Herdenimmunität

Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer: Wann ist die Bevölkerung gegen Covid-19 geimpft?

  • Moritz Serif
    vonMoritz Serif
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Pfizer und Biontech haben einen Corona-Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt. Unklar ist allerdings, wann die Bevölkerung tatsächlich durchgeimpft ist.

  • Der Impfstoff von Pfizer und Biontech könnte einen entscheidenden Einfluss auf Corona und den Verlauf der Pandemie haben.
  • Unklar ist jedoch noch, ob das Präparat gegen schwere Verläufe von Covid-19 schützt.
  • Dafür steht schon fest, wie viele Dosen des Impfstoffes produziert werden können.

Deutschland - Die Erfolgsmeldung von Biontech und Pfizer klingt vielversprechend. Der Corona-Impfstoff der Unternehmen verspricht einen 90-prozentigen Schutz vor Covid-19. Bislang sind auch keine schweren Nebenwirkungen bekannt. Ab der kommenden Woche soll dann die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragt werden. Darüber hatte die „Tagesschau“ berichtet. Doch wie wirkt der Stoff überhaupt? Was ist noch unbekannt? Und wie schnell kann das Präparat produziert, bzw. die Bevölkerung durchgeimpft werden?

Bei dem Präparat handelt es sich um einen RNA-Impfstoff. Neu daran ist seine Wirkungsweise. Der Impfstoff enthält genetische Informationen des Erregers. Aus diesen produziert der Körper ein Viruseiweiß, wodurch das Corona-Virus in Zellen eindringt. Durch die Impfung ist es möglich, den Organismus dazu zu bringen, Antikörper zu produzieren. Diese könnten dann Viren daran hindern, in die menschlichen Zellen einzudringen und sich zu vermehren. Die Folge: Eine Infektion bleibt aus. Auch ein Ausbruch der Lungenkrankheit Covid-19 wird dann verhindert. Zumindest in der Theorie.

Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer: Unklar, ob Präparat gegen schwere Verläufe von Covid-19 schützt

Charité-Virologe Leif-Erik Sander hat noch Bedenken hinsichtlich der Immunisierung. „Es muss sich zeigen, wie lange der Impfschutz anhält“, sagt er. Ugur Sahin, Biontech-Chef rechnet damit, dass eine einjährige Immunsierungswirkung erreicht werden kann.

Noch nicht geklärt ist, ob der Corona-Impfstoff bei Risikogruppen wie Senioren genauso wirkungsvoll ist. Sebastian Ulbert, Abteilungsleiter Immunologie am Frauenhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig vermutet, dass wegen des schwächeren Immunsystems wohl größere Mengen des Präparats nötig seien.

Özlem Türeci und Ugur Sahin haben mit Pfister einen Impfstoff gegen Corona und Covid-19 entwickelt.

Pfizer und Biontech: Wie viele Dosen des Corona-Impfstoffes bald produziert werden können

Spannend dürfte auch sein, wie viel Dosen des Corona-Impfstoffes überhaupt in nächster Zeit produziert werden können. Biontech und Pfizer rechnen damit, dass bis zu 50 Millionen Dosen hergestellt werden können. Bereits 2020. Damit könnten 25 Millionen Menschen geimpft werden. Im kommenden Jahr sollen es übrigens 1,3 Milliarden Dosen sein, die hergestellt werden. Wann die ganze Bevölkerung tatsächlich gegen Corona und somit auch gegen Covid-19 durchgeimpft werden kann, ist noch unklar.

„Wenn man etwa pro Tag 100 000 Menschen impfen würde, brauche man 150 Tage, um 15 Millionen Menschen zu impfen“, prognostiziert Virologe Thomas Mertens. Dem schließt sich Frank Ulrich Montgomery, Leiter des Weltärztebundes, an. „Dann brauchen sie 830 Tage, das sind etwa zweieinhalb Jahre“, sagt er. Eine Durchimpfung der Bevölkerung in Deutschland könne also frühestens Ende 2021 bzw. Mitte 2022 erreicht werden.

Frank Ulrich Montgomery rechnet frühestens Ende 2021 damit, dass die Bevölkerung gegen Corona und Covid-19 vollständig geimpft werden kann.

Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer: Durchimpfung gegen Covid-19

Matthias Schrappe, ehemaliger stellvertretende Vorsitzende des Sachverständigenrats Gesundheit der Bundesregierung, rechnet noch konservativer. In einer Modellrechnung sei er von 60 Millionen Menschen ausgegangen, die geimpft werden müssen. Pro Tag könnten 60.000 Impfdosen verabreicht werden. Somit würde die Impfung gegen Corona und Covid-19 insgesamt 1000 Tage dauern. Das seien „also etwa vier Jahre“. Dann wäre mit einer Durchimpfung frühestens Ende 2024 zu rechnen. Die Erfolgsmeldung von Biontech und Pfizer macht Hoffnung - dennoch könnte es sein, dass die Menschen noch mehrere Jahre mit Beschränkungen leben müssen. (Moritz Serif)

Rubriklistenbild: © Biontech/dpa

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