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„Genschere“ Crispr soll HIV besiegen: Erste Studie am Menschen hat begonnen

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Von: Tanja Banner

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Ein Freiwilliger bekommt in der klinischen Studie ein Mittel mit der „Genschere“ Crispr verabreicht – die Genschere soll das HI-Virus angreifen und es unfähig machen, sich zu kopieren. (Symbolbild)
Ein Freiwilliger bekommt in der klinischen Studie ein Mittel mit der „Genschere“ Crispr verabreicht – die Genschere soll das HI-Virus angreifen und es unfähig machen, sich zu kopieren. (Symbolbild) © imago/Maor Winetrob/PantherMedia

HIV ist ist immer noch eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt. Forschende wollen nun mit der „Genschere“ Crispr den Durchbruch schaffen.

Philadelphia – Weltweit leben fast 40 Millionen Menschen mit HIV – einer Krankheit, für die es zwar mittlerweile Behandlungsmöglichkeiten gibt, jedoch nach wie vor keine Heilung. Viele von ihnen dürften eine derzeit laufende Studie deshalb mit großem Interesse verfolgen. In den USA wird derzeit an einem männlichen HIV-Patienten eine neue Behandlungsmethode getestet: Bereits im Juli bekam der freiwillige Teilnehmer ein experimentelles Mittel injiziert. Das Mittel brachte die „Genschere“ Crispr direkt in den Blutkreislauf des Patienten.

Bisher nimmt der Freiwillige noch antiretrovirale Medikamente, die die Vermehrung der HI-Viren im Körper unterdrücken und auf einem nicht nachweisbaren Level halten – doch noch im Laufe des Oktobers soll der Studienteilnehmer diese Medikamente absetzen. Zwölf Wochen lang wird dann gewartet und beobachtet, ob das Virus zurückkommt – falls nicht, gilt das Experiment als ein Erfolg. Das Magazin Wired zitiert Daniel Dornbusch, Geschäftsführer des Unternehmens Excision BioTherapeutics, das den klinischen Test durchführt: „Wir versuchen, die Zelle wieder in einen nahezu normalen Zustand zu versetzen.

HIV attackiert Immunzellen und lässt Kopien von sich selbst produzieren

Hintergrund ist die Funktionsweise von HIV im Körper: Das Virus attackiert Immunzellen im Körper und bringt sie dazu, HIV-Kopien zu produzieren. Doch nicht alle mit HIV infizierten Zellen produzieren Viruskopien. Manche „schlummern“ jahrelang – ein großes Problem beim Versuch, das Virus zu bekämpfen, denn die Reservoirs, in denen sich die schlummernden Viren befinden, sind nicht einfach zu erreichen. „HIV ist ein schwer zu bekämpfender Gegner, weil es in der Lage ist, sich in unsere eigene DNA einzuschleusen, und es ist auch in der Lage, zu verstummen und sich an verschiedenen Punkten im Leben einer Person zu reaktivieren“, erklärt der Arzt und HIV-Forscher Jonathan Li gegenüber Wired.

Antivirale Medikamente können zwar die Produktion von Viruskopien stoppen und das Virus aus dem Blut entfernen, doch an die Reservoirs mit den schlummernden Viren kommen sie nicht heran – Betroffene müssen deshalb ihr Leben lang Medikamente einnehmen. Doch die Forschenden und das beteiligte Unternehmen hoffen, dass Crispr HIV endgültig den Garaus macht. Gedacht ist, dass die „Genschere“ sich gegen das Virus richtet und zwei Regionen aus dessen Genom entfernt, die für die virale Replikation wichtig sind. Weil das Virus sich nur reproduzieren kann, wenn es intakt ist, sollte es den Replikationsprozess dann einstellen.

Neue Studie: „Genschere“ Crispr soll HIV bekämpfen

Die Methode wurde bisher bei Mäusen und Ratten angewandt – Crispr entfernte die beiden Regionen aus dem Virus – und HIV verschwand. 2020 gelang der Versuch auch bei Makaken, die mit SIV (der Affen-Variante von HIV) infiziert waren. Der Mikrobiologe Kamel Khalili von der Lewis Katz School of Medicine der Temple University in Philadelphia war an der Entwicklung des Wirkstoffs namens EBT-101 beteiligt und begleitet auch die aktuelle Studie. Er ist sich sicher: „Wir sind gut aufgestellt, um den Erfolg, den dieser Ansatz in Tiermodellen gezeigt hat, auf Teilnehmer an klinischen Studien am Menschen zu übertragen.“

Khalili ist überzeugt: „EBT-101 kann den seit langem bestehenden ungedeckten Bedarf von Menschen, die mit HIV/Aids leben, decken, indem es die virale DNA aus ihren Zellen entfernt und so die Infektion ausrottet.“ In einer Mitteilung der Temple University heißt es wörtlich: „Die Entfernung der HIV-DNA aus dem zellulären Genom ist eine wesentliche Voraussetzung für eine Heilung.“ HIV-Betroffene in aller Welt werden die Studie deshalb sicherlich genau verfolgen – scheint die Methode doch einfacher und weniger riskant zu sein als eine Stammzellentherapie, die bei einer HIV-infizierten Frau das Virus verschwinden ließ. (tab)

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