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Pandemie

Indische Corona-Variante – weniger Schutz nach Infektion und Impfung

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Eine Corona-Studie aus Deutschland stellt fest, dass ein therapeutischer Antikörper gar nicht mehr wirkt. Die Mutante ist vermutlich infektiöser als das Wildvirus.

Frankfurt – In mehr als 40 Ländern soll die indische Virusvariante B.1.617 laut Weltgesundheitsorganisation WHO mittlerweile angekommen sein. In Indien erreichten die Zahlen mit bis zu 400.000 Neuinfektionen und 4000 Toten täglich im April und Anfang Mai bestürzende Spitzenwerte. Es waren die weltweit höchsten je in einem Land ermittelten Fallzahlen. Auch in Deutschland ist die Corona-Mutante B.1.617 inzwischen aufgetaucht. Die Variante macht hier allerdings – nach dem, was man von Sequenzierungen weiß – erst etwa zwei Prozent der Infektionen aus; der Anteil soll aber laut Robert-Koch-Institut in den vergangenen Wochen kontinuierlich gestiegen sein. In Deutschland herrscht derzeit noch die britische Mutante B.1.1.7 vor, sie wird in mehr als 90 Prozent der untersuchten positiven Proben gefunden.

Corona: Indische Virusvariante B.1617 auf dem Vormarsch

In Großbritannien hingegen ist der Anteil der indischen Corona-Variante bereits deutlich gewachsen, es wird vermutet, dass sie im April viele Reiserückkehrer aus Indien mitgebracht haben. Sorgen bereitet insbesondere eine Untergruppe der indischen Variante mit der Bezeichnung, B.1.617.2. Laut den Sequenzierungsdaten des britischen Sanger-Instituts soll sich deren Vorkommen im Vereinigten Königreich bei sinkender Gesamtinzidenz wöchentlich in etwa verdoppelt haben. Gegenüber der Zeitung Guardian äußerte die Epidemiologin Deepti Gurdasani von der Queen Mary University of London die Vermutung, die Variante könne bereits Ende Mai oder Anfang Juni die dominante in London werden.

Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen es als wahrscheinlich an, dass die indische Variante und insbesondere ihr Untertypus B..1.617.2 leichter übertragbar ist als das „Wildvirus“ aus Wuhan. Aber sorgen diese veränderten Viren auch für schwerere Covid-19-Verläufe? Und wie sieht es mit dem Schutz nach einer überstandenen Corona-Infektion mit dem „alten“ Erreger und dem durch eine Impfung aus? Alle verfügbaren Impfstoffe sind auf das ursprüngliche Virus ausgerichtet.

Eine Mitarbeiterin des Gesundheitswesens verabreicht einem Mann in einem Impfzentrum in Neu Delhi einem Mann eine Dosis des Covaxin-Impfstoffs.

Corona: Erste Untersuchungen von B.1617 deuten auf „höhere Pathogenität“ hin

Die Frage, ob die indische Varianten krankmachender ist, lässt sich noch nicht beantworten. Während Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien der Universität Basel, dem Science Media Center sagte, es gebe keine Hinweise, dass die Variante „generell häufiger“ zu schweren Verläufen führe, sprach Joachim Schultze, Direktor des Forschungsbereichs Systemmedizin am Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen, davon, dass erste Untersuchungen auf eine „höhere Pathogenität“ hindeuteten.

Was den Immunschutz nach durchgemachter Infektion oder einer Impfung angeht, so stellt sich die Lage als ebenfalls nicht eindeutig dar. Wie das Science Media Center berichtet, haben sich in London 15 Bewohnerinnen und Bewohner, die vollständig mit dem Vakzin von Astrazeneca geimpft waren, mit B.1.617.2, also der „verschärften“ indischen Variante, angesteckt. Vier davon hätten mit Symptomen behandelt werden müssen, schwere oder tödliche Verläufe seien aber ausgeblieben. In einer Studie der britischen University of Cambridge und des National Centre for Disease Control in Indien wird von einem durch B.1.617.2 verursachten Ausbruch bei 33 mit Astrazeneca geimpften Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gesundheitswesens berichtet, auch dort gab es aber keine schweren Verläufe.

Corona: Impfstoffe von Biontech und Moderna mit leicht abgeschwächter Schutzwirkung

Bei Laborversuchen habe der Impfstoff von Biontech/Pfizer nur leichte Einbußen bei der Neutralisation des Virusvariante gezeigt, heißt es in der Studie weiter. Die Autorinnen und Autoren weisen außerdem darauf hin, dass auch der indische Totimpfstoff Covaxin, der mit einem inaktivierten Ganzvirus als Antigen arbeitet, in vitro nur einen kleinen Neutralisations-Verlust zeige. Gleichwohl räumen die Forschenden die Möglichkeit ein, dass sich die indische Variante auch von Geimpften leichter übertragen lasse als das Wildvirus.

