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Hunga Tonga kühlt

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Von: Joachim Wille

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Die Emissionen von Vulkanausbrüchen können in die Stratosphäre gelangen und dort das Weltklima beeinflussen.
Die Emissionen von Vulkanausbrüchen können in die Stratosphäre gelangen und dort das Weltklima beeinflussen. © Tonga Geological Services/Imago

Die Schwefelfrachten des Unterwasser-Vulkans reflektieren das Sonnenlicht. Im Kampf gegen die Klimaerwärmung bringt das aber nur wenig.

Hunga Tonga Hunga Ha’apai ist ein Unterwasser-Vulkan. Kaum einer kannte ihn bisher, zumindest nicht in Deutschland. Vor einer Woche dann schlug er gewaltig zu. Er hat die betroffene Region auf den Tonga-Inseln mit einer dicken Asche-Schicht überzogen, einen Tsunami im Pazifik ausgelöst, mehrere Todesopfer gefordert, Luftdruck-Wellen erzeugt, die sogar hierzulande messbar waren – und sich als Klimaschützer betätigt. Zumindest ein ganz kleines bisschen.

Vulkane können das Weltklima beeinflussen. Der Ausbruch des Mount Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991 zum Beispiel führte dazu, dass die globale mittlere Temperatur über ein Jahr lang um 0,5 Grad Celsius niedriger lag als vorher. Noch drastischer waren die Folgen 1815, als der Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa ausbrach. Das Jahr danach ging als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein.

Vulkane speien Schwefel

Nicht jeder Vulkan hat ein solches Potenzial. Die Voraussetzung, damit ein Ausbruch sich messbar auf das Klima auswirkten kann, ist: Er muss seine Emissionen, darunter Schwefeldioxid (SO2) und Ruß, so hoch hinausspeien, dass sie die Wetterschicht (Troposphäre) durchbrechen und in die darüberliegende Stratosphäre gelangen. Dort entstehen aus dem Schwefeldioxid langlebige Aerosole, die das Sonnenlicht reflektieren und so das Weltklima abkühlen. Der Ruß wirkt zwar ähnlich, doch die schwarzen Partikel sinken, anders als der Schwefel-Schwebstaub, relativ schnell zur Erde.

Der Hunga Tonga Hunga Ha’apai schaffte die nötige Höhe. Seine Schwefelfrachten gelangten bis zu 30 Kilometer hinauf, die Troposphäre ist nur in etwa halb so dick. Doch die SO2-Mengen waren viel geringer als etwa beim Pinatubo-Ausbruch. Damals wurden sie auf 15 bis 20 Millionen Tonnen geschätzt, diesmal „nur“ auf rund 400 000 Tonnen – also höchstens ein 50stel davon.

Das dürfte die globale Temperatur senken, aber wohl nur um ein hundertstel Grad. Sie liegt heute schon 1,1 Grad höher als vor der Industriealisierung. Als Gegenmittel gegen die menschengemachte Erderwärmung taugt das also nicht, falls nicht noch weitere, größere Eruptionen folgen. Wünschen darf man das sowieso nicht, denn ein Ausbruch kann leicht außer Kontrolle geraten. Die Tambora-Eruption zum Beispiel führte weltweit zu Missernten, Hunger und Seuchen.

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