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Für einen insektenfreundlichen Balkon mit Sonne emfpiehlt die Expertin Küchenkräuter und Wiesensalbei.

Interview

Insektenfreundlicher Garten - so geht‘s

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Expertin Marja Rottleb spricht im Interview über bienenfreundliches Gärtnern und Pflanzen.

Marja Rottleb ist Gartenexpertin beim Naturschutzbund Deutschland. 

Frau Rottleb, was haben Sie gegen Geranien?
Optisch sind sie ja ganz gut. Aber aus Sicht der Insekten sind sie nicht so reizvoll.

Was ist das Problem?
Pflanzen, die züchterisch bearbeitet sind, haben unter Umständen keine Pollen und keinen Nektar mehr und somit auch keinen Nutzen mehr für Insekten. Aber sie ziehen Insekten an, weil sie ja ihre Schauapparate, die Blüten, noch haben, und die Insekten kommen umsonst. Die sind dann enttäuscht und müssen sich neue Nahrung suchen, haben aber viel Energie verschwendet.

Welche Pflanzen betrifft das noch?
Gefüllte Rosen oder Schneeball-Hortensien – die sehen toll aus, aber für Insekten sind sie nicht so nützlich, weil sie auch nicht aus unserer Region hier kommen und außerdem „steril“ sind. Das kann man eigentlich für alle Pflanzen sagen, die züchterisch bearbeitet sind oder von so weit herkommen, dass sie quasi nicht mehr auf unsere Insekten passen wie der Stecker auf die Steckdose. Es gibt auch Pflanzen aus anderen Ländern, die gut für Insekten sind, wir empfehlen allerdings die heimischen, weil sie neben Pollen und Nektar auch für Raupen Nahrung bieten.

Küchenkräuter für den Balkon

Was sind gute Beispiele für den Balkon?
Für den Sonnenbalkon eignen sich zum Beispiel Küchenkräuter, die man blühen lässt. Oder Wiesensalbei pflanzen, eine heimische Pflanze, sieht gut aus und wird relativ hoch. Wenn man viel Platz hat, geht auch eine kleine Weide – die Weidenkätzchen finden die Insekten im Frühjahr ganz toll. Im Schatten kann man Beinwell, Lungenkraut und Vergissmeinnicht pflanzen.

Marja Rottleb

Und im Garten?
Das Wichtigste ist, dass man keine Pestizide einsetzt, damit zerstört man sich alles. Außerdem eine große Vielfalt an natürlichen Lebensräumen und -pflanzen. Dazu eine wilde Ecke, wo auch mal Brennnesseln wachsen dürfen. Oder die Wildstauden, von denen es unendlich viele gibt, sodass man sich ein vielfältiges Blütenangebot über das ganze Jahr schafft. Efeu, ein Gehölz, ist zum Beispiel noch im Herbst eine sehr wichtige Nahrungsquelle.

Und auch mal einen Totholzhaufen im Garten haben, also die Äste eines Baums, den man mal beschnitten hat, einfach am Rand liegen lassen, weil da ganz viele Insekten drin leben.

Bekomme ich die Pflanzen alle im Baumarkt?
Mittlerweile ist das Angebot besser durch diese Insektenverrücktheit, die die Leute haben. Man muss nur schauen, dass sie züchterisch nicht zu stark verändert sind. Wenn man aber Pflanzen sucht, die heimisch oder gar gebietsheimisch sind, was wir empfehlen, dann muss man etwas suchen, da gibt es nur einige Händler. Auf der Seite nabu.de/Saatgut findet man Adressen, wo man die Pflanzen herbekommt.

Kiesgärten sind ein Problem

Sehr in Mode sind gerade die Kiesgärten.
Das ist dieses Jahr extrem auffällig. Und die sind tatsächlich ein Problem. Da wollen also alle die Bienen schützen und die Insektenvielfalt fördern – und dann machen die Leute das.

Das Problem ist, dass da nichts wächst?
Ja, da gibt es nichts für Insekten. Und dann kommt noch dazu, dass der Boden versiegelt wird, das heißt, das Wasser kann nicht mehr ablaufen, Grundwasser wird nicht mehr neu gebildet. Das Bodenleben wird damit zerstört, das ist schwer wieder herzustellen. Dann ist ein Problem, dass die Sonne die Steine aufheizt, und diese Gärten verstärken den Effekt der Erwärmung noch mal. Wir wollen grüne Städte, wo das Grundwasser versickern kann, damit das Wasser die Bäume auch gut versorgt, und diese Gärten verhindern alles.

Macht da ein Garten so viel aus?
Wenn das einer macht, ist es kein Problem. Aber wenn es alle in einer Siedlung machen, und dahin geht der Trend gerade, wird es zum großen Problem. Einer muss den Anfang machen und den Garten naturnah gestalten, dann ziehen die anderen bestimmt nach.

Interview: Thorsten Fuchs

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