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Erste private Crew fliegt zur ISS: „Wir sind keine Weltraumtouristen“

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Von: Tanja Banner

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Vier private ISS-Besucher wollen keine Weltraumtouristen sein, sondern an der Zukunft der Raumfahrt arbeiten. Für die Nasa ist es ein Wendepunkt.

Kennedy Space Center – Gäste hatte die Internationale Raumstation (ISS) in den mehr als 21 Jahren, in denen die Raumstation bewohnt ist, schon einige. Die russischen Sojus-Raumkapseln brachten seit 2001 neun Weltraumtourist:innen an Bord der ISS – der erste war der US-Unternehmer Dennis Tito, der Milliardär Charles Simonyi besuchte die Raumstation innerhalb von zwei Jahren gleich zweimal und zuletzt war der japanische Milliardär Yusaku Maezawa mit seinem Assistenten zu Gast in dem Labor in der Erdumlaufbahn.

Nun wartet die Crew, die sich derzeit an Bord der Raumstation befindet – unter ihnen auch der deutsche Astronaut Matthias Maurer – auf gleich vier Gäste, die in den kommenden Tagen mit einer „Crew Dragon“-Kapsel des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX ankommen sollen. Acht Tage lang sollen die vier Besucher an Bord der ISS bleiben, bevor es zur Erde zurückgeht. Neben dem früheren Nasa-Astronauten Michael López-Alegría handelt es sich bei den privaten Astronauten um den US-Unternehmer Larry Connor, den israelischen Geschäftsmann Eytan Stibbe und den kanadischne Unternehmer Mark Pathy. Jeder der drei Geschäftsleute soll Berichten zufolge 55 Millionen US-Dollar für die Reise gezahlt haben.

Die erste komplett private Crew fliegt in einer „Crew Dragon“-Kapsel von SpaceX zur Internationalen Raumstation ISS. Von links nach rechts: Mark Pathy, Larry Connor, Michael López-Alegría und Eytan Stibbe.
Die erste komplett private Crew fliegt in einer „Crew Dragon“-Kapsel von SpaceX zur Internationalen Raumstation ISS. Von links nach rechts: Mark Pathy, Larry Connor, Michael López-Alegría und Eytan Stibbe. © SpaceX

Mission Ax-1: SpaceX bringt erste private Crew zur Internationalen Raumstation ISS

Das private Raumfahrtunternehmen Axiom Space organisiert den Flug der vier Männer zur Raumstation. López-Alegría arbeitet nach seiner Nasa-Karriere bei dem Unternehmen und wird als Kommandant an der Mission zur ISS teilnehmen. Er betont: „Wir sind keine Weltraumtouristen“ und meint das vor allem im Hinblick auf die Aufgaben, die die vierköpfige Crew an Bord der Raumstation haben wird. Mindestens 25 Experimente sollen die ISS-Besucher durchführen – dabei geht es um den gesundheitlichen Aspekt von Weltraumaufenthalten, das Design von Weltraum-Habitaten und mehr, heißt es bei Axiom. „Das ist definitiv kein Urlaub für sie“, betont López-Alegría und meint damit seine Besatzung.

Erste private ISS-Crew ist für die Nasa ein Wendpunkt

Die Ankunft der ersten rein privaten Crew an Bord der Internationalen Raumstation ist für die US-Raumfahrtorganisation Nasa ein Wendepunkt. Im Rahmen des Space-Shuttle-Programms startet die Nasa in den 1980er Jahren das Space Flight Participant Program, das es Zivilpersonen erlauben sollte, ins Weltall zu fliegen, ohne eine Rolle als Wissenschaftlerin oder Regierungsmitarbeiter:in zu haben. Doch es ging auf dramatische Weise schief: Im Januar 1986 explodierte das Space Shuttle „Challenger“ kurz nach der Landung, die sieben Astronaut:innen an Bord starben – unter ihnen die erste Teilnehmerin des Nasa-Programms, die Lehrerin Christa McAuliffe.

Jahre später unternahm die Nasa einen zweiten Anlauf, der jedoch gestoppt wurde, als im Februar 2003 das Space Shuttle Columbia beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerbrach und weitere sieben Astronaut:innen starben. Anschließend lag der Fokus der Nasa darauf, die ISS fertig aufzubauen, bevor das Space-Shuttle-Programm im Juli 2011 beendet wurde. Seit dieser Zeit waren die USA von russischen Sojus-Kapseln abhängig, um Astronaut:innen zur ISS zu befördern.

