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COVID-19 unterm Elektronenmikroskop.

Grippe und Covid-19

Hoffen auf den Frühling

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Experten fürchten ein Zusammentreffen von Corona und Grippe.

Der Vergleich von Covid-19, wie die durch das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöste Lungenkrankheit offiziell heißt, mit der Grippe bietet wenig Grund für Alarmismus – so wenig, wie er bisher zur Beruhigung taugte. Denn es bleibt dabei, dass die Grippe bislang weit mehr Menschen trifft als das neue Coronavirus. Allein in dieser Grippesaison sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bislang 161 Menschen in Deutschland an der Grippe gestorben. Gut 98 000 Fälle sind bestätigt, knapp 17 000 Patienten mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Mehr als 300 Ausbrüche mit mehr als fünf Fällen hat das Robert-Koch-Institut bislang registriert. Es sind Zahlen, von denen das neue Coronavirus bislang glücklicherweise weit entfernt ist – aber die auch klarmachen: Es geht nicht um Covid-19 oder Grippe – die größte Gefahr wäre Covid-19 und Grippe.

Tatsächlich wäre eine Kombination von Covid-19 und der Grippe eine massive Belastung – für das Gesundheitssystem insgesamt und für jeden einzelnen Erkrankten. Die diesjährige Grippesaison verläuft bislang deutlich weniger schwer als die sehr heftige vorletzte und auch als die Saison 2018/2019. „Der Höhepunkt der diesjährigen Grippewelle scheint überschritten zu sein“, schreibt das RKI in seinem aktuellen Situationsbericht. Dennoch sind in dieser Saison bereits rund 2,1 Millionen Menschen in Deutschland wegen einer möglichen Influenza zum Arzt gegangen – und vorbei, auch das zeigen die Daten, ist die Grippesaison noch längst nicht. „In der Grippesaison sind unsere Kapazitäten zu 85 Prozent belegt“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Berliner Charité, Heyo Kroemer, bei einer Pressekonferenz.

Eine zusätzliche größere Covid-19-Welle könnte das klinische System rasch an seine Grenzen bringen, fürchten Wissenschaftler. „Es wird dann schwierig, die normale Versorgung aufrechtzuerhalten“, warnte deshalb kürzlich der Virologe Christian Drosten von der Charité.

Auch für den einzelnen Patienten könnte eine Kombination aus Grippe- und Sars-CoV-2-Infektion besonders gefährlich sein, warnen Ärzte. Bislang ist über das neue Coronavirus vieles – nach wie vor – nicht bekannt, die Wissenslücken sind groß. Wie viele weitere Menschen ein Infizierter ansteckt und in welcher Phase genau er das Virus weitergibt, zu all dem gibt es Hinweise, aber noch kaum sicheres Wissen. Mediziner fürchten jedoch, dass eine Infektion mit beiden Viren zu besonders schweren Verläufen führen könnte. „Wir können deshalb nur an die Bevölkerung appellieren: Lasst euch impfen!“, sagt der Immunologe Professor Matthias Stoll von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Eindämmungsmaßnahmen mögen manchmal aktionistisch wirken – letztlich sollen sie vor allem dazu dienen, Grippe- und eine mögliche Covid-19-Welle zu entzerren. „Wir müssen Zeit gewinnen“, sagt deshalb RKI-Chef Lothar Wieler. Am Ende steht dahinter auch die große Hoffnung, dass Grippeerreger und das Sars-CoV-2-Virus noch etwas gemeinsam haben: dass sie das Frühjahr nicht mögen und steigende Temperaturen die Infektionswellen rasch zum Abklingen bringen.

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