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Diagnose: Wahr

Immer noch unter Schock

Ärzte im Visier der Pharmaindustrie: Mit versteckter Software soll deren PC manipuliert werden, damit der eigene Konzern oben steht - alles Fiktion?

Von Dr. med. Bernd Hontschik

In Berlin wird der Chef eines Pharmakonzerns entführt. Der Entführer will aber niemanden erpressen, verlangt auch kein Lösegeld, er will nur die Wahrheit wissen. Wenn der Chef auspacke, werde er freigelassen. Endlich packt er peu à peu aus: Zwischen dem Geld der Kassen und dem Profit des Konzerns sitzt der Arzt und sein Rezeptblock: Ein Nadelöhr. Also hat man die Ärzte ins Visier genommen, hat ihnen Computer, Software, Drucker geschenkt. Versteckte Programme führen Präparate seines Konzerns an erster Stelle auf. Will der Arzt das ändern, stürzt das System ab.

Also hat man „Anwendungsbeobachtungen“ erfunden: Lächerliche, wissenschaftlich unbrauchbare Papiere für die Tonne, mit Wirkungsprofilen nach Art von Schulnoten, für die der Arzt je nach Medikament reichlich Geld erhält. Mehr als die Hälfte der Ärzte beteiligen sich an diesem korrupten System. Und weil in Deutschland die Konzerne die Arzneimittelpreise selbst festlegen, beträgt ihre Umsatzrendite bis zu 40 Prozent.

Wenn der Patentschutz abläuft und billige Nachahmerpräparate das Geschäft verderben, wird eine winzige chemische Veränderung vorgenommen (das nennt sich „Pharmaforschung“), und das „neue“ Medikament, neu patentiert, unter neuem Namen (das nennt sich „Innovation“) zu den alten hohen Preisen auf den Markt gedrückt, Methoden: siehe oben (das nennt sich „Marketing“). Als der Entführte auch noch zugibt, dass in Deutschland jedes Jahr 2,5 Milliarden Euro in etwa 20?000 Praxishausierer (genannt „Pharmareferenten“) investiert werden, dass sein Konzern Selbsthilfegruppen sponsert oder verdeckt selbst gründet, dass er Medizinprofessoren, deren Veranstaltungen und Forschungen selbst bezahlt, um unerwünschte Ergebnisse unter Kontrolle zu behalten, wird er nun freigelassen?

Sie haben es sicher schon gemerkt: Alles frei erfunden! Alles nur die Inhaltsangabe eines Kriminalromans. Das Dumme ist nur, dass der Autor genau recherchiert hat und in seinem Nachwort bekennt, er stehe „immer noch unter Schock“. Ein Charité-Professor soll ein Mädchen ermordet haben, ein Detektiv soll seine Unschuld beweisen und muss sich mit dessen Pharmaforschungen befassen. Spannend, voll im Leben, alles Fiktion, alles wahr!

Wolfgang Schorlau: Die letzte Flucht. KiWi 2011. 8,99 Euro.

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