Nasa ist unabhängig von Russland – und setzten auf Kommerzialisierung der Raumfahrt

Seit November 2020 sind die USA jedoch wieder unabhängig: Damals brachte erstmals eine „Crew Dragon“-Kapsel von SpaceX vier Astronaut:innen für eine Langzeitmission zur ISS. Seitdem fliegt die SpaceX-Kapsel regelmäßig Raumfahrende von Nasa, der europäischen Raumfahrtorganisation Esa, sowie der japanischen Jaxa und der kanadischen CSA zur Raumstation. Zivilpersonen sind mit SpaceX bisher zwar schon mehrere Tage lang um die Erde gekreist, zur ISS sind sie bisher noch nicht geflogen. Das ändert sich mit der Mission Ax-1, wie der Flug der ersten privaten Crew zur ISS heißt.

Die private ISS-Mission ist auch in anderer Hinsicht ein Wendepunkt für die Nasa, die die Raumfahrt längst nicht mehr nur mit Regierungsgeldern finanzieren will. Geplant ist, dass die Internationale Raumstation immer mehr auch kommerziell genutzt werden soll – die nächste private Axiom-Mission ist bereits für später im Jahr angedacht – bis sie in Zukunft von einer kommerziellen Raumstation abgelöst wird, auf der die Nasa sich dann nur noch einkaufen möchte.

Axiom Space arbeitet bereits an einer privaten Raumstation

Axiom Space arbeitet an einer solchen Raumstation, genannt „Axiom Station“. Das erste Modul soll Firmenangaben zufolge Ende 2024 in die Erdumlaufbahn starten und soll zuerst an der ISS andocken. Wird die ISS später – derzeit ist vonseiten der Nasa das Jahr 2030 im Gespräch, doch Russland droht damit, früher auszusteigen – zum Absturz gebracht, sollen die Axiom-Module vorher abgedockt werden und als eigenständige Raumstation im Orbit bleiben.

Die Axiom-Astronauten, die die ISS im April 2022 besuchen, sollen auch im Hinblick auf die künftige private Raumstation Forschung betreiben. Unter anderem soll es dabei um Selbstmontagemethoden für den Bau im Weltraum gehen, wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt. Damit könnten in Zukunft Satelliten oder Weltraum-Habitate direkt im Orbit zusammengebaut werden, heißt es weiter.

Mit dieser SpaceX-Kapsel wird die Ax-1-Crew zur ISS aufbrechen.
Mit dieser SpaceX-Kapsel wird die Ax-1-Crew zur ISS aufbrechen. © IMAGO/UPI Photo

ISS-Mission Ax-1: Astronauten sollen auch biologische Experimente durchführen

Die vier privaten Raumfahrer werden sich aber auch mit biologischen Experimenten beschäftigen. Unter anderem steht ein Forschungsprojekt zu Krebstumoren sowie der Test eines Luftreinigungsgeräts auf dem Programm. Weitere Experimente betreffen die vier privaten Astronauten ganz persönlich: Das Translational Research Institute for Space Healtz (TRISH) wird vor dem Start und nach der Landung biomedizinische Untersuchungen an allen Crewmitgliedern durchführen. Es geht dabei darum, das Verständnis darüber zu erweitern, wie sich Aufenthalte in der Schwerelosigkeit des Weltalls auf den menschlichen Körper auswirken.

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Auch wenn die vier privaten Astronauten zahlreiche wissenschaftliche Projekte an Bord der Raumstation durchführen, ist doch alles etwas anders. Beispielsweise ist die Nasa nicht für den Start zuständig und übergibt die Kontrolle an Axiom Space. Erst wenn die Mission Ax-1 die ISS erreicht, wird die US-Raumfahrtorganisation die Verantwortung für die Sicherheit von Crew und Ausrüstung übernehmen. „Axiom Space ist größtenteils für die Passagiere, die Besatzungsmitglieder, ihre Sicherheit während des Aufstiegs und des Starts sowie für die Rückkehr verantwortlich“, erklärt der Nasa-Mitarbeiter Philip McAllister gegenüber dem Portal Inverse. Der frühere Nasa-Astronaut und Kommandant der Mission Ax-1 formuliert es so: „Wir sind uns sehr bewusst, dass wir Gäste an Bord der ISS sein werden.“ (tab)

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