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kam eine Studie der Grossman School of Medicine und des Langone Center New York. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen für die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna von leicht abgeschwächter Schutzwirkung bei der indischen Variante aus. Sie hatten für ihre Studie die Blutproben Geimpfter im Labor künstlich hergestellten Pseudoviren ausgesetzt und festgestellt, dass die Zahl der Antikörper bei der indischen Variante etwas geringer ausfiel.

Eine umfangreiche Studie zum Immunschutz nach Infektion sowie zur Wirksamkeit therapeutischer Antikörper und des mRNA-Impfstoffs von Biontech/Pfizer hat aktuell auch ein deutsches Forschungsteam des Primatenzentrums der Universität Göttingen, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Medizinischen Hochschule Hannover vorgelegt. Die Forschenden nutzten für ihre Versuche Pseudoviren des Wildtypus, der, indischen B.1.617-Variante und der südafrikanischen B.1.351-Variante.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden heraus, dass B.1.617 voll resistent gegen den Antikörper Bamlanivimab und zum Teil resistent gegen den Antikörper Casirivimab ist. die beide als Therapie gegen Covid-19 eingesetzt werden. Am Eintritt in die Zelle hindern ließ sich die Virusvariante allerdings durch eine Behandlung mit löslichem Angiotensin-konvertierendem Enzym 2 (ACE2) und Camostat, einem Wirkstoff aus der Gruppe der sogenannten Protease-Inhibitoren, der in Japan zur Behandlung der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung zugelassen ist und bereits früh in der Pandemie als Therapie von Covid-19 im Gespräch war.

Die Neutralisation durch die Antikörper von Genesenen war bei der indischen Variante um die Hälfte reduziert im Vergleich zum Wildvirus – und damit weniger beeinträchtigt als bei der südafrikanischen Variante, wo die Wirkung um den Faktor sechs zurückging. Nach vollständiger mRNA-Impfung mit Biontech/Pfizer war die Effizienz der Antikörper gegen die indische Variante um den Faktor drei reduziert – im Vergleich dazu bei der südafrikanischen um den Faktor elf.

Mutanten

Bekannte Varianten von Sars-CoV-2 sind die in Großbritannien (B.1.1.7), Südafrika (B.1.351), Brasilien (P1), Indien (B.1.617) und Kalifornien (Cal.20C) erstmals aufgetauchten.

Seit Januar 2021 wurden daneben weltweit noch „zwischen 70 und 100 neue Mutationen im Sars-CoV-2-Genom“ nachgewiesen, wie es in einer Mitteilung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg heißt. Ein Forschungsteam dort hat eine umfassende Analyse der Virusmutationen von Sars-CoV-2 vorgelegt.

Die Entstehung anderer Mutationen könnte sich „trotz Impfung weiterentwickeln, falls es nicht schnell genug gelingt, die Ausbreitung einzudämmen“, warnt der Virologe Walter Doerfler, einer der Studienautoren. Das könne „langfristig erhebliche Probleme für die Therapie und die Impfprogramme generieren“. Es wäre aber auch ein anderes Szenario denkbar: Im Laufe einer „extremen Mutationsbildung“ könnte sich das System erschöpfen und das Virus die Fähigkeit zur Vermehrung verlieren. Dafür, so Doerfler, gebe es derzeit aber keine Hinweise. pam

Corona: Mutante kann Angriffen durch Antikörper partiell ausweichen

Diese Fähigkeit, dem Angriff durch Antikörper zumindest partiell auszuweichen, könnte zur schnellen Verbreitung dieser Variante auch in einer bereits in Teilen immunisierten Bevölkerung beitragen, schlussfolgern die Forschenden. Sie können sich aber auch vorstellen, dass noch andere Faktoren dabei eine Rolle spielen, etwa eine möglicherweise größere Fitness der indischen Variante oder eine zunehmende Nachlässigkeit beim Einhalten der Vorsichtsmaßnahmen wie Maskentragen und Social Distancing.

Die drei genannten Studien haben bislang noch keine Drucklegung erfahren und wurden noch nicht von anderen Expertinnen oder Experten begutachtet. Außerdem liegen den Arbeiten Laboruntersuchungen zugrunde, deren Ergebnisse sich nicht ohne Weiteres eins zu eins in die Praxis übertragen lassen. Heißt: Im individuellen menschlichen Körper kann es sich anders verhalten. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Naveen Sharma/SOPA Images / dpa

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