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Neue Studie geplant

Virologe Hendrik Streeck will Dunkelziffer bei Corona-Infektionen ermitteln

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Die Virologie der Uni Bonn unter Institutsleiter Hendrik Streeck startet als Ergänzung der Heinsberg-Studie eine Untersuchung zur Corona-Situation in Rheinbach.

Bonn/Rheinbach – Mehr als ein Jahr nach dem Start der Heinsberg-Studie hat ein Forschungsteam des Instituts für Virologie der Universität Bonn eine weitere Corona-Feldstudie begonnen, in der Stadt Rheinbach. Ähnlich wie in der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg sollen auch in der knapp 30.000 Menschen zählenden Stadt südwestlich von Bonn die Mitglieder von repräsentativ ausgewählten Haushalten auf das Coronavirus getestet werden.

Das wissenschaftliche Team von der Uni Bonn hat dafür 500 Haushalte in Rheinbach angeschrieben. Bei den an der Studie Teilnehmenden sollen über neun Monate lang regelmäßig Blut- und Speichelproben sowie Rachenabstriche genommen werden; zu diesem Zweck werden auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte eingebunden.

Studien- und Institutsleiter Hendrik Streeck versteht diese neue Untersuchung als „einen Seitenarm“ der Heinsberg-Studie, die gleichzeitig weiterläuft. „In Gangelt ging es vor allem darum zu verstehen, wie sich das Infektionsgeschehen nach einem Superspreading-Event verhält“, erklärt der Virologe. Die Gemeinde war Deutschlands erster Corona-Hotspot; dort hatten sich während und nach einer Karnevalssitzung die Leute reihenweise angesteckt. In Rheinbach soll nun untersucht werden, wie das Infektionsgeschehen „in einem demografisch und sozioökonomisch vergleichbaren Ort in der Nähe“ abgelaufen ist und wie es sich in Zukunft auch vor dem Hintergrund der fortschreitenden Impfung der Bevölkerung entwickelt.

Gut ein Jahr nach der Heinsberg-Studie in Gangelt (Foto), startet ein Team um Hendrik Streeck neue Forschungen in Rheinbach bei Bonn.

Neue Studie zu Corona: Team um Virologe Hendrik Streeck will Dunkelziffer ermitteln

Unter anderem soll die Studie helfen zu klären, wie viele Infektionen unentdeckt bleiben, wie hoch also die Dunkelziffer ist. Zudem werden bei allen, die sich angesteckt haben, die Symptome dokumentiert – so will man besser einschätzen können, wie groß jeweils der Prozentsatz der asymptomatisch Infizierten, der mild, mittelschwer und schwer verlaufenden Covid-Erkrankungen in der Bevölkerung ist.

„Ich vermute, dass sich das Infektionsgeschehen in Rheinbach im Laufe des Jahres an die Höhe von Gangelt angeglichen hat, auch ohne Superspreading-Event“, sagt Streeck. Er geht zudem davon aus, dass die Impfung nun für ein deutliches Abflachen des Infektionsgeschehens sorgt. Wobei der Virologe noch einen anderen großen Einflussfaktor sieht: „Ich bin mir sicher, dass sich Sars-CoV-2 saisonal verhält, so wie die anderen bei uns kursierenden Corona-Viren auch. Dort sehen wir starke jahreszeitliche Schwankungen. Auch bei Sars-CoV-2 werden wir im Sommer vermutlich niedrige Werte haben.“

Streeck prognostiziert möglichen Anstieg der Corona-Zahlen im Herbst: Welchen Einfluss hat das Klima?

Streeck rechnet für die Sommermonate mit einer Inzidenz von unter 20. Allerdings prognostiziert er auch, dass sich das Virus im Herbst und Winter so wie andere Erreger von Atemwegsinfekten „zurückmeldet“: „Wir werden mit großer Wahrscheinlichkeit wieder einen Anstieg der Infektionszahlen erleben.“ Das habe viele Gründe: Es ist ein Zusammenspiel von vielen Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, UV-Strahlung und damit, „dass wir uns bei Kälte mehr in Innenräumen aufhalten“. Noch kann der Einfluss des Klimas auf solche Erreger nicht vollständig erklärt werden. Für eine Saisonalität des Corona-Virus spricht auch, dass in einigen Ländern auf der Südhalbkugel mit ihren entgegengesetzten Jahreszeiten die Infektionszahlen in den vergangenen Monaten wieder anstiegen – trotz zum Teil bereits hoher Impfquoten.

„Wir müssen davon ausgehen, dass wir es mit einem endemischen Virus zu tun haben und anfangen, pragmatisch damit umzugehen“, sagt Streeck. Vor dem Hintergrund, dass Sars-CoV-2 vermutlich nicht mehr vollends verschwinden wird, müsse man damit beginnen, „andersherum zu denken“ – heißt: „Das normale Leben muss stattfinden und dort, wo ein erhöhtes Infektionsgeschehen stattfindet, muss man gezielt vorgehen. Wir haben mit der Impfung ein starkes Mittel gegen das Virus. Trotz allem wird es hin und wieder auch bei Geimpften zu Infektionen im Rachen kommen. Wir müssen uns daher die Frage stellen: Wie viele Infektionen ohne oder mit nur milden Symptomen sind vertretbar? Das wird schwierig zu beantworten sein.“ Der Virologe bedauert, dass nach mehr als einem Jahr „immer noch Instrumente fehlen“, um das Pandemiegeschehen richtig zu messen. „Leider haben wir bisher zu wenig gelernt über das Virus.“

Hauptstraße in Rheinbach.

Schwerpunkt der neuen Corona-Studie der Uni Bonn: Wie lange behalten Genesene ihre Antikörper?

Bei der Heinsberg- und der ihr angegliederten Rheinbach-Studie wird weiter untersucht, wie langlebig die Immunantworten nach einer überstandenen Infektion sind, wie lange man also vor einer neuerlichen Ansteckung oder zumindest Erkrankung geschützt ist. Die bisherig vorliegenden Auswertungen aus Heinsberg bestätigen die Ergebnisse anderer Studien, etwa aus Wuhan oder Ischgl. „Die Bandbreite der Immunantworten ist sehr groß“, berichtet Streeck. „Einige Menschen haben auch nach über einem Jahr noch hohe Antikörpertiter (eine Maßeinheit, d. Red.), bei anderen erkennen wir zu diesem Zeitpunkt schon eine deutliche Abnahme. Im Schnitt könnte man sagen, dass man eine Reduktion von etwa zehn Prozent über den Zeitraum von sechs Monaten sieht.“ Grundsätzlich zeichne sich auch in der Heinsberg-Studie eine Korrelation zwischen der Schwere des Krankheitsverlaufs von Covid-19 und der Qualität und Dauer der Immunantwort ab.

Um einen besseren Überblick zu bekommen, wie häufig die Erkrankung tödlich verläuft, will das wissenschaftliche Team aus Bonn zusätzlich noch alle Totenscheine aus Gangelt unter die Lupe nehmen, um zu überprüfen, ob dort möglicherweise Corona-Tote übersehen wurden. Nach der bisherigen Auswertung der Heinsberg-Studie lag die sogenannte Infection fatality rate im Mittel bei 0,36 Prozent. Streeck macht aber darauf aufmerksam, dass es sich hierbei immer um eine „Schätzbreite“ handele, die man auf verschiedene Weisen berechnen könne. Die breiteste ermittelte Spanne liege bei 0,17 bis 0,77. „Eine Punktlandung kann man nicht angeben.“ (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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