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Wer weniger als zwölf Tage stationär untergebracht war, hatte langfristig bessere Überlebenschancen.

Medizin

Infektion mit Ebola kann nachwirken

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Studie zu den Langzeitfolgen: Genesene Patienten haben höheres Sterberisiko.

Auch wer Ebola überstanden hat, kann immer noch an den Folgen der Erkrankung sterben. Ein internationales Forscherteam um Mory Keita von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in einer Beobachtungsstudie untersucht, welche negativen langfristigen Effekte eine Infektion für die Patienten hat. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „The Lancet Infectious Diseases“.

Für ihre Studie hatten sie den bisher schwersten Ebola-Ausbruch von 2013 bis 2016 im westafrikanischen Guinea untersucht. Dafür vollzogen die Forscher nach, wie sich die Gesundheit von Überlebenden nach ihrer Genesung entwickelt hatte. Insgesamt ging es dabei um 1130 ehemals an Ebola Erkrankte. Das Ergebnis: Bis zu einem Jahr nach der Entlassung aus einem Behandlungszentrum hatten diese Menschen ein fünffach höheres Risiko zu sterben als der Durchschnitt der Bevölkerung in ihrer Heimat. Insgesamt waren 59 der für die Studie betrachteten ehemaligen Ebola-Patienten gestorben.

Vermutetes Nierenversagen

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Sterblichkeit größer war, wenn jemand länger in einem Behandlungszentrum blieb. Wer weniger als zwölf Tage stationär untergebracht war, hatte langfristig bessere Überlebenschancen. Das könnte damit zu tun haben, dass Patienten, die länger bleiben mussten, schwerer akut erkrankt waren, vermuten die Forscher. Über Befragungen der Angehörigen versuchten sie dann auf die Todesursache zu schließen. Ihr Verdacht war es, dass Nierenversagen eine Folge einer Ebola-Infektion sein könnte.

Grundsätzlich könnten Langzeitfolgen verschiedene Organe betreffen, sagt Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die nicht an der Studie beteiligt war. Bisher seien Muskel- und Gelenkschmerzen, Augenerkrankungen und neurologische Symptome beschrieben worden. Auch sei das Ebola-Virus „über Wochen im Urin nachweisbar – oft länger als im Blut“: „Daher sind eine Nierenbeteiligung beziehungsweise -schädigung und eventuell daraus resultierendes Nierenversagen eine plausible Hypothese.“

Bei der Studie ließ sich dieser Zusammenhang nicht nachweisen, weil es keine Informationen aus Obduktionen oder Laboruntersuchungen gab. Deshalb müssten die Nierenfunktion und ein mögliches Nierenversagen nach einer Ebola-Behandlung systematisch untersucht werden, fordern die Autoren.

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