beantwortet werden kann.

Das vom Bundesforschungsministerium unterstützte Projekt „Climextreme“ endet 2023. Dann, sagt Fuchs auf Nachfrage, soll der Routinebetrieb möglich sein. Ein ähnliches Projekt, ebenfalls mit Beteiligung des DWD, läuft auf EU-Ebene.

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