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Internationale Raumstation ISS: Ersatz-Sojus soll gestrandete Astronauten retten

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Von: Tanja Banner

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Mit einem Roboterarm untersucht die ISS-Crew die beschädigte Sojus-Raumkapsel.
Mit einem Roboterarm untersucht die ISS-Crew die beschädigte Sojus-Raumkapsel. © dpa/NASA TV

Die beschädigte Sojus-Raumkapsel an der Internationalen Raumstation macht Fachleuten Sorgen, doch nun hat Roskosmos einen Plan.

Update von Mittwoch, 11. Januar, 15.29 Uhr: Nasa und Roskosmos haben gemeinsam die Entscheidung getroffen, wie es nach dem Leck in der Sojus-Raumkapsel weitergeht, erklärt Joel Montalbano, Programmmanager der Internationalen Raumstation ISS für die US-Raumfahrtorganisation Nasa in einer Pressekonferenz. Er erklärt, dass es einige Wochen dauern wird, bis die neuen Flugpläne ausgearbeitet sind. Durch den vorgezogenen Flug der nächsten Sojus-Kapsel sind die Pläne für künftige Flüge durcheinandergeraten und müssen nun geordnet werden.

„Alles deutet auf einen Mikrometeoriten hin“, sagt Montalbano. Es sei jedoch keiner der Meteorschauer, die zur fraglichen Zeit stattfanden, gewesen, da das Steinchen, das die Sojus getroffen hatte, aus einer anderen Richtung kam. „Nichts war unnormal bei der Produktion dieses Raumschiffs“, betont Montalbano. Mithilfe des kanadischen Roboterarms habe man Bilder vom Leck erhalten, erklärt Sergei Krikalev von der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos. So konnte man herausfinden, was passiert war.

Sojus-Kapsel an der ISS ist beschädigt: Roskosmos schickt neue Sojus

Man habe beschlossen, dass es der optimale Weg sei, eine Sojus ohne Crew zur ISS zu schicken. Der ISS-Aufenthalt der gestrandeten Astronauten werde nun um „mehrere Monate“ verlängert. Details sollen noch ausgearbeitet werden.

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Sollte es vor der Ankunft der neuen Sojus-Kapsel zu einem Notfall kommen, werde man versuchen, dass die Astronauten so lange wie möglich an Bord der ISS bleiben können. Hintergrund ist, dass die Astronauten ohne die defekte Sojus kein „Rettungsboot“ haben. Sollten die Astronauten die Raumstation in höchster Lebensgefahr doch verlassen müssen, werde die beschädigte Sojus benutzt, erklärt Krikalev. Gemeinsam mit der Nasa und SpaceX arbeite man an einer Lösung, um in diesem Fall mehr Personen im SpaceX-Raumschiff unterzubringen.

Beschädigte Sojus-Kapsel: So sollen die gestrandeten Astronauten gerettet werden

Erstmeldung vom Mittwoch, 11. Januar, 10.15 Uhr: Moskau – Wie geht es mit der beschädigten Sojus-Raumkapsel weiter, die sich nach einem Leck und Verlust von Kühlflüssigkeit Mitte Dezember 2022 immer noch an der Internationalen Raumstation ISS befindet? Die russische Raumfahrtorganisation Roskosmos hat dazu nun eine Entscheidung getroffen.

Wie Roskosmos auf Telegram mitteilt, soll die beschädigte Sojus-Kapsel ohne Besatzung zur Erde zurückkehren. Die drei Astronauten – die Russen Sergey Prokopyev und Dmitry Petelin sowie der Amerikaner Frank Rubio – die in der Kapsel ursprünglich zur ISS geflogen sind, sind bereits seit dem Vorfal im Dezember ohne funktionierendes „Rettungsboot“. Doch auch dafür ist eine Lösung in Sicht: Roskosmos zieht den nächsten Start einer Sojus-Kapsel vom 16. März auf den 20. Februar vor.

Beschädigte Sojus-Raumkapsel an der ISS: Roskosmos verkündet Rettungsmission

Die neue Sojus-Kapsel soll ohne Crew zur Raumstation ISS fliegen, was die drei gestrandeten Astronauten mit einem neuen „Rettungsboot“ versorgt. Zuvor war geplant, dass die neue Sojus-Kapsel am 16. März mit zwei Russen und einem Nasa-Astronauten zur ISS aufbricht. Da die drei Astronauten nun vorübergehend auf der Erde bleiben müssen, wird der ISS-Aufenthalt der drei gestrandeten Astronauten verlängert. Sie sollen später im Jahr mit der neuen Sojus-Kapsel zur Erde zurückfliegen, heißt es von Roskosmos.

Das Leck an der Sojus-Raumkapsel war in der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember 2022 aufgetreten. Nur Minuten vor dem Start eines russischen Außenbordeinsatzes sprühte plötzlich eine Flüssigkeit aus der Kapsel, was im Livestream gut zu sehen war. Der Weltraumspaziergang wurde abgesagt, anschließend wurde die Sojus mithilfe von Roboterarmen genauer untersucht.

Ist die beschädige Sojus-Kapsel noch flugtauglich?

Lange Zeit war nicht klar, ob die Sojus noch flugtauglich ist – die Sorge von Fachleuten galt vor allem dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Da die Kapsel Kühlflüssigkeit verloren hat, war nicht klar, ob die Kapsel beim heißen Wiedereintritt genug gekühlt werden kann. Wohl aus diesem Grund hat man sich letztendlich dafür entschieden, die Sojus ohne Astronauten zur Erde zurückzuholen.

Doch bei der defekten Sojus geht es nicht nur um die Rückkehr zur Erde: Im Gefahrenfall – beispielsweise, wenn Weltraumschrott der ISS zu nahe kommt – werden die angedockten Raumkapseln üblicherweise auch als „Rettungsboote“ für die Crew genutzt: Die Astronautinnen und Astronauten ziehen sich dann in die Kapseln zurück, mit denen sie gekommen sind und sind jederzeit bereit, von der ISS abzudocken.

Nasa hatte SpaceX um Hilfe im Notfall gebeten

Zwischenzeitlich hatte die US-Raumfahrtorganisation Nasa auch beim privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX angefragt, ob es in der Lage wäre, die Astronauten im Notfall zu retten. SpaceX befördert mit seinen „Crew Dragon“-Raumschiffen ebenfalls Raumfahrende zur ISS und ist derzeit mit einem Raumschiff vor Ort. Darin ist jedoch nur Platz für die vierköpfige Crew, die damit zur Raumstation gebracht wurde. Ein weiterer Haken: Für die „Crew Dragon“ benötigt jedes Crew-Mitglied einen maßgefertigten Raumanzug.

Vor der offiziellen Roskosmos-Entscheidung machten Gerüchte die Runde, wonach die neue Sojus-Kapsel mit einem Astronauten an Bord zur ISS fliegen könnte, die nächste SpaceX-Kapsel könnte gleichzeitig mit einem leeren Sitzplatz und einem zusätzlichen Raumanzug zur Raumstation starten. So wären ebenfalls genug Rückkehrmöglichkeiten für die gestrandeten Astronauten entstanden. (tab)

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