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Das Wärmekamerabild eines Menschen: je wärmer die Farben, desto erhitzter die Körperpartie.
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Das Wärmekamerabild eines Menschen: je wärmer die Farben, desto erhitzter die Körperpartie.

Klima

Ich habe Hitze

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Der Klimawandel gefährdet unsere Gesundheit. Aktionspläne liegen seit langem vor. Ein Bündnis aus Medizin und Forschung fordert von der Politik: Setzt sie endlich um!

Die Klimakrise erhöht die Gesundheitsrisiken – etwa durch vermehrte Hitzewellen und Infektionskrankheiten. Spätestens seit dem Extremsommer 2003, als es in Europa zu mehreren Zehntausend vorzeitigen Todesfällen kam, ist das Allgemeinwissen. Trotzdem ist auch Deutschland nur unzureichend für die gesundheitlichen Herausforderungen des Klimawandels gerüstet. So haben nur wenige Städte und Gemeinden bisher Hitzeaktionspläne umgesetzt. Diese Warnung findet sich in einem Situationsbericht, den Expert:innen der Bundesärztekammer, der Berliner Charité, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und des Helmholtz- Zentrums München jetzt herausgegeben haben.

Die Fachleute hatten vor zwei Jahren in ihrem letzten Report mehrere Empfehlungen an die Politik gegeben, darunter „die systematische und flächendeckende Umsetzung von Hitzeschutzplänen zur Reduktion von hitzebedingten Gesundheitsrisiken“. Vorbild ist vor allem Frankreich; hier gibt es seit 2017 einen landesweit gültigen vierstufigen Plan. Die Kommunen dort haben zum Beispiel ein Register mit älteren, alleinstehenden Personen eingeführt, die als besonders gefährdet gelten und bei anhaltender Hitze Hilfe von Sozialarbeiter:innen bekommen. Rathäuser bieten gekühlte Räume und Versorgung für jene an, die sich nicht selbst helfen können.

Weitere Empfehlungen betrafen die Reduktion des „CO2-Fußabdrucks“ des Gesundheitssektors, dem rund fünf Prozent der Treibhausgas-Emissionen zugerechnet werden, sowie die Integration des Themas „Klimawandel und Gesundheit“ in die Aus- und Weiterbildung in Gesundheitsberufen.

Zu den erreichten Fortschritten befragt wurden unter anderem Mitarbeitende des Bundesgesundheitsministeriums, Beschäftigte von Krankenhäusern, Krankenkassen, Wohlfahrtsverbänden und NGOs sowie Hausärzt:innen.

Diagnose: Kein Mittel gegen Hitzeschocks

Das ernüchternde Ergebnis nach zwei Jahren: „Das Bewusstsein für den Ernst der Lage wächst bei den Entscheidungsträger:innen. Die notwendigen Handlungen bleiben hingegen meist aus“, so die Fachleute. „Es reicht nicht, wenn Einzelne ihr Verhalten ändern. Wir müssen auch die Verhältnisse ändern“, sagte Sabine Gabrysch, Professorin für Klimawandel und Gesundheit an der Charité. Das sei an viel zu wenigen Stellen passiert.

Nach Angaben des Instituts für Epidemiologie des Helmholtz- Zentrums hat die Gesundheitsgefährdung durch Hitze in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren wegen des Anstiegs der Zahl heißer Tage weiter zugenommen – besonders für sensible Gruppen, etwa ältere Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herzinsuffizienz. „Für solche extremen und komplexen Situationen, wie sie im Sommer 2021 in Südeuropa und Kanada aufgetreten sind, ist die Bundesrepublik momentan nicht ausreichend gerüstet“, warnte die Institutsdirektorin Annette Peters. In den Mittelmeerländern waren über 40 Grad, in West-Kanada erstmals sogar fast 50 Grad erreicht worden.

Temperaturen wie in den Tropen machen vielen Menschen gesundheitlich zu schaffen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sieht es als Aufgabe der künftigen Bundesregierung an, hier tätig zu werden. Sie müsse gemeinsam mit Ländern und Kommunen die Verantwortlichkeiten zur Vorbeugung klimabedingter Gesundheitsgefahren zu definieren. Gesundheitseinrichtungen müssten durch ausreichend Personal und Räumlichkeiten auf Extremwetterereignisse vorbereitet werden.

Deutschland steht mit seiner unzureichenden Klima-Gesundheitsstrategie freilich nicht alleine da. Der parallel zum deutschen Report veröffentlichte Bericht „Lancet Countdown“, erstellt von 38 weltweit führenden akademischen Institutionen und UN-Organisationen, zeigt dies deutlich. Zitiert wird darin eine WHO-Umfrage, nach der nur 45 der 91 dazu befragten Regierungen angaben, sie verfügten über eine nationale Strategie zum Thema Gesundheit und Klimawandel. Über zwei Drittel beklagten, es gebe nur unzureichende Finanzmittel für die Umsetzung solcher Pläne.

Der Report, der von der Medizinzeitschrift „The Lancet“ herausgegeben wird, bilanziert, dass die klimawandelbedingten Gesundheitsgefahren weltweit unvermindert zunehmen. Betroffen seien vor allem Regionen, die von Ernährungsunsicherheit, Wassermangel, Hitzewellen und der Verbreitung von Infektionen betroffen sind. Die Autor:innen rufen zu global koordinierten Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels auf. Die Corona-Konjunkturmittel müssten vor allem für den klimafreundlichen Umbau eingesetzt werden: „Viele aktuelle Covid-19-Wiederaufbaupläne sind nicht mit dem Pariser Abkommen vereinbar und werden daher langfristige Auswirkungen auf die Gesundheitslage haben.“

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