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Die neue Plattform Bartolomeo soll außen an das Forschungslabor Columbus der ISS montiert werden. 

ISS

Ein Balkon für die Raumstation

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Die Internationale Raumstation ISS wird um eine Außenplattform erweitert. Auf diesem Balkon sollen private Firmen forschen können.

  • Die Internationale Raumstation ISS wächst
  • Eine Raumkapsel bringt die Außenplattform Bartolomeo zur ISS
  • Wie eine Art Balkon soll Bartolomeo am Columbus-Modul der Raumstation montiert werden

Seitdem vor 22 Jahren mit dem Bau der Internationalen Raumstation ISS begonnen wurde, ist der Außenposten der Menschheit stetig gewachsen – und mit ihm auch die Zahl der wissenschaftlichen Plattformen. Doch die Nachfrage nach Experimenten in 400 Kilometern Höhe über der Erde ist riesig. Deshalb wird es für Wissenschaftler immer schwieriger, Projekte, die sie unter Weltraumbedingungen testen wollen, auf der ISS unterzubringen. Für Forscher aus Europa stand dafür bisher das Weltraumlabor Columbus der europäischen Weltraumorganisation Esa zur Verfügung.

Diese Situation soll sich nun wesentlich verbessern, denn die Raumstation wächst: Am Samstag um 7.50 Uhr mitteleuropäischer Zeit ist vom Kennedy Space Center in Florida (Ortszeit Freitag 23.50 Uhr) eine Space-X-20-Rakete mit einer Dragon-Raumkapsel zur ISS gestartet. An Bord eine so kostbare wie aufwendige Fracht: die Außenplattform Bartolomeo, benannt nach dem jüngeren Bruder von Christoph Columbus, dem Namensgeber des Wissenschaftslabors auf der ISS. Wie eine Art Balkon soll Bartolomeo als Erweiterung des Columbus-Moduls an die Raumstation montiert werden und fortan für die Experimente von Forschungseinrichtungen und Firmen zur Verfügung stehen. Ihnen biete sich mit der Außenplattform „die einmalige Chance, ihr Projekt einfach und schnell im Weltraum zu entwickeln“, sagt Walther Pelzer vom Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Mit Bartolomeo werden die Forschungskapazitäten auf der Internationalen Raumstation um zwölf Experimentplätze erweitert.

Internationale Raumstation: Außenplattform Bartolomeo erweitert ISS-Wissenschaftslabor Columbus

Die zwei Mal zweieinhalb Meter große und 484 Kilogramm schwere Plattform wurde von Airbus in Bremen gebaut und soll vom Boden aus am DLR-Standort Oberpfaffenhofen kontrolliert werden. An der Außenseite der ISS wird Bartolomeo von einem kanadischen Roboterarm an die vorgesehene Stelle gebracht und dort mit zwei Klammern fixiert. Anschließend sollen zwei Astronauten in einem Außenbordeinsatz die elektrische Installation übernehmen.

Da man von der neuen Forschungsplattform aus eine ungehinderte Sicht auf die Erde und ins All hat, ist Bartolomeo besonders für solche Experimente geeignet, die vom Standort direkt draußen im Weltraum profitieren können. Dazu zählen unter anderem Projekte aus den Bereichen Erdbeobachtung, Weltraumwetterforschung, Telekommunikation, Klima- und Atmosphärenforschung, aber auch Exobiologie. So ist das Außenlabor auch ideal, um biologische Proben kosmischer Strahlung auszusetzen und zu sehen, wie sie reagieren.

Internationale Raumstation ISS: Einzigartige Möglichkeiten zur Forschung

Auch Technologien ließen sich auf der Außenplattform gut testen, sagt Julianna Schmitz vom Raumfahrtmanagement des DLR, die dort für die Kommerzialisierung der ISS zuständig ist: „Hier existieren einzigartige Möglichkeiten, die in keinem Labor der Erde erreicht werden, weil optische Sensoren, Materialien, Robotikkomponenten und Antennen in direkter Weltraumumgebung getestet werden können“.

Außer der Möglichkeit, Experimente und Technologien direkt im Weltraum zu erproben, hat die neue Außenplattform der ISS noch einen weiteren Vorteil: Forschungsprojekte sind dort kostengünstiger zu realisieren als wenn sie in Form von Satelliten in den Orbit geschickt werden. Anders als bei diesen ist kein eigener Raketenstart nötig, die Projekte können mit routinemäßigen Versorgungsflügen zur ISS gebracht werden. Das mache Bartolomeo besonders für kleine und mittlere Unternehmen attraktiv und könne ihnen neue Geschäftsfelder eröffnen, „zum Beispiel im Bereich Telekommunikation“, sagt Julianna Schmitz.

Internationale Raumstation ISS: Nutzung von Bartolomeo kostet bis zu 3,5 Millionen Euro pro Jahr

Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt beträgt die Jahresmiete inklusive Flug zur ISS und der Installation des Experiments mit einem Roboterarm zwischen 300 000 und 3,5 Millionen Euro.

Die europäische Weltraumorganisation Esa und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sehen die neue Außenplattform als einen ersten Schritt in Richtung einer kommerzialisierten Nutzung der Internationalen Raumstation, die künftig einer breiteren Klientel als bisher Forschungsmöglichkeiten im Weltraum eröffnen soll. Langfristig versprechen sich die internationalen Weltraumagenturen von der Öffnung für Unternehmen auch einen kostengünstigeren Betrieb der Raumstation.

Die ISS

Baubeginnfür die Internationale Raumstation ISS war 1998. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der Weltraumorganisationen der USA, Europas, Russlands, Kanadas und Japan.

Deutschlandist über die europäische Weltraumorganisation Esa mit etwa 37 Prozent am Betrieb und mit rund 45 Prozent an der Wissenschaft auf der ISS beteiligt.

Das WeltraumlaborColumbus der Esa wurde vor zwölf Jahren eingerichtet und ist das Herzstück der europäischen Forschung auf der ISS.

Wie langedie ISS noch die Erde umkreisen wird, steht nicht genau fest. 2014 wurde beschlossen, sie bis mindestens 2024 zu betreiben. Es gibt aber auch Überlegungen, das Projekt bis 2030 zu verlängern.

Unterwegsist die ISS mit 28 800 Kilometern pro Stunde und braucht damit 90 Minuten, um die Erde einmal zu umrunden.

Die Positionder ISS findet man auf http://www.esa.int/Space_in_Member_States/Germany/Wo_ist_die_Inter nationale_Raumstation.

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