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Recherche

Corona in Indien: Weit mehr Covid-19-Opfer als offiziell bekannt

  • vonDavid Suárez Caspar
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Die zweite Corona-Welle trifft Indien mit voller Härte. Eine Recherche der New York Times zeigt, dass die Anzahl der Corona-Toten weit über den offiziellen Zahlen liegen dürfte.

Neu-Delhi/New York City - Die Corona-Mutante B.1.167 wütet weiter in Indien und kostet vielen Menschen ihr Leben. Zwar geht die Zahl der Neuinfektionen laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter zurück, doch verzeichnete das Land am Mittwoch (19.05.2021) mit 4529 die höchste Anzahl an Toten innerhalb eines Tages weltweit. Indien meldet seit Beginn der Pandemie eine Gesamtzahl an 27.157.795 Infektionen und 311.388 Todesfällen (Stand 26.05.2021). Eine Recherche der New York Times rechnet jedoch eine viel höhere Gesamtzahl an Todesfällen aus.

Gemeinsam mit Fachleuten stellte die New York Times mehrere Szenarien der möglichen Summe der Todesfälle in Indien auf. Selbst die vorsichtigste Schätzung hält über 400 Millionen Infektionen und mehr als 600.000 Todesfälle für möglich, was etwa die doppelte Menge der offiziell gemeldeten Todesfälle bedeuten würde. Für das schlimmste Szenario ist sogar eine Infektionszahl von 700 Millionen und mehr als 4.2 Millionen Corona-Toten denkbar. Das wären mehr Todesfälle, als die weltweit erfasste Todeszahl der WHO.

Sanitäter:innen tragen den Leichnam einer Person eines Corona-Toten in einem Krematorium in Neu-Delhi am 21. Mai 2021. Laut einer Recherche der New York Times soll die tatsächliche Anzahl der Todesfälle wesentlich höher sein.

Corona in Indien: Mangel an Tests und Behandlung für Infizierte

Generell ist bekannt, dass die Dunkelziffer von Infektionen und Todesfällen in der Regel höher als die offiziell gemeldeten sind. Doch wie kommt eine so große Diskrepanz zustande? Ein Grund könnte das überlastete Gesundheitssystem, bzw. die fehlende Behandlung von Corona-Infizierten in Krankenhäusern sein. Demnach sterben viele Menschen zu Hause, besonders in ländlichen Gebieten, erklärt der Epidemiologe Kayoko Shioda der New York Times. All diese Fälle tauchten nicht in den Statistiken auf.

Darüber hinaus haben andere Forscher:innen herausgefunden, dass es nur wenige Corona-Tests gebe. Oft seien Familien nicht bereit zu sagen, dass ihre Angehörigen an Covid gestorben seien. Auch das System zur Erfassung von Gesundheitsdaten sei in Indien bestenfalls wackelig. Schon vor Covid-19 seien etwa vier von fünf Todesfällen in Indien nicht medizinisch untersucht worden, berichtet die New York Times.

Indien: Summe der Corona-Toten vermutlich bei 1,6 Millionen

„Wie in den meisten Ländern werden auch in Indien die Gesamtinfektionen und Todesfälle unterschätzt“, sagt Dr. Ramanan Laxminarayan, Direktor des Center for Disease Dynamics. „Der beste Weg, um zu dem wahrscheinlichsten Szenario zu kommen, wäre eine Triangulation von Daten aus verschiedenen Quellen, die auf etwa 500 bis 600 Millionen Infektionen hindeuten würde.“ Das „wahrscheinlichere Szenario“ erwägt 539 Millionen Infektionen und 1,6 Millionen Todesfälle. Das wären 20 Mal mehr Infizierte als offiziell gemeldet. Mit einer Fallsterblichkeitsrate von 0,30 Prozent wäre die tatsächliche Todeszahl 5,3 Mal höher.

Grundlage für die Errechnung der Infektionszahl sind drei national erfasste sogenannte Serumuntersuchungen (Blutproben) sowie zusätzlich mehr als 60 Serumuntersuchungen auf lokaler und regionaler Ebene. Auch wenn es innerhalb des Landes extreme Schwankungen bei der Sterblichkeitsrate als auch bei der Infektionszahl gibt, ist eines klar: Das Ausmaß der Corona-Pandemie in Indien ist viel größer, als die offiziellen Zahlen vermuten lassen. (David Suárez Caspar)

Rubriklistenbild: © PRAKASH SINGH